Johanna Mikl-Leitner wird am 19. April zur Landeshauptfrau gewählt.

© Kurier/Juerg Christandl

Johanna Mikl-Leitner
03/12/2017

Die erste Frau für Niederösterreich

Die Festlichkeiten zu Erwin Prölls Abschied und Johanna Mikl-Leitners Amtsübernahme laufen an.

von Daniela Kittner

Für Stephan Pernkopf wird es gewöhnungsbedürftig sein. Der Agrar-Landesrat darf sich in Zukunft mit dem Titel "Landeshauptfrau-Stellvertreter" schmücken.

In wenigen Wochen ist es so weit, erstmals wird eine Frau die Geschicke Niederösterreichs leiten. Am 19. April wird Johanna Mikl-Leitner im Landtag zur Landeshauptfrau gewählt, am 25. März wird sie auf dem Parteitag zur Obfrau der VP-Niederösterreich gekürt.

In St. Pölten sind die Vorbereitungen für die Amtsübergabe voll im Gange. Im 25. Jahr seiner Amtszeit gibtErwin Pröll das Zepter aus der Hand. Das ganze Land wird Abschied nehmen von einer Institution. Die SPÖ hat extra die Kür ihres Spitzenkandidaten für die kommende Landtagswahl in den Mai verschoben, weil die Feierlichkeiten alles zudecken werden. Mikl-Leitner selbst wirkt angesichts des bevorstehenden Karrieresprungs unaufgeregt und routiniert, als der KURIER sie am Freitag bei einem Arbeitsmarktgipfel in St. Pölten besucht.
Niederösterreich hat eine Arbeitslosigkeit von fast elf Prozent und als einziges Bundesland verzeichnet es immer noch steigende Arbeitslosenzahlen. Bei ihren vielen Betriebsbesuchen in den vergangenen Monaten stieß Mikl-Leitner auf keinerlei Klagen über fehlende Aufträge, sondern die Betriebe klagten trotz 70.000 Arbeitsloser über fehlende Arbeitskräfte. Um dieser seltsamen Disparität auf den Grund zu gehen, trommelte Mikl-Leitner Sozialpartner und Firmenchefs zusammen. Außerdem bat sie den Chef-Ökonomen der Industriellenvereinigung,Christian Helmenstein,um seine Expertise. "Ich arbeite gern auf wissenschaftlich fundierter Basis", sagt Mikl-Leitner. Sie wird eine landesweite Akademie gründen, die sich zusätzlich zum AMS um die Feinabstimmung zwischen Arbeitnehmer-Qualifizierung und Betriebserfordernissen kümmert.

Das aufreibende Innenministerium hat Mikl-Leitner längst hinter sich gelassen, sie steckt mitten drin in der Landespolitik. Die ist pragmatischer und weniger von Ideologie getrieben als die Bundespolitik, was Mikl-Leitners Wesen entgegen kommt. Sie ist Unternehmerstochter, politisch jedoch im Arbeitnehmerbund ÖAAB sozialisiert.

"Ich habe Mikl-Leitner in Verhandlungen stets sachlich und problemlösungsorientiert erlebt", sagt Karin Renner, Niederösterreichs SPÖ-Vizelandeshauptfrau. "Sie hat Handschlagsqualität und spricht mit ihrem Gegenüber auf Augenhöhe."

Das ist im schwarzen Kernland mit einer machtbewussten ÖVP ein Kompliment. Robert Laimer, Landesgeschäftsführer der SPÖ, glaubt, dass mit Mikl-Leitner als Landeshauptfrau "in Niederösterreich das 21. Jahrhundert anbrechen wird". Er traue ihr zu, mehr Transparenz und Oppositionsrechte zuzulassen als Pröll. Allerdings "mit Augenmaß", wie Laimer sagt, denn das, was die Grünen alles fordern, gehe auch der SPÖ zu weit.

Wie sich die SPÖ im Landtag bei der Wahl Mikl-Leitners zur Landeshauptfrau verhalten wird, ist noch nicht ganz geklärt. Sie wird Mikl-Leitner jedenfalls nicht geschlossen ablehnen. Die SPÖ schwanke zwischen geschlossener Zustimmung und Freigabe der Abstimmung, sagt Laimer.

Die FPÖ wird Mikl-Leitner geschlossen ablehnen.

Damit zeichnen sich die Fronten für den anlaufenden Wahlkampf bereits ab. Die FPÖ setzt voll auf Angriff, während die SPÖ die Position als zweitstärkste Partei verteidigen und Regierungspartner der ÖVP bleiben will.

Die Landtagswahl findet im März 2018 statt. Für Mikl-Leitner wird das eine schwere Bewährungsprobe.

Erwin Pröll hat zuletzt 51 Prozent nach Hause gebracht, eine Marke, die sie als Amtsneuling nur durch ein Wunder erreichen kann. Zudem könnte Niederösterreich zur bundespolitischen Testwahl geraten, sofern die rot-schwarze Koalition auf Bundesebene bis dahin hält. Der Testwahl-Charakter bereitet Mikl-Leitner jedoch nicht allzu viele Sorgen. "Reine Landtagswahlen sind in Zeiten der Globalisierung ohnehin kaum mehr möglich. Das Migrationsthema ist überall", sagt sie. Im Gegenteil, sie will aus der Tatsache, dass sie fünf Jahre Ministerin war, ein Asset machen: "Ich habe ein internationales Netzwerk aufgebaut, und das werde ich zugunsten Niederösterreichs nutzen."

Als Landeshauptfrau wird neben der Landes-Außenpolitik auch Kunst und Kultur, Wissenschaft und Forschung und die Zuständigkeit für die 573 Gemeinden des Landes übernehmen.

Mikl-Leitner ist bekannt dafür, dass sie jede Funktion, die sie übernimmt, mit vollem Einsatz und Engagement ausübt. Darauf ist ihre Familie bereits eingestellt. Doch Landeshauptfrau zu werden, ist noch einmal etwas anderes. First