Politik | Inland
16.05.2017

EU-Abgeordnete Elisabeth Köstinger gilt als Fixstarterin im Team Kurz

Die 38-jährige Kärntnerin gilt als Vorzeige-Karrierefrau in der ÖVP.

Drei Stunden, nachdem Sebastian Kurz am Sonntag von den Parteigranden zum geschäftsführenden ÖVP-Obmann gekürt worden ist, nimmt Elisabeth Köstinger in der ORF-Talkrunde "Im Zentrum" Platz und gibt das Sprachrohr der neuen Bewegung. Das darf wohl als Beleg dafür gedeutet werden, dass die 38-jährige Kärntnerin zum engsten Kreis des neuen Jung-Bosses zählt.

Und während die Kurz-Jünger alle anderen Personalfragen noch als "reine Spekulation" abtun, heißt es beim Namen Köstinger: "Fixstarterin." Da sie auf EU-Ebene für Agrar-Agenden zuständig ist, wäre sie prädestiniert als Ersatz für Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter.

Köstinger, aufgewachsen auf einem Bio-Bauernhof in St. Paul im Lavanttal, betrat 2002 als Bundesleiterin der Landjugend die politische Bühne. 2009 wurde sie vom Bauernbund als Spitzenkandidatin für die EU-Wahl ins Feld geschickt – und erreichte mehr als 44.000 Vorzugsstimmen (Korrektur). "Offen, freundlich, herzlich", schwärmen ihre Kollegen im Europäischen Parlament und einer fügt hinzu: "Aber als Feindin möchte ich sie nicht haben."

In vielen Verhandlungen habe sie "neben den Deutschen und den Franzosen, die schon sehr fleißig und beinhart sind, bewiesen, dass sie den Männer in nichts nachsteht", schildert er. Und gezeigt, dass "die freundliche Elli gewaltige Zähne hat".

"Leader", keine "Touristin" im EU-Parlament

Köstinger werde zu jener kleinen Gruppe gezählt, die ihr Dasein im EU-Parlament nicht als "Fußsoldaten" und "Touristen" fristen, sondern als "Leader" die Richtung vorgeben. Eine beachtliche Entwicklung für die Jungbäuerin aus Kärnten, die mit 30 Jahren als Listensechste nach Brüssel geschickt worden ist.

Das Team der EU-Abgeordneten besteht zu 100 Prozent aus Frauen. Kurz’ Vorhaben, in seiner neuen Bewegung ein Fifty-fifty-Verhältnis herzustellen, bezeichnet Köstinger skeptisch als "Herausforderung", und erklärt: "Die ÖVP ist nicht gerade als die frauenfreundliche Partei bekannt. Wir müssen uns dem mehr öffnen. Denn wenn wir die klügsten Köpfe des Landes wollen, können wir nicht auf 50 Prozent der Bevölkerung verzichten."

Ihr Aufstieg zur Ministerin wäre ja ein Anfang – im KURIER-Gespräch darauf angesprochen lässt Köstinger, die auch stellvertretende Vorsitzende der Politischen Akademie der ÖVP ist, sich aber nicht in die Karten schauen. "Ich begleite Sebastian Kurz seit Anbeginn und vertraue ihm voll. Er wird die Entscheidung treffen, wenn die Zeit reif ist."

Sollte Köstinger in Regierung wechseln, rückt Ex-Ministerin Beatrix Karl ins EU-Parlament auf.