Bürgermeisterinnen
08/04/2016

Frauen an die (Kommunal-)Macht

Nur sieben Prozent weibliche Ortschefs, Mentoring-Programm soll motivieren.

von Raffaela Lindorfer

"Man wird nicht gewählt, weil man eine Frau ist, sondern dafür, wie man als Frau ist", sagt Sonja Ottenbacher. Die 55-Jährige ist seit 2004 ÖVP-Bürgermeisterin in ihrer Heimatgemeinde Stuhlfelden im Salzburger Oberpinzgau. Sich in der Männerdomäne behaupten zu können und das Zeitmanagement nennt sie als die größten Hürden für Frauen, die sich für politische Ämter engagieren.

In den 2100 Gemeinden Österreichs sind nur 146 Frauen, also 7 Prozent, an der Spitze. Die Zahl steigt seit 1999 kontinuierlich – da waren es noch 45. Helmut Mödlhammer, Sprachrohr von 2100 Gemeinden und deren Bürgermeistern, ist das aber immer noch zu wenig: "In den nächsten fünf Jahren wollen wir die Zehn-Prozent-Marke überschreiten." In Salzburg stehen lediglich vier, im Burgenland sieben Frauen Gemeinden vor. In Niederösterreich liegt man bereits bei 10,3 Prozent, das sind 59 Bürgermeisterinnen.

Rollenspiele im Gemeinderat

In Niederösterreich gibt es seit Längerem ein Mentoring-Programm für verschiedene Berufssparten. Ab Herbst soll ein eigenes Politik-Paket starten. "Die Mentorinnen werden handverlesen. Wer sich für den Job interessiert, kann sich melden und wird dann ein Jahr lang persönlich betreut", erklärt Maria Rigler aus dem Büro von Landesrätin Barbara Schwarz. Zusätzlich werden Seminare zum Auftreten vor einer Kamera, Argumentation und Pressearbeit angeboten. Und, was skurril klingt, aber durchaus hilfreich sein könnte: Rollenspiele im Gemeinderat. "Damit die Frauen lernen, wie es da zugeht und wie sie sich behaupten können." Der Gemeindebund will das Mentoring-Programm, das überparteilich organisiert ist, auf ganz Österreich ausdehnen.

Das Potenzial an politisch engagierten Frauen ist offenbar da: Fast ein Viertel der Gemeinderäte ist mit Frauen belegt, 16 Prozent sind Vizebürgermeisterinnen. Den Schritt an die vorderste Front wagen aber nur wenige, sagt Bürgermeisterin Ottenbacher: "Frauen sind es gewohnt, eher im Hintergrund zu arbeiten. Oft ist es dann ein Zufall, wenn sie nach vorne rutschen." So sei es auch bei ihr gewesen.

Laut einer Umfrage des Gemeindebundes sagen 44 Prozent der derzeitigen Bürgermeisterinnen, es habe sich "so ergeben". Nur elf Prozent haben das Amt aktiv angestrebt.

Familie und Beruf

Ein Zufall war es auch bei Kerstin Suchan-Mayr, SPÖ-Bürgermeisterin von St. Valentin. Sie ist 2010 nachgerückt, da der Bürgermeister starb. "Bei der nächsten Wahl haben wir dann sogar zwei Mandate dazugewonnen", erzählt sie. Damit waren auch ihre Bedenken ausgeräumt: "Eine junge Frau, wollen die Leute so jemanden als Bürgermeister?"

Suchan-Mayr war damals 34 Jahre alt, wurde zwei Jahre später Mutter. Karenz gibt es in dieser politischen Funktion nicht, also kam der Säugling im Kinderwagen mit zu Terminen, krabbelte im Büro auf einer Decke herum.

Dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in diesem Beruf besonders schwierig ist, schlägt sich auf den Altersschnitt nieder. Mehr als die Hälfte der Bürgermeisterinnen sind über 50 Jahre – also in einem Alter, in dem die Kinder meist aus dem Haus sind. Knapp die Hälfte ist hauptberuflich Bürgermeisterin, etwa 20 Prozent arbeiten bis zu 50 Stunden pro Woche. Laut Umfrage sind die Frauen auch besser gebildet als ihre männlichen Kollegen, hebt Mödlhammer hervor: 28 Prozent haben Matura, 22 einen Hochschul-Abschluss.

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