Politik | Inland
22.04.2018

Salzburg-Wahl: ÖVP mit klarem Sieg, SPÖ hauchdünn vor FPÖ, Rössler bietet Rücktritt an

390.091 Salzburger waren zur Wahl aufgerufen. ÖVP holt 37,8 Prozent, Grüne stürzen ab.

Zwei Jahre Dauerwahlkampf in Österreich gingen heute endlich ins Finale. Die Salzburger beendeten den Wahlreigen, der im April 2016 mit der dreifachen Bundespräsidentenwahl begann. Und so haben sie laut der ersten Hochrechnung gewählt: 

Rössler bietet Rücktritt an

Dass die Salzburger  ÖVP heute erneut als erster ins Ziel gehen würde, war ohnehin absehbar. Die Frage war auch weniger, mit wie viel Prozent Vorsprung Landeshauptmann Wilfried Haslauer seine Partei zum Sieg führt. Die Frage war und ist jetzt, wer der künftige Koalitionspartner sein wird. Präferenzen ließ sich der amtierende Landeshauptmann auch am Sonntag keine entlocken. Haslauer kündigte lediglich an, jetzt mit allen Parteien Gespräche führen zu wollen. Binnen acht bis neun Tagen wolle er sich dann entscheiden, mit welcher Partei er in Koalitionsverhandlungen geht.

Ob er es noch einmal mit den Grünen versuchen wird, ist also offen. Auch, weil die Ökopartei selbst stark geschwächt ist. Auf 8,5 Prozent kommen die Grünen laut erster Hochrechnung, das ist ein Verlust von mehr als elf Prozent, Parteichefin Astrid Rössler bot am frühen Sonntagabend ihren Rücktritt an. 

Die NEOS schafften aus dem Stand sieben Prozent.

SPÖ knapp vor FPÖ

Den Kampf um Platz zwei entschieden, wie schon zuvor in Tirol und NiederösterreichSPÖ und FPÖ unter sich. Hatte es nach der ersten Trendrechnung um 16.00 Uhr noch nach einem hauchdünnen Sieg für die FPÖ ausgesehen, brachte die spätere Auszählung der größeren Ballungszentren dann doch noch einen klaren Vorteil für die SPÖ.

KURIER.at begleitete Sie durch den Wahltag. Unten finden Sie den Ticker zur Nachlese

Salzburg-Wahl im Live-Blog

  • 12:44

    Entspannte Stimmabgabe

    Die ÖVP von Landeshauptmann Wilfried Haslauer kann laut Umfragen mit einem Wahlsieg und fünf weiteren Jahren an der Spitze rechnen. Haslauer zeigte sich bei seiner Stimmabgabe denn auch in "leicht gespannter Erwartungshaltung". Haslauer schritt gemeinsam mit Gattin Christina zur Urne - bei strahlend schönem Frühlingswetter in einer Volksschule im Salzburger Stadtteil Morzg. Als Wahlziel hatte er im Vorfeld ein Drittel der Stimmen ausgegeben, was von Experten als strategisches Tiefstapeln bezeichnet wurde. "Wenn es mehr ist, sind wir nicht böse, ganz im Gegenteil", sagte Haslauer. Einen Vierer vor dem Resultat bezeichnete er aber als "fast nicht möglich".
  • 12:49

    Vorläufiges Endergebnis um 21.00

    Das vorläufige Endergebnis der Wahl wird zwischen 20.00 und 21.00 Uhr erwartet. Weil die Briefwahlstimmen schon am Wahltag ausgezählt werden, werden dabei nur noch wenige Hundert Stimmzettel fehlen, die außerhalb der Wohnsitzgemeinde abgegeben wurden. Diese werden am Mittwoch ausgezählt. Wie es nach der Wahl weitergeht, wollen die meisten Parteien aber schon am Tag nach der Wahl besprechen: ÖVP, Grüne, SPÖ, NEOS und SBG haben for Montag ihre Gremien einberufen.
  • 13:12

    Pinke Hoffnung

    Als erster der Spitzenkandidaten hatte am Morgen NEOS-Chef Sepp Schellhorn gewählt. Für die NEOS geht es um den erstmaligen Einzug in den Salzburger Landtag. Wobei die Umfragen den NEOS zuletzt deutlich bessere Chancen einräumten als Hans Mayr von der "Salzburger Bürgergemeinschaft" und dem Ex-Blauen Karl Schnell von der "Freien Partei Salzburg".
  • 13:18

    So wählte Salzburg 2013

    Damals gab es noch ein starkes Team Stronach, die NEOS waren noch weniger bekannt und die Grünen im Nationalrat.
  • 13:32

    Die Spitzenkandidaten bei der Stimmabgabe

    Das Wetter war im Bundesland ausgezeichnet, bis 16 Uhr können alle Salzburger wählen, die Spitzenkandidaten haben ihre Wahlpflicht natürlich schon erfüllt.

