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Politik Inland
02/21/2021

Equal Pay Day: Was Parteien gegen die Lohnschere tun wollen

Frauen verdienen 14,3 Prozent weniger als Männer. Die Pandemie hat die Lohnungleichheit verstärkt.

von Johanna Hager

Rein rechnerisch arbeiten Frauen seit Jahresbeginn bis zum 21. Februar im Vergleich zu Männern unbezahlt. Der "Equal Pay Day" macht auf den – seit Jahrzehnten bestehenden –Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen aufmerksam. Geht es nach Berechnungen des Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) verdienen Frauen im Durchschnitt um 14,3 Prozent weniger als Männer.

Geht es nach Branchen und Berechnungen der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria ist der Gehaltsunterschied bei wissenschaftlichen, freiberuflichen und technischen Dienstleistern sowie im Finanz- und Versicherungsbereich besonders eklatant. Hier beträgt die Gehaltsschere fast 25 Prozent. In Relation "geringer“ ist der Einkommensunterschied im Bau-, Gesundheits- und Sozialbereich.
 

Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) will daher den Ausbau von bedarfsgerechter Kinderbetreuung, mehr Frauen in Führungspositionen, entsprechende Qualifizierungsmaßnahmen und ein Umdenken bei der Berufswahl von Frauen forcieren. Zudem solle in den kommenden Wochen und Monaten ein Schwerpunkt zur Stärkung der Finanzkompetenz bei Frauen und Mädchen gesetzt werden, um diesen zu vermitteln, wie sich Entscheidungen im Erwerbsleben auf das Lebenseinkommen und die finanzielle Situation in der Pension auswirken, heißt es in einer Aussendung.

Susanne Raab

Für die "wirtschaftliche Unabhängigkeit aller Frauen, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Lohngerechtigkeit“ wollen sich alle ÖVP-Bünde einsetzen.  "Das ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, für Junge, für Ältere, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und Unternehmen“, so Juliane Bogner-Strauß, Bundesobfrau der ÖVP Frauen.

Grüne plädieren für Lohntransparenz

Die grüne Frauensprecherin Meri Disoski plädiert für Lohntransparenz. Unternehmen sollen offenlegen müssen, wieviel Mitarbeiter in welcher Position verdienen.

"Solche Einkommensberichte sind in vielen Staaten bereits üblich. In Dänemark wurde bereits 2007, also vor 14 Jahren, ein Gesetz eingeführt, mit dem Unternehmen zur Offenlegung von Gehältern verpflichtet worden sind. Schon nach einem Jahr ist der Gender-Pay-Gap in den dänischen Unternehmen um mehr als sieben Prozent gesunken. So etwas will ich auch in Österreich. Ich will, dass Frauen in diesem Land endlich gleich viel verdienen wie Männer“, so Disoski.

Die Oppositionsparteien machen darauf aufmerksam, dass die Pandemie die finanzielle Situation weiter verschärft hat.  

SPÖ will Turbo einschalten

Frauen seien von der Corona-Krise doppelt und dreifach betroffen, so SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek. "Wir müssen jetzt den Turbo einschalten, und Frauen in jeder Hinsicht fördern“.

SPÖ-BUNDESFRAUENKONFERENZ "MEHR BETEILIGUNG. MEHR BEWEGUNG. MEHR FEMINISMUS": HEINISCH-HOSEK

Mindestens 50 Prozent der AMS-Mittel sollten demnach für Frauen verwendet werden. Zudem brauche es ein Soforthilfepaket für Alleinerziehende und einen Rechtsanspruch auf ganztägige kostenlose Kinderbetreuung.

FPÖ fordert Anhebung der Nettoersatzrate

Die Lohnschere habe sich bedingt durch Lockdowns, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit keinen Millimeter zu Gunsten der Frauen verändert, kritisiert FPÖ-Frauensprecherin Rosa Ecker.

"Wir stehen vor dem Dilemma, dass nunmehr noch mehr Frauen von Armut bedroht sind.“  Es sei daher längst „überfällig, dass das Arbeitslosengeld von derzeit 55 Prozent Nettoersatzrate auf 70 Prozent erhöht wird.“

Neos wollen automatisches Pensionssplitting

Neos-Frauensprecherin Henrike Brandstötter sieht einen der Hauptgründe der Lohnschere in der hohen Teilzeitquote bei Frauen und den Karenzzeiten. "Der Gender Pay Gap ist also ein Motherhood Gap. Wir müssen diese Faktoren, die strukturell zum Gender Pay Gap führen, jetzt verändern. Wir brauchen Kinderbetreuung für alle und ganztags. Wir brauchen mehr Väterbeteiligung durch individuelle Ansprüche auf Karenz- und Kinderbetreuungsgelder und ein automatisches Pensionssplitting.“

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