SPÖ-Spitzenkandidat für die EU-Wahl, Eugen Freund, bei der Klausur des SPÖ-Klubs in Frauenkirchen.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Offensive
01/22/2014

Freund legt ORF-Zahlungen offen, schweigt zu künftiger Pension

EU-Spitzenkandidat erhielt neben Gehalt 336.000 Euro vom ORF. ÖVP ortet Malus für die Roten.

von Maria Kern, Karin Leitner

Vom Coup zur Belastung: Eugen Freund, vor einer Woche als Spitzenkandidat der SPÖ für die EU-Wahl gefeiert, ist binnen Tagen zum Problem für sie geworden. Die Aussagen des Ex-ORF-Mannes über Arbeiter-Gehälter und zu seiner Pension haben nicht nur ihn, sondern die gesamte Partei in die Bredouille gebracht. Wenn selbst die Werner Faymann wohlgesonnenen Boulevard-Medien verbal gegen Freund schießen, wird es eng für die Kanzlerpartei. Und so tagte gestern ein roter Krisenstab. Wie umgehen mit der Causa? Das Ergebnis: Freund legt seine ORF-Pension und -Abfertigung offen – via Aussendung. Bei seinem Abgang aus dem ORF, Ende 2013, hat Freud gesagt, keine Unternehmenspension zu bekommen; er habe auch keinen Anspruch darauf. Im Übrigen könne er sich nicht vorstellen, wie man von einer ASVG-Rente leben kann.

Nun ist aber kolportiert worden, dass er einen Teil der ORF-Pension bereits vor 15 Jahren kassiert habe – und der Rest ihm zustehe, sobald er in Pension gehe.

Um nicht als „Verschweiger“ dazustehen, tut Freund kund, was Sache ist: 1999 habe er „das Angebot desORF angenommen“ – und sich seine „bis dahin eingezahlten Pensionsbeiträge in der Höhe von rund 90.000 Euro brutto auszahlen lassen“. Die Ansprüche, die er von 2000 bis 2013 erworben habe, würden „fällig, wenn ich meine Pension antrete“. Wie viel das ist, sagt er nicht.

Ebenso wenig äußert er sich zu einer hohen Zahnarzt-Rechnung aus seiner Zeit als ORF-Korrespondent in den USA, die jetzt ebenfalls öffentlich thematisiert worden ist. Er wollte, dass sie der Arbeitgeber begleicht. Es folgte ein Rechtsstreit, der mit einem Vergleich endete.

Was Freund bestätigt: Nach 31 Jahren im ORF habe er eine Abfertigung von 246.000 Euro erhalten; diese stehe ihm gesetzlich zu. Zerknirscht fügt er an: Durch die „politisch aufgeheizte Diskussion über meine Pensionsansprüche“ sei der Eindruck entstanden, er würde etwas verschweigen: „Das tut mir leid. Das war nie meine Absicht.“

Parteichef Faymann hofft, die Angelegenheit damit erledigt zu haben. Den Gefallen wird ihm die Polit-Konkurrenz nicht tun. Am Montag beginnt die Arbeiterkammer-Wahl (in Salzburg); da lässt sich trefflich gegen den „roten Einkommensexperten“ (FPÖ) wettern. Freund hat im profil das Durchschnittssalär von Arbeitern auf etwa 3000 Euro geschätzt. Selbst die ÖVP, die sich bisher zurückgehalten hat (aus Dank für das Schweigen der SPÖ zu den ÖVP-internen Verwerfungen) kritisiert Freund. Dieser werde „zum Malus für die SPÖ“, befindet Klubchef Reinhold Lopatka.

Auch vielen in der SPÖ missfällt Freunds Gehabe. Sie sehen die Gefahr, dass das jene vergrämen könnte, die der bisherige ZiB-Moderator mobilisieren soll: Die „kleinen“ Pensionisten. Öffentlich halten sich die Funktionäre aber zurück; Parteiräson wird in der SPÖ hochgehalten.

SJ-Chef Wolfgang Moitzi spricht aus, was wohl viele Rote denken: „Ich gehe davon aus, dass Freund solche Aussagen, die nicht die allerklügsten und sensibelsten waren, nicht mehr passieren. Wenn er keine Fehler mehr macht, glaube ich nicht, dass uns das nachhaltig schaden wird.“

Prominent sein ist kein Programm

Der eine hat das Fegefeuer schon hinter sich. Als im April 2011 ein 24-Jähriger als Staatssekretär für Integration in die Regierung einrückte, hagelte es ausschließlich Häme. Knapp drei Jahre danach wird Europas jüngster Außenminister, Sebastian Kurz, mal staunend, mal ironisch als "Babyfaceminister" EU-weit herumgereicht – von Spott keine Spur mehr.

Als der KURIER vor einer Woche vorab meldete, dass der ORF-Moderator Eugen Freund in die Politik wechselt, erntete er neutrale bis wohlwollende Überraschung. Eine Woche danach schreibt ihn der Boulevard bereits zum neuen Frank Stronach hinunter. Auf dem politischen Parkett wird bereits gerätselt: Gehen ehemalige Kollegen mit einem der Ihren besonders streng um?

Der 62-Jährige hat gut ein Dutzend Interviews absolviert. Gemeinsam sind diesen nicht besonders gemeine Fragen, sondern eine Botschaft. Eugen Freund spricht gerne über Eugen Freund: Warum es ihm "wie Bill Clinton geht"; warum "in den USA mit Gesichtern wie meinem Autobusse plakatiert werden"; und warum "Faymann weiß, dass ich kein Hohlkopf bin". Ein Schuss Eitelkeit gehört zum Geschäft, gekränkte Eitelkeit zum beidseitigen Wohl nicht in die Öffentlichkeit.

Ob die Turbo-Karriere von Sebastian Kurz zum Außenminister weiter gut geht oder zu einem Fall überhitzter Nachwuchsförderung wird, ist noch offen.

Sicher ist, dass Eugen Freunds missglückter Start eine schwelende Debatte in der SPÖ beschleunigen wird: Wo ist ein Sebastian Kurz in Rot, wo eine gezielte Nachwuchspflege? In der Not ein bekanntes TV-Gesicht mehr aus dem Hut zu zaubern, wird auf Dauer nicht gut gehen – zumal das alles andere als eine Erfolgsgarantie ist.

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