    6 slides, created on 22/Apr/2018 - 15:32:44

    1/6

    Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP).

    SPÖ-Chef Walter Steidl.

    Die Grüne Astrid Rössler auf dem Rad.

    FPÖ-Bundesgeschäftsführerin Marlene Svazek.

    NEOS-Kandidat Sepp Schellnorn.

    Hans Mayr, SBG.

  • 13:41

    Drei Trendgemeinden

    Um 16.00 gibt es also die erste landesweite "Trendrechnung". Gemeindeergebnisse dürften schon früher vorliegen. Auf diese Gemeinden sollten sie dabei besonders achten: Golling, Puch und Lamprechtshausen. Das waren 2013 die sogenannten "Trendgemeinden" - also jene Orte, deren Ergebnis am ähnlichsten dem auf Landesebene war.
  • 13:49

    Wie valide ist die "Trendrechnung" um 16.00 Uhr?

    Nachdem die Wahllokale in Salzburg - anders als bei den letzten Landtagswahlen in Niederösterreich, Tirol und Kärnten - allesamt bereits um 16.00 Uhr schließen, wird knapp nach Wahlschluss auch eine erste "Trendrechnung" veröffentlicht. Geschätzt handelt es sich dabei um Ergebnisse von 20-30 von 119 Gemeinden - das sind in etwa 4-7 Prozent der Stimmen. Die Schwankungsbreite liegt dementsprechend noch bei rund 3,4 Prozent, die sogenannte Trendrechnung (eine erste Hochrechnung gibt's dann um 17.00 Uhr) ist also mit Vorsicht zu genießen.
  • 14:08

    Jeder durfte wählen - keine Promillegrenze

    Während wir noch auf die erste Trendrechnung warten noch eine kleine Info zur Beruhigung: Promillegrenze gab es heute keine. Hätte ein alkoholisierter Wähler allerdings den Wahlvorgang behindert, oder wäre er schlicht nicht in der Lage gewesen, seine Stimme abzugeben, konnte ihn der Wahlleiter des Wahllokals verweisen.
  • 14:10

    Wahlbeteiligung

    Spannend wird auch sein, wie hoch die Wahlbeteiligung diesmal ausfällt. 30 Prozent – also 113.192 Salzburger ignorierten die letzte Wahl im Jahr 2013. Dass die Wahlbeteiligung bei dem Salzburger Prachtwetter heute sogar unter 70 Prozent gefallen ist, ist nicht unwahrscheinlich.
  • 14:12

    Erste Ergebnisse lassen auf sich warten

    Um 16.00 Uhr hätte die erste Trendrechnung von SORA und ARGE veröffentlicht werden sollen. Noch trudeln aber nur einzelne Gemeindeergebnisse ein. In Kuchl etwa holte die ÖVP mit 42,33 Prozent zehn Prozent mehr...
  • 14:15

    Erstes Ergebnis

    ÖVP holt 40 Prozent, FPÖ auf Platz zwei, Grüne stürzen ab - mehr dazu in Kürze
  • 14:23

    Welche Koalitionen sind möglich?

    Festlegen wollte sich LH Haslauer im Vorfeld ja nicht, und ganz fix ist das Ergebnis ja auch noch nicht. Klar ist aber, dass die ÖVP nun die Qual der Wahl hat...
  • 14:26

    Die Bezirks- und Gemeindeergebnisse

    Noch sind viele Flecken weiß. Die Gemeinden, die bereits ausgezählt sind, sind jedoch tiefschwarz. An dieser Stelle noch einmal der Verweis auf die Trendgemeinden 2013: Achten sie besonders auf die Ergebnisse in Golling, Puch und Lamprechtshausen.
  • 14:38

    Verlierer Wahlbeteiligung

    Rund 61 Prozent - und damit noch einmal fast zehn Prozent weniger als 2013 - beträgt die Wahlbeteiligung diesmal. Politikwissenschafter Filzmaier spricht im ORF von einem "Einbruch der demokratischen Beteiligung".
  • 14:40

    Reaktionen: SPÖ will bei Steidl bleiben

    Der Salzburger SP-Landesgeschäftsführer Hannes Mathes hat sich trotz der Wahlniederlage (aktuell minus vier Prozent) vorerst gegen die Ablöse von Parteichef Walter Steidl ausgesprochen. Er schließe einen Wechsel "auf absehbare Zeit" aus, sagte Mathes in einer ersten Reaktion. Er hofft, dass sich das Ergebnis im Verlauf des Abends noch verbessert: "Es werden noch größere Gemeinden und Städte kommen, dann werden wir am Abend wissen, wo die SPÖ gelandet ist." Sein Grüner Kollege Rudi Hemetsberger wollte nicht einschätzen, ob mit dem sich abzeichnenden Ergebnis eine Regierungsbeteiligung möglich ist: "Am Zug ist jetzt einmal der Herr Landeshauptmann."
  • 14:48

