Politik | Inland
15.08.2017

Pühringer: "Endlich kann ich ausschlafen"

Wie locker Oberösterreichs Ex-Landeschef den Umstieg von der Politik in die Pension schaffte.

Der Ausstieg scheint geglückt zu sein: Vor vier Monaten trat er von Politbühne ab, in seinem "neuen Leben fühlt er sich bereits voll angekommen". Ganz anders empfinden das offenbar noch seine Landsleute. Für sie ist Josef Pühringer nach wie vor ihr Landeshauptmann.

Es ist gegen 13 Uhr, eine kleine Wandertour auf die Eisenauer Alm ( Pühringers Lieblingsalm) mit der Tochter hat der 67-Jährige schon hinter sich gebracht. Oberösterreichs Ex-Landeschef marschiert mit flottem Schritt zum Mittagessen Richtung Mondsee. Auf seinem Weg tönt es ringsum nonstop aus den Gastgärten "Grüß Gott, Herr Landeshauptmann". Pühringer grüßt freundlich zurück, dem einen oder anderen Mondseer schüttelt er die Hand. "Wenn mich einer nicht grüßt, handelt es sich um einen deutschen Touristen", erzählt er lachend.

Seit 1968 ist der Mondsee in den Sommermonaten Pühringers Wahlheimat. Anfangs am Campingplatz der Jungen ÖVP, heute bewohnt er mit seiner Familie ein kleines Holzhaus. Es ist sein erster Sommer seit 22 Jahren, den der Altlandeshauptmann "ohne Druck" auf dem "idyllischem Platzerl unbeschwert verbringen" kann. Er möchte die letzten 22 Jahren zwar um keinen Preis missen, aber der Verlust der Macht und des durchgetakteten Terminkalenders macht ihn unheimlich locker. "Ich sag’ per Gaudi oft: Ich habe nie gewusst, wie angenehm es sich verantwortungslos lebt".

Lang geplanter Schritt

Diese Leichtigkeit des Seins, wie sie Pühringer in diesen Wochen erlebt, hat ihn vor dem berüchtigten Pensionsschock bis dato bewahrt. "Ich bin in kein Loch, nicht einmal in ein Locherl hineingefallen. Auch weil ich mich lange auf diesen Schritt vorbereitet und die Nachfolge perfekt geregelt habe".

Eigentlich wollte sich der einst mächtige ÖVP-Grande schon vor der letzten Landtagswahl im Herbst 2015 verabschieden. Doch es kam anders: Die Flüchtlingskrise überrollte das Land und damit entstand der Wunsch der Partei, dass er doch noch einen Wahlkampf schlagen soll. "Die Partei im Stich zu lassen, kam für mich nicht in Frage." Also warf er sich noch ein letztes Mal in die Schlacht. Pühringer sicherte der ÖVP trotz hoher Verluste von 10,4 Prozent den Landeshauptmann. "Es war ein Fehler, dass ich nicht darauf bestand, die Wahl im Frühjahr statt im Herbst abzuhalten. Die Flüchtlingskrise hat uns viele Stimmen gekostet", bilanziert Pühringer heute.

Zwei Jahre später machte er tatsächlich ernst: Nach seinem Polit-Rückzug am 6. April 2017 verordnete sich der Ex-Landesvater zunächst eine mentale und physische Zäsur. Er tauchte ab, ging vier Wochen auf Kur, machte sich mit Heilgymnastik fit für die Pension, fastete und nahm stolze zehn Kilo ab. "Das habe ich in den letzten Jahren auch immer wieder versucht, aber ständig musste ich die Kur unterbrechen", schildert er.

Nach 50 Jahren in der Politik ist Pühringer wieder Herr seiner Zeit. "Endlich kann ich ausschlafen. Das ist ein Zugewinn an Lebensqualität". Wann der Wecker läutet, bestimmt er. Früher war spätestens um sechs Uhr Tagwache. Jetzt steht er" situationsbedingt auf". Manchmal frühmorgens, wenn es in die Berge geht oder eine Radtour auf dem Programm steht. Manchmal erwacht Pühringer auch erst gegen neun Uhr. "Je nachdem was am Vorabend los war", schildert der agile Ex-Landeschef, der nun wieder seine zwei Stammtische pflegt.

Im Herbst stehen einige Reisen an, da er sich "die Welt anschauen will". So begibt sich der Ex-Politiker mit dem katholischen Bildungswerk auf die Spuren von Martin Luther, danach zieht es ihn nach Hamburg und mit einer Entwicklungshilfeagentur fliegt Pühringer nach Indien.

So ganz ohne die Droge Politik kommt der Ex-ÖVP-Politiker doch nicht aus. Nach seinem Rückzug hat Pühringer den Job des oberösterreichischen Seniorenbundchefs mit 80.000 Mitgliedern übernommen. Für Pühringer der perfekte Mix für die Pension. Damit hat er nie die "Gefahr der Langeweile", aber trotzdem "genügend Freiheiten". Als Chef der oberösterreichischen Pensionisten kann er den aktuellen Wahlkampf nicht ignorieren. Er spürt durch Spitzenkandidat Sebastian Kurz "eine Schubkraft", die selbst bei den "Senioren angekommen ist".

Trotz der zahlreichen verheißungsvollen Umfragen für Kurz und seinem guten Bauchgefühl, warnt Pühringer vor einer Gefahr. "Es wäre ein Fehler, wenn die Funktionäre glauben, dass die Wahl schon gewonnen ist. Denn der Kampfeswillen von Kern ist jetzt erwacht. Wer nicht kämpft, gewinnt nicht". Das hat die ÖVP 2006 erleben müssen. "Wer hätte damals gedacht, dass Gusenbauer und nicht Schüssel gewinnt." Eine Prognose traut sich Pühringer auch abzugeben: Für ihn ist die Liste Pilz fix im Parlament. Die Frage für ihn ist vielmehr: "Wer ist stärker? Pilz oder die Grünen?"

50 Jahre LandespolitikJosef Pühringer (67)

Am 6. April war es so weit: Nach 22 Jahren an der Macht und 50 Jahren in der Politik zog sich Oberösterreichs Landeshauptmann zurück. Bei der Landtagswahl 2015 errang Pühringer für die ÖVP den ersten Platz (trotz historischem Tiefstand von 36,4 Prozent). Pühringer lebt in Traun, ist verheiratet und Vater von drei
Kindern (20, 25 und 26 Jahre)