© Theuretsbacher Wilhelm

Aufklärungssystem

Drohnen fürs Heer als Weihnachts-Bescherung

Österreichs Militär bekommt die erste Lieferung der umstrittenen Kleinstflugzeuge.

von Wilhelm Theuretsbacher

12/15/2013, 06:03 AM

Der US-Online-Händler Amazon behauptet, Drohnen für Paketzustellungen einsetzen zu wollen. Die Deutsche Post testet, ob diese Kleinstflugzeuge für Medikamententransporte geeignet wären. Und wenn es nach den Beschaffungschefs des Bundesheeres geht, findet Verteidigungsminister Gerald Klug einen intelligenten Miniflieger sinnbildlich unter dem Christbaum. Und zwar einen, der bereits voll einsatzbereit ist. Denn pünktlich zur Bescherung soll am 23. Dezember die erste von insgesamt 18 militärischen Drohnen angeliefert werden.

Aus rein militärischer Sicht schien es keine große Sache, als noch in der Ära des SPÖ-Verteidigungsministers Norbert Darabos die drei Millionen teure Beschaffung von ferngesteuerten Aufklärungsflugzeugen mit Kameras beschlossen wurde. Denn diese Drohnen gehören bei allen anderen Armeen bereits zur Standardausrüstung. Man will ja wissen, wo Gefahr lauert. Allerdings dachte Darabos auch laut über einen Drohneneinsatz an der Grenze nach, und verärgerte damit nicht nur den Koalitionspartner ÖVP, sondern scheuchte damit auch Datenschützer und mehrere Friedensgruppen auf. Datenschützer fürchten, dass das Bundesheer mit seinen Drohnen nun in Hinterhöfe und Wohnungen spitzelt. Andere verwechselten die Aufklärungsflieger mit den schwer bewaffneten US-Predator-Drohnen, und richteten an das Parlament eine Petition, dieser „neuen Killer-, Bespitzelungs- und Unterdrückungstechnologie“ eine Absage zu erteilen.

Spitzelaktionen

Das waren Missverständnisse. Die vom Heer beschafften „Tracker“ vom französischen Hersteller Surveycopter mit ihrem Gewicht von 8,5 Kilogramm und einer Flügelspannweite von 3,6 Meter können nicht bewaffnet werden. Bereits das Magazin einer Pistole wäre zu schwer. Ausgestattet sind sie wechselweise mit einer ultraleichten Tag- oder Nachtkamera. Mit ihren Elektromotoren können sie einen Radius von 20 Kilometern abdecken.

Auch die Angst vor Spitzelaktionen in Österreichs Hinterhöfen scheint unbegründet. Das verhindert schon alleine das Luftfahrtgesetz. Ein Zusammenstoß eines unbemannten Kleinfliegers mit einem Flugzeug hätte fatale Folgen. Trainingsflüge dürfen nur im gesperrten Luftraum durchgeführt werden. Das reduziert die Bewegungsfreiheit auf Truppenübungsplätzen wie Allentsteig oder Felixdorf. Außerdem sind die Kameras für Personen-Identifizierung nicht geeignet.

Gesteuert dürfen sie nur von eigens ausgebildeten Drohnen-Operatoren werden. 16 neue Drohnen-Piloten haben vergangenen Freitag ihren Grundkurs abgeschlossen. Sie sitzen zwar am Boden vor dem Monitor, müssen aber wie Piloten agieren. Zum Einsatz kommen die Drohnen bei den Aufklärungsverbänden in Mistelbach, Allentsteig, Feldbach und beim Jagdkommando.

Beim Einsatz dürfen die Drohnen die Truppenübungsplätze verlassen. Etwa bei Hochwasser. Heute noch denken Hubschrauberpiloten mit Schrecken an das Hochwasser des Jahres 2009 zurück. Aufklärungsflüge in die verwüstete Ortschaft Ybbsitz im Alpenvorland erforderten halsbrecherische Flugmanöver durch tief hängende Nebelbänke. Mit der Drohne ginge das leichter. Nachdem sie GPS-gesteuert ihren programmierten Weg fliegt, sind die Sichtverhältnisse auf dem Flug zum Einsatzgebiet egal.

Luftraumsperre

Da die Drohnen eine Höhe von 6800 Metern erreichen, könnte das Heer damit auch vermisste Bergsteiger auf dem Großglockner suchen. Die Voraussetzung dafür sind eine Anforderung durch die Behörden und eine Luftraumsperre im Einsatzgebiet. Auch die Polizei steht bereits in den Startlöchern. Bei der Belagerung des Polizistenmörders in Großpriel hat sie immerhin Bundesheer-Panzer angefordert. Künftig hat das Heer auch Drohnen für solchen Einsätze im Angebot. Denn im Gegensatz zu den Polizeihubschraubern kann man auf Drohnen nicht schießen – weil man sie wegen ihrer geringen Größe nicht sieht.

Besitz von Drohnen beendet Abhängigkeit von anderen Armeen

Der Oberst des Generalstabes, Reinhard Zmug, ist der Projektleiter. Er und seine Kameraden arbeiten seit Jahren mit Drohnen – allerdings mit Leihgaben. Im Kosovo flog zuerst die deutsche Bundeswehr Drohnenflüge für die Österreicher, dann kamen amerikanische Systeme. Die Flüge sind wichtig für die Sicherheit der Soldaten, wenn sie etwa einen Zugriff auf einen Mafiastützpunkt in einem Bergbauernhof machen müssen. Zmug, der eine hochrangige Kommando-Position im Kosovo innehatte, freut sich, dass nun die Abhängigkeit von anderen Armeen beendet ist.

Wir würden hier gerne ein Login zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Liebe Community,

Mit unserer neuen Kommentarfunktion können Sie jetzt an jeder Stelle im Artikel direkt posten. Klicken Sie dazu einfach auf das Sprechblasen-Symbol rechts unten auf Ihrem Screen. Oder klicken Sie hier, um die Kommentar-Sektion zu öffnen.

Drohnen fürs Heer als Weihnachts-Bescherung | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat