EU-Kommissionschef Juncker und Kanzler Faymann sind wegen der Griechen-Krise in Dauerkontakt.

© APA/BKA/ANDY WENZEL

Griechenland
07/11/2015

Doppelter Einsatz wegen Hellas

Wie sich SPÖ-Kanzler Faymann und ÖVP-Finanzminister Schelling als Krisen-Manager versuchen.

von Karin Leitner

Werner Faymann sitzt Ende Juni in der ORF-Pressestunde. Die Einstiegsfrage an ihn ist ungewöhnlich: Ob er kurz vor der Sendung die deutsche Kanzlerin Merkel am Telefon gehabt habe – wegen des Grußes "Hallo Angela".

Ja, sie sei das gewesen, antwortet der SPÖ-Kanzler. Häme in sozialen Medien folgt: Von wegen MerkelFaymann habe wohl einen Mitarbeiter beauftragt, ihn zu kontaktieren.

In der SPÖ ist man darob verärgert. Die Lage in Sachen Griechenland sei zu ernst, um darüber zu scherzen. Faktum ist, der Kanzler ist seit Wochen im Einsatz in Sachen Griechenland, detto ÖVP-Finanzminister Hans Jörg Schelling.

Heiße Handys

Gestern war beider Handy im Dauerbetrieb. Faymann telefonierte mit Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, dem Euro-Gruppenvormann Jeroen Dijsselbloem, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Frankreichs Staatspräsident François Hollande, Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi und dem deutschen SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel. Es galt, sich abzustimmen – vor dem für morgen geplanten Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Da soll über das Sparprogramm, das die griechischen Regierung vorgestern vorgelegt hat, abgestimmt werden (siehe Seiten 4 und 5). Es ist die siebte derartige Zusammenkunft seit Beginn des Jahres.

Die Finanzminister tagen schon heute erneut in der belgischen Hauptstadt; der zehnte Sondereinsatz von Schelling & Co binnen 23 Tagen. Zuletzt saßen er und seine Kollegen vergangenen Dienstag beisammen.

Der Minister, der dieser Tage auch einen Hypo-Generalvergleich mit den Bayern geschlossen hat, ist mittlerweile genervt: "Die vielen Termine in Brüssel sind natürlich zeitraubend. Vor allem wird die Geduld strapaziert, wenn man wieder ergebnislos abreisen muss."

Ob der Zeitnot musste Schelling TV-Termine absagen; einen Maybrit Illner-Talk im ZDF. Auch mit Auftritten in der ARD (Günther Jauch, Anne Will) ist es deswegen nichts geworden. Die BBC, CNBC und Bloomberg London wollten seine Sicht der Hellas-Dinge ebenfalls hören. "Ich habe auch in Wien genügend Arbeit und Verpflichtungen", sagt Schelling.

Schwierige Aufklärung

Im Inland sind Schelling und Faymann medial rührig. Ob in der ZiB 2 – zugeschaltet aus dem Kanzleramt, vor der Österreich- und der EU-Fahne stehend –, ob beim Pressefoyer nach dem Ministerrat: Der Regierungschef nutzt jede Gelegenheit, um sich zu Griechenland zu äußern, sich als Vermittler zu positionieren. Keine leichte Angelegenheit angesichts des komplexen Zusammenhänge – und der immer größerer werdenden Aversion heimischer Bürger gegen zusätzliches Geld für den südlichen Staat.

Schelling versuchte bei der dieswöchigen Nationalratssitzung zur Causa, volkswirtschaftliche Fehler griechischer Politik auf eine einfache Formel zu bringen: "Ein mediterranes Land muss mehr Gemüse importieren, als es exportiert." Und er trachtet danach, zu beruhigen: "Meine Sorge um Griechenland ist groß. Europa hat in den vergangenen Tagen bewiesen, dass es zusammen stehen kann. Die Situation für Griechenland kann zwar ein Rückschlag für Europa sein, aber die Ansteckungsgefahr für andere Länder ist eher gering."

Parolen-Paroli

Vor allem den Freiheitlichen mit ihren simplen Parolen müssen Faymann und Schelling Paroli bieten. Für die Blauen ist das griechische Drama ein willkommenes Hilfsprogramm für die Herbst-Wahlen in Oberösterreich und Wien. Keinen einzigen Cent mehr dürften die Griechen bekommen, erst recht nicht, "ohne die Österreicher zu befragen", trompetet Heinz-Christian Strache. Nicht sein letztes Populismus-Konzert. Wie immer die EU-Oberen am Wochenende entscheiden; Griechenland wird noch lange auf der Polit-Agenda sein.

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