Politik | Inland 12.01.2012

Ein altes Beschäftigungsproblem

© Bild: KURIER - Vogel

Das tatsächliche Pensionsantrittsalter muss rasch steigen. Eine Quote für ältere Arbeitnehmer lehnt die Wirtschaft ab

Die Menschen müssen länger arbeiten, so viel steht fest. Das faktische Pensionsantrittsalter soll von derzeit durchschnittlich 58,2 bis 2020 um drei ( SPÖ) bis vier (ÖVP) Jahre steigen. Die Zeit arbeitet derzeit gegen die Regierung. Bis 2013 schwächelt das Wachstum, die Arbeitslosigkeit wird steigen. Momentan stellen mehr als 20 Prozent der Neo-Pensionisten einen Antrag aus der Arbeitslosigkeit. Erst ab 2020 wird es eine starke Nachfrage an Arbeitskräften – und damit auch Älteren – geben, prognostiziert Christine Mayrhuber, Pensionsexpertin am Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO).

Pflicht

Hinter den Kulissen wird an Konzepten gefeilt, um das Antrittsalter rasch anzuheben. Dabei wird auch überlegt, wie Unternehmen stärker in die Pflicht genommen werden können. Die SPÖ Oberösterreich fordert, dass zumindest zehn Prozent der Beschäftigten eines Betriebes aus der Gruppe „60 plus“ stammen.

Die Pensionsverhandler – Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ( ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) – wollen den Vorschlag nicht kommentieren. ÖVP-Seniorenbund-Chef Andreas Khol lehnt ihn ab. Er verlangt Strafen für Betriebe, die ältere Mitarbeiter kündigen. Auch die Wirtschaft ist strikt gegen die Quoten-Idee. „Das ist eine Themenverfehlung. Kern des Problems sind die offenen Frühpensionstüren. Die muss man zumachen. So lange es die Möglichkeit der Frühpension gibt, wird sie auch genutzt werden“, sagt Martin Gleitsmann, Sozialexperte in der Wirtschaftskammer Österreich.


Spar Österreich, einer der größten Arbeitgeber im Land, ist gegen den Vorschlag der Sozialdemokraten aus Oberösterreich. „Wir würden die Quote praktisch zwar erfüllen, lehnen sie aber dennoch ab, weil es schon so viele Vorschriften für Unternehmen gibt“, sagt Sprecherin Nicole Berkmann. Strabag-Sprecherin Diana Klein weist wiederum auf branchenspezifische Unterschiede hin: „In der Baubranche ist die körperliche Belastung stärker als in anderen Sektoren, in denen Büroarbeit dominiert.“

Freiwillig

Auf freiwilliger Ebene beschäftigen sich manche Unternehmen schon damit, wie sie Ältere länger im Betrieb halten können. Opel Austria etwa will auf langjährige Facharbeiter nicht verzichten. Personalchef Manfred Bauer bringt ein Beispiel: „Ältere Mitarbeiter aus der Montage, die unter hohem Druck stehen, werden neu geschult – und in anderen Bereichen eingesetzt.“

Klar ist, dass viel mehr geschehen muss: In Österreich sind nur 42 Prozent aller 55- bis 64-Jährigen noch erwerbstätig. WIFO-Expertin Mayrhuber hielte eine Quote für nicht praktikabel. Als Diskussionsbeitrag sei der Vorschlag aber gut. Die Wirtschaft bei der Erhöhung des Pensionsantrittsalters stärker einzubinden, sei nötig. Mayrhuber: „Das Ziel der Regierung, das Antrittsalter bis 2020 um ein paar Jahre zu erhöhen, bedeutet eine enorme Anstrengung. Da muss es auch Verpflichtungen für Betriebe geben.“

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Kommentar

  • Hintergrund

Erstellt am 12.01.2012