Andreas Khol muss bis zum 24. April den Turbo zünden.

© APA/EXPA/JOHANN GRODER

Präsidenten-Wahlkampf
04/07/2016

Flüchtlingskrise soll Khol in die Hofburg bringen

VP-Kandidat Andreas Khol fordert bei offiziellem Wahlkampfauftakt in Tirol 210 Millionen Euro für Heer, Miliz und Grenzschutz.

Zum Start wird „ein Feuerwerk aus Endorphinen“ gezündet, ein „Hoch auf uns“ und „auf das, was kommt“ gesungen. Zumindest von der Band auf der Bühne, die mit einem Song von Andres Bourani versucht, Stimmung zu machen. ­Die 750 Gäste – unter ihnen praktisch die gesamte ÖVP-Spitze – klatschen im Congress Innsbruck artig mit. Im Publikum dominiert das graue Haupthaar. Es ist der „offizielle Wahlkampfauftakt“, der für den Tiroler Andreas Khol am Donnerstagabend die notwendige Aufholjagd auf dem Weg ins angepeilte Bundespräsidentenamt einleiten soll. In Wahrheit geht Khol schon auf seine dritte Österreichrundfahrt in diesem Wahlkampf.

Im Polit-Dschungelcamp

In allen bisherigen Umfragen liegt Khol weit zurück. Genauso wie Rudolf Hundstorfer (SPÖ) muss der 74-Jährige hoffen, überhaupt in die Stichwahl zu kommen. "An den Meinungsumfragen dürfen wir uns nicht orientieren", sagt Vizekanzler Reinhold Mitterlehner in seiner Rede. "Wir haben eine Wahl". Was den Kandidaten bislang in politischen Entertainment-Formaten abverlangt wurde, stößt bei dem ÖVP-Chef auf wenig Begeisterung: "Manchmal hat man das Gefühl, dass es sich hier um ein Polit-Dschungelcamp handelt." Der Bundespräsident müsse die Sicherheit garantieren und "nicht erster Unterhalter sein".

Die Partei versucht Khol als "Sicherheitspräsidenten" zu positionieren. Die Flüchtlingskrise zieht sich wie ein roter Faden durch die Reden des Abends. "Wir haben die Zeit des Durchwinkens unterbunden", sagt Mitterlehner. Und einer der sich dafür mehrfach bedankt, ist Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Es gebe keinen Politiker in Deutschland, der so kritisiert werde, wie er, sagt der Verfechter von strengen Grenzkontrollen. "Aber ich bin der einzige Politiker in Deutschland, der mit einer absoluten Mehrheit regiert", gibt sich Seehofer selbstbewusst.

Dem Konflikt mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versucht er am Donnerstagabend in Innsbruck ein humoristische Note abzugewinnen."Ich war gestern Abend im Bundeskanzler-Amt zum Befehlsempfang", spielt Seehofer auf das Krisentreffen der Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD am Mittwochabend in Berlin an. "Ich bin heute abend in Innsbruck zur Eröffnung des Bundespräsidentenwahlkampf. Ich möchte nicht verschweigen, dass ich mich heute besonders wohl fühle."

Die ÖVP sieht der bayerische Landeschef als einen "Taktgeber" in der Flüchtlingspolitik, von der Bayern und ganz Deutschland profitiert habe. Und er versichert, dass auch er Andreas Khol aufgestellt hätte.

Wahlkampfwaffe Heidi

Der hat mit seinem spröden Image zu kämpfen. "Ihr werdet es nicht glauben, Andreas Kohl ist witzig", sagt Tirols Landeshauptmann Günther Platter. Mehrfach wird betont, dass der VP-Kandidat Humor habe. Um diesen zu bezeugen, wird auch Khols Ehefrau Heidi auf die Bühne geholt. Bei öffentlichen Auftritten könnte sie sich als wertvolle Waffe im Wahlkampf-Finish herausstellen. Heidi Khol kommt an, wenn sie über ihre Familie und den Mann an ihrer Seite erzählt.

"Ich bin der Kandidat, nicht meine Frau", sagt Khol dann auch augenzwinkernd, bevor er dem Parteivolk noch einmal klar machen möchte, wofür er steht. "Das wichtigste ist heute die Sicherheit", sagt der Tiroler und fordert vom anwesenden Finanzminister Hans Jörg Schelling gleich "70 Millionen Euro für einen neuen Grundwehrdienst, 70 Millionen für eine Wiederbelebung der Miliz und 70 Millionen für den Grenzschutz".

Ohne ihn beim Namen zu nennen, kritisiert Khol Amtsinhaber Heinz Fischer. Wenn Österreich in Brüssel vernadert werde, "dann sage ich eine Reise nach Kuba ab und fahre nach Brüssel". Ein Bundespräsident habe auch das Recht, "einem Bundeskanzler dem man beim Gehen die Schuhe flicken kann, etwas mehr Pfeffer zu geben", beschreibt der 74-Jährige sein Amtsverständnis.

Damit Khol überhaupt eine Chance hat, am 24. April genug Stimmen für die Stichwahl zu bekommen, muss die ÖVP der von Platter in seiner Eröffnungsrede ausgegebenen Devise folgen: "Wir müssen mobilisieren."

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