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Politik Inland
09/25/2019

FPÖ-Wahlkampf nach Spesen-Affäre: „Es läuft überraschend gut“

Wie kommt die Enthüllung von Straches Spesenkonto bei potenziellen Wählern an? Ein KURIER-Lokalaugenschein in Wien-Simmering.

von Christoph Schwarz, Christian Böhmer

Hat die Frau von Heinz-Christian Strache, Philippa, tatsächlich eine Tasche von Chanel um 4.500 Euro bekommen? Und wurde ihre Rolex am Handgelenk tatsächlich aus Mitteln der FPÖ bezahlt?

Es ist der dritte Tag der Spesenaffäre um den geschassten FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Und man braucht nicht viel Fantasie, um auf all die unangenehmen Fragen zu kommen, die potenzielle Wähler den blauen Funktionären bei Wahlkampf-Veranstaltungen an den Kopf werfen könnten.

Kein Wunder, dass sich die FPÖ an diesem Tag schaumgebremst gibt. Wien-weit hat sie nur einen einzigen „Bürgerstand“ aufgebaut – und zwar in der blauen Hochburg Simmering. Hier stellt man seit der Wien-Wahl 2015 den ersten und bislang einzigen blauen Bezirksvorsteher.

Als die Funktionäre am späten Nachmittag in der Herbortgasse ankommen, ist die Lage vergleichsweise ruhig. Fast wie immer. Kritischen Fragen müssen sich die Wahlkämpfer, die in „Team Simmering“-Jacken unter einem Sonnenschirm Aufstellung genommen haben, nicht stellen. Dafür verteilt man „Norbären“.

Plüschbären

Der „Norbär“, das ist das aktuelle Wahlkampf-Geschenk von FPÖ-Chef Norbert Hofer.

„Es läuft überraschend gut“, sagt der blaue Gemeinderat Leo Kohlbauer, der zur Unterstützung gekommen ist. „Auf Strache werden wir bislang kaum angesprochen.“

Die Parteikollegen pflichten bei, und man merkt sehr schnell: Distanzieren will sich vom langjährigen FPÖ-Chef hier keiner. Die Spesen-Affäre? Sie ist nur der „nächste gesteuerte Angriff von außen auf die Partei“. Der kurzfristig sogar inhaftierte Ex-Bodyguard? Eine „menschliche Enttäuschung für uns alle.“ Eine Rückkehr Straches für die Wien-Wahl 2020? Die will man nicht ausschließen. „Das entscheiden die Gremien zu gegebener Zeit.“

Klar sei: „Zuerst müssen alle Vorwürfe ausgeräumt sein.“

Dass Strache etwas falsch gemacht habe, glaubt hier, in Wien-Simmering, irgendwie niemand. Im Gegenteil: Es gibt sogar so etwas wie einen Solidarisierungseffekt in Sachen Ibiza: „Was da mit Strache gemacht wurde, das ist demokratiepolitisch bedenklich“, sagt Landtagsmandatar Manfred Hofbauer. „Keine Ahnung, welche Politiker anderer Parteien auch noch Opfer einer Erpressung werden.“

Währenddessen muss der nächste Sack „Norbären“ geöffnet werden. „Toi, toi, toi“, ruft eine Passantin lautstark über die Straße. Auf die Simmeringer scheint Verlass. „Es ist schade, dass wir heute nicht mehr Veranstaltungen haben“, sagt Kohlbauer. Er muss nicht lange warten: Am Samstag gibt es noch ein großes Oktoberfest.