    Grüne mit zweitbestem Ergebnis

    Es klingt kurios - haben die Salzburger Grünen doch mehr Prozentpunkte verloren, als sie erreichen konnten - aber die rund zehn Prozent sind für Öko-Partei tatsächlich das zweitbeste Ergebnis ihrer Parteigeschichte in Salzburg. Vor der Wahl 2013, die nach dem Salzburger Finanzskandal unter einem besonderen Stern stand, kamen sie nie über acht Prozent hinaus.
  • 14:50

    Kurz sieht "eindrucksvollen Wahlsieg"

    ÖVP-Chef Bundeskanzler Sebastian Kurz freut sich angesichts der ersten Hochrechnungen aus Salzburg über einen "eindrucksvollen Wahlsieg von Wilfried Haslauer", dem er "von ganzem Herzen gratuliere". Salzburg habe sich heute für die "Fortsetzung von sachlicher Politik" entschieden, meinte Kurz am Sonntag in einem schriftlichen Statement gegenüber der APA. Haslauer sei "ein besonnener Politiker, der nicht den Streit sucht, sondern mit seiner Arbeit überzeugt", befand Kurz. Dieser Stil sei belohnt worden. "Nach der erfolgreichen Verteidigung der absoluten Mehrheit in Niederösterreich, dem Ausbau von Platz Eins in Tirol und dem Zuwachs in Kärnten, schließen heute Wilfried Haslauer und die Salzburger Volkspartei mit dem höchsten Zugewinn eine sehr erfolgreiche Landtagswahl-Serie für die gesamte Volkspartei ab", gab sich Kurz hocherfreut, und dankte gleichzeitig auch allen Funktionären für ihren Einsatz.
  • 15:06

    Haslauer will "mit allen sprechen"

    LH Wilfried Haslauer will jetzt mit allen Landtagsparteien sprechen. Binnen acht bis neun Tagen wolle er dann entscheiden, mit wem er dann Regierungsverhandlungen führen werde, kündigte der Wahlsieger im Gespräch mit der APA an. Ob angesichts der schweren Verluste seines bisherigen Grünen Koalitionspartners schwarz-grün überhaupt noch möglich sei, beantwortete Haslauer nicht. "Ich kommentiere keine Wahlergebnisse von anderen Mitbewerbern." Er werde nun mit allen Landtagsparteien sprechen. "Mein Ziel ist es, in den nächsten acht bis neun Tagen zu einer Entscheidung zu kommen, mit wem wir tatsächlich in Verhandlungen eintreten", so Haslauer. Auf mögliche Koalitionspartner wollte sich Haslauer nicht festlegen.
  • 15:15

    NEOS in mehr als der Hälfte der Landtage

    Nach ihrem klaren Verbleib im Nationalrat im Vorjahr konnten sie bei den heurigen Wahlen drei Landtage - Niederösterreich, Tirol und heute Salzburg - erobern. Nur in Kärnten (wo auch die Grünen rausflogen) gab es für die Pinken einen Korb. Insgesamt ist die 2013 gegründete Partei jetzt schon in der Mehrheit der Landesparlamente, nämlich in fünf, verankert. In allen vier Wahlländern des heurigen Jahres sind die NEOS zum ersten Mal angetreten - denn im Frühjahr 2013, also dort zuletzt gewählt wurde, baute Matthias Strolz seine Partei erst auf. Und bei den heurigen Landtagswahlen lief es für die NEOS sehr viel besser als 2014/15. Damals waren sie nur in zwei von fünf Versuchen erfolgreich. Nur in Vorarlberg (2014) und Wien (2015) eroberten sie damals das Landesparlament, im Burgenland, der Steiermark und Oberösterreich scheiterten sie bei weitem an der Fünf-Prozent-Grenze. Die nahmen sie heuer sowohl in Niederösterreich (wo vier Prozent gereicht hätten) als auch in Tirol knapp. Salzburg wird ihnen laut Hochrechnung das beste Ergebnis des heurigen Jahres bescheren: Mit mehr als sieben Prozent nimmt Sepp Schellhorn den Vorarlbergern (6,89 Prozent) Platz 1 ab. In Wien gab es 2015 6,16 Prozent für Pink.
  • 15:17

    FPS wohl gescheitert

    Gescheitert ist laut dieser Hochrechnung Karl Schnell mit seiner FPÖ-Abspaltung FPS: Der Arzt aus Saalbach-Hinterglemm verfehlt demnach mit seiner "Freien Partei Salzburg" mit 4,4 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug knapp. Klar gescheitert ist der ehemalige Team Stronach-Mann Hans Mayr mit seiner Namensliste, diese erreicht nur 1,5 Prozent.