Politik | Inland
26.10.2017

Blaue Burschenschafter im Österreich-Dilemma

Warum Korporierte mit dem 26.10. hadern: Noch nie hatte die FPÖ so viele Burschenschafter unter ihren Mandataren - viele von ihnen gehören Verbindungen an, die mit der Nation Österreich ein Problem haben.

Was wird heute gefeiert: Nationalfeiertag? Tag der Fahne? Oder etwa gar nichts?

Unter Burschenschaftern ist die Sache klar: Der 26. Oktober ist weder ein Tag zum Feiern, noch ein echter Nationalfeiertag. Denn: "Kern des burschenschaftlichen Glaubensbekenntnisses ist es, dass es keine österreichische Nation gibt", sagt Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW).

Für Burschenschaften zähle nur das Vaterland, also der historische Siedlungsraum aller Deutschsprachigen – simpel ausgedrückt: Österreicher sind für sie Deutsche.

Ewiggestrig?

Die 20 korporierten FPÖ-Mandatare, die ab sofort – und in so hoher Zahl wie noch nie – im Nationalrat sitzen, stellt das freilich vor ein Dilemma. Fragt man sie danach, hört man nur: "Das ist alles nur eine theoretische Diskussion", sagt Maximilian Krauss, 24. Der Wiener Neo-FP-Nationalratsmandatar ist Mitglied der Burschenschaft "Aldania"; "inaktiv", wie er sagt. Für ihn sei die Debatte "ewiggestrig."

Wendelin Mölzer, FP-Bildungssprecher und Sohn von FP-Urgestein Andreas Mölzer, der sich ja ob seines "Negerkonglomerat"-Sagers zurückgezogen hat, verweist auch darauf, dass in seinem "unpolitischen Corps", der "Vandalia Graz", die Sache mit der Nation nicht diskutiert werde. Ganz so ewiggestrig scheint die Debatte aber nicht, denn fragt man nach dem Umgang in der restlichen FPÖ, sagt er: "Da müssen Sie unsere Burschenschafter fragen."

Doppelstrategie

Der blaue Umgang damit ist ein taktischer – Innensicht und Außenwirkung sind da nicht unbedingt deckungsgleich. AlsNorbert Hofer, Mitglied der Verbindung Marko-Germania Pinkafeld, etwa im Bundespräsidentenwahlkampf von Österreich als Nation sprach, "wurde das von vielen Burschenschaftern als Sakrileg wahrgenommen", sagt Forscher Weidinger. Toleriert habe man das nur als "wahltaktisch sinnvolle Rücksichtnahme", um ihm nicht zu schaden.

Allein, bei der " Olympia", die als Farben recht eindeutig Schwarz-Rot-Gold trägt und schon öfter das Verbotsgesetz infrage stellte, würde man eine "derartige Verleugnung ihres zentralen Dogmas wohl nicht tolerieren", sagt er weiter. Die blauen " Olympia"-Mitglieder Martin Graf und Harald Stefan beantworteten die Frage nach dem Nationsbegriff dann auch nicht – auf eine KURIER-Anfrage gab es keine Reaktion.