SPÖ ein "Macho-Verein"? Holzleitner: "Aktueller Zustand nicht tragbar"

SPÖ-Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner sprach im "Report" über Frauenanteile in Führungspositionen, Karenzregelungen und die Repräsentation von Frauen innerhalb der SPÖ.
MINISTERRAT: HOLZLEITNER

Zusammenfassung

  • Holzleitner kritisiert langsame Fortschritte bei Gleichstellung, verweist auf Vorurteile und mangelnde Priorität in Österreich.
  • Sie fordert die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie und eine gerechtere Aufteilung der Karenzzeiten, da die Beteiligung der Väter rückläufig ist.
  • Innerhalb der SPÖ bemängelt Holzleitner den niedrigen Frauenanteil in Führungspositionen und kündigt Initiativen zur Verbesserung an.

Was sind die Ursachen für das "Schneckentempo" in Sachen Gleichberechtigung in Österreich? Das wollte Report-Journalistin Eva Linsinger zum Einstieg in das Gespräch von der SPÖ-Frauenministerin wissen – nicht zuletzt in Hinblick auf den Frauenanteil von nur 14 Prozent in heimischen Vorständen. 

Eva-Maria Holzleitner verwies auf fortbestehende Vorurteile in der Arbeitswelt und bei Bewerbungsprozessen, die Frauen hierzulande nach wie vor benachteiligen würden. Skandinavische Länder seien in der Hinsicht „wesentlich besser aufgestellt“ etwa, weil dort Familienzeit als Vorteil gesehen werde, da dadurch bedingte Kompetenzen wie „Multimanagement“ und „Stressresistenz“ als wertvoll für Unternehmen erachtet werden.

Angesprochen auf den Gleichstellungsindex und den "unrühmlichen Rangplatz 57 für Österreich" sagte Holzleitner, dass Gleichstellungspolitik parteipolitisch nicht immer "oberste Priorität" habe und „ein Ringen, ein Verhandeln“ sei. Zudem betonte sie, dass Österreich weiterhin von Reformen „von vor einigen Jahrzehnten“ zehre.

Beteiligung von Vätern "mittlerweile rückläufig"

Auch zur schleppenden Annäherung bei Einkommen und Pensionen bekräftigte die Frauenministerin: „Diese ist definitiv zu langsam.“ Als wichtigen Ansatz nannte sie die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Lohntransparenz. Internationale Beispiele würden zeigen, dass dadurch die „Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen effizienter geschlossen werden kann“. Auf den Einwand, die Richtlinie betreffe vor allem große Unternehmen, sagte Holzleitner, es würden noch Verhandlungen zur Umsetzung laufen.

Beim nächsten Thema Karenz verwies Linsinger auf Väter in Österreich, die statistisch im Durchschnitt „exakt neun Tage“ in Karenz gingen, während Mütter über 400 Tage in Karenz seien. Auch Holzleitner sprach hierbei von „Rückschritten“, die Beteiligung von Vätern sei hierzulande „mittlerweile rückläufig“. Ein „kinderfreundliches Land“ müsse „für beide Elternteile gelten“, viele Väter würden sich eine längere Karenz wünschen. Für Frauen sei es aber „oftmals keine Wahl“, ein „vorgefertigtes Karenz-System“ präge die Situation. 

Die Ministerin verwies auf Länder, die Karenzzeiten verpflichtend aufteilten. Auf die Frage, ob sie eine verpflichtende „Halbe-Halbe“-Aufteilung wolle, sagte Holzleitner, die SPÖ-Frauen würden sich schon lange dafür einsetzen die Koalitionspartner sähen das aber anders.

Holzleitner: "Aktueller Zustand in der SPÖ nicht tragbar"

Apropos SPÖ-Frauen: Zum Schluss wurde noch die innerparteiliche Situation der SPÖ angesprochen, etwa, dass sich unter den neuen Landesparteivorsitzenden „ausschließlich Männer“ finden und auch im Parlamentsklub die Zahl der Frauen sinke. "Wer soll da die SPÖ beim Thema Gleichberechtigung ernst nehmen?", so Linsinger an die Frauenministerin. Holzleitner dazu: „Das ist ein Zustand, der mich weder zufrieden stellt, noch glücklich macht“. 

Linsinger bohrte nach: "Zum Vergleich: Die ÖVP hat zwei Landeshauptfrauen, Neos und Grüne werden überhaupt von Frauen geführt, sogar die FPÖ hat eine Landesparteivorsitzende. Ist die SPÖ ein Macho-Verein?" Holzleitner entgegnete, die Frauenorganisation in der SPÖ wolle Statutenänderungen initiieren, von „Frauenförderplänen“ bis zur Überprüfung, „wo die Quote noch nicht so wirksam ist, wie sie sein sollte“. Ziel sei, dass mehr Frauen „in allen Gremien mit am Verhandlungstisch sitzen“. Denn, so Holzleitner über ihre Partei: „Der aktuelle Zustand ist nicht tragbar.“

Auf die Frage nach einem möglichen Streik der SPÖ-Frauen meinte die Ministerin: „Das ist vermutlich eine Option, die wir uns dann überlegen müssen“, verwies jedoch zunächst auf die geplante Initiative zur Statutenprüfung und Verankerung von Frauenförderplänen.

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