Politik | Inland
31.08.2018

Heinz Faßmann: "Das kann man auch googeln"

Bildungsminister Heinz Faßmann ist für Schul-Tablets und weniger lexikales Fakten-Wissen.

Herr Minister, Ihre beiden Kinder gingen in Österreich zur Schule. Was blieb Ihnen als Vater in Erinnerung, das Sie nun als Zuständiger ändern wollen?

Insgesamt war das eine unkomplizierte Zeit. In der Schule trafen wir ausschließlich auf engagierte Lehrpersonen. Ich finde kein schlechtes Wort über die Schullaufbahn meiner Kinder.

Hat sich die Schule verändert, seit Ihre Kinder dort waren?

Natürlich, aber Schule ist Schule. Mit all ihren Vorzügen und allen Dingen, die zu verbessern sind.

Sie sind acht Monate im Amt. Was verbesserten Sie im Vergleich zum letzten Schulstart?

Ob es Verbesserungen sind, sollen Eltern, Schüler und Medien beurteilen. Jedenfalls haben wir die Deutschförderung auf neue Beine gestellt.

Sie führten jüngst schlechte Maturaergebnisse auf den Migrantenanteil in Schulen zurück. Ist die Zuwanderung wirklich das größte Bildungsproblem?

Jedenfalls ist sie eine Herausforderung. Ich habe mir die Maturaergebnisse angeschaut und gesehen, dass der größte erklärende Faktor für schlechte Ergebnisse der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund ist. Das ist größer als die Frage, ob es sich um eine private oder eine öffentliche Schule handelt.

Eine andere große Baustelle für Ihre Amtszeit ist die Digitalisierung. Was steht in Ihrem „Masterplan“ dafür, den Sie in den nächsten Monaten vorlegen?

Wir wollen den Einstieg ins digitale Zeitalter schaffen. Es gibt drei Schwerpunkte: Software mit Lehrplänen und Lernprogrammen, Hardware im Sinne eines Breitbandausbaus und schließlich die Weiterbildung der Lehrenden.

Sie sind Geograph: Wie verändert sich etwa Geo-Unterricht mit der Digitalisierung?

Den Bereich des Faktenwissens – also etwa die Topografie – kann man sicher entlasten. Man braucht größere Zusammenhänge und Such-Strategien. Abfragen, wie die Hauptstadt eines Staates heißt, muss man nicht mehr.

Schüler müssen also nicht mehr lernen, wie die Hauptstadt der Bahamas heißt, weil man das eh googeln kann?

Richtig, das kann man auch googeln.

Was müssen Schüler dafür besser können, wenn sie schon beim Aneignen von Faktenwissen entlastet werden?

Sie müssen besser suchen können. Auch die Zusammenhänge sind wichtig: In diesem Fall, ob die Bahamas auf der Süd- oder der Nordhalbkugel liegen. Dann muss man auch lernen, richtige Informationen im Netz zu erkennen. Das sind ganz neue Lehrinhalte.

Hat sich denn keine ihrer Amtsvorgängerinnen mit dieser Frage beschäftigt?

Unser Ergebnis lautet: nein. Wir beginnen jetzt mit einer Lehrplanreform. Manche Lehrpläne sind 18 Jahre alt. Es gab viele Einzelmaßnahmen, aber keine Strategie.

Stemmen die Lehrer das auch? Die, die jetzt von der Universität kommen, schon. Wir müssen aber den Bestand der Lehrer erreichen – daher müssen wir jetzt massiv in die Lehrerfortbildung investieren.

Wie viel Geld haben Sie dafür?

Erst einmal müssen wir den Masterplan haben, das soll in einem halben Jahr der Fall sein. Teuer wird insbesondere die Hardware wie etwa der Breitbandausbau, die Lehrerfortbildung kostet vergleichsweise wenig. Aber über das Budget kann ich jetzt noch nichts sagen.

Werden wir noch vor der nächsten Wahl neue Lehrpläne aus diesem Masterplan erleben?

Ja.

Wollen Sie, dass künftig jeder Schüler vor einem Tablet sitzt?

Wenn wir mit dem Infrastrukturausbau so weit sind, dass ein Tablet auch funktionsfähig eingesetzt werden kann, habe ich nichts dagegen einzuwenden. Aber derzeit ist dies noch nicht der Fall.

Frankreich verbietet Handys in der Schule. Wie finden Sie das?

Wir gehen einen anderen Weg. Wir sagen: Bring your own device, und zwar ins Klassenzimmer. So erlernt man einen vernünftigen Umgang mit den Geräten und auch, dass der Aufmerksamkeitssog nicht zu groß wird. Wenn man hier Apartheid übt, kann der Umgang mit den Smartphones nicht erlernt werden.