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Politik | Inland
07/08/2019

Forscher-Ärger über Klimapolitik: "Alles nur politische Ausreden"

Die Zeit drängt: Österreich gehört zu den Schlusslichtern in der EU bei der Klimaschutzpolitik. An Maßnahmen mangelt es nicht.

Der Geophysiker und Professor Gottfried Kirchengast über politische Blockaden, Emissionen und Verantwortung im KURIER-Gespräch.

KURIER: Heute tagt das Nationale Klimaschutzkomitee. Sie sind der einzige Vertreter der Wissenschaft in diesem Gremium und haben in dieser Funktion einen Brief an Bundeskanzlerin Bierlein geschrieben. Warum?

Gottfried Kirchengast: Wir sind beim Klimaschutz im EU-Vergleich unter den fünf Letzten der 28 Länder. Während fast alle die Emissionen teils deutlich reduziert haben, hat Österreich seit 1990 sogar zugelegt. Klimapolitik, wie wir sie jetzt brauchen, ist Chefsache geworden, wo alle Ministerien zusammenwirken müssen, um dese notwendigen Rahmengesetze zu schaffen. Das braucht eine Führungsrolle durch den Regierungschef oder wie jetzt der Regierungschefin. Bei der vorherigen Regierung mussten wir aber vor allem Blockaden und eine politische Dysfunktion feststellen, und das wollen wir mit neuen Vorschlägen durchbrechen, das haben wir der Bundeskanzlerin geschrieben.

Was schlagen Sie vor?

Damit wir  die Pariser Klimaschutzziele erreichen, müssen wir bis 2030 mindestens die Hälfte unserer Emissionen einsparen, von 2030 bis 2040 ebenso und von  2040 bis 2050 noch einmal mindestens die Hälfte. So können wir das Ziel einer mindestens 90-prozentigen Befreiung von den fossilen Treibhausgas-Emissionen schaffen. Der Rest von maximal 10 Prozent ist Kohlenstoffspeicherung in Wald und Boden. Motto am Weg „Verbrauch die Hälfte!“ Und am 15. Mai 2055 die Hundertjahrfeier im Ziel „Österreich ist emissionsfrei!“