Politik | Inland
01.05.2018

Die ÖVP und ihr Kampf mit dem 1. Mai

Seit Jahren versucht die Volkspartei, den Tag zu kapern – mit bescheidenem Erfolg.

Man kann landauf, landab „Zeit für Neues“ plakatieren, an manchen politischen Gesetzmäßigkeiten ist einfach nicht zu rütteln. So ist etwa der 1. Mai der einzige Tag im Jahr, der allein der SPÖ gehört.

Und dennoch: Ganz wollte sich die ÖVP damit nie abfinden. Also überlegt man in der Volkspartei Jahr für Jahr, wie man den Roten zumindest ein wenig Aufmerksamkeit an diesem Festtag der Linken stibitzen kann. Wirklich erfolgreich war man damit allerdings selten, wie ein Blick auf die 1.Mai-Abschussbilanz der letzten Jahre zeigt: Im vergangenen Jahr etwa produzierte die (noch) schwarze Parteizentrale ein Grusel-Pamphlet, um vor Rot-Grün auf Bundesebene zu warnen. Der Titel des Büchleins, das SPÖ-Chef Kern im Sowjet-Stil darstellte: „Rot-Grün-Manifest“. Seinen letzten 1. Mai als Parteichef beging ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner dann übrigens in einem Pflegeheim.

Im Jahr davor besuchte Mitterlehner einen Polizeiposten („Leistungs muss sich lohnen!“), 2015 fuhr man zum Flughafen Schwechat: Mit der ÖVP-Spitze marschierte Mitterlehner von der Gepäckabgabe durch die Duty-Free-Shops bis hin zur Sicherheitszentrale – Credo des Besuchs: „Während andere marschieren und dabei auf der Stelle treten, widmen wir uns der Zukunft.“

2014 wurde der Feiertag gleich doppelt attackiert: Erst erklärte die ÖVP den Tag zum „Europatag“, einige Tage später forderte die einstige Familienministerin Sophie Karmasin dann auch noch, den gesetzlichen Feiertag am 1. Mai zu streichen und stattdessen den „Tag der Familie“ am 15. Mai zu begehen.

Doch daraus wurde letztlich ebenso wenig wie aus den regelmäßig am 1. Mai vorgestellten ÖVP-Konzepten à la „Gläserner Lohnzettel“ oder dem „Zukunftsplan Gute Arbeit“. Hängen blieben noch eher markige Slogans: Josef Pröll etwa reimte einst „Arbeitsplatz statt Rathausplatz“, sein Vorgänger Wilhelm Molterer rief mit „Mehr Kinder, weniger Steuern“ zur Fortpflanzung auf.

Ob Sebastian Kurz die Roten erfolgreicher aus den Schlagzeilen verdrängen kann, wird sich heute zeigen – er tritt übrigens auch in einem Pflegeheim auf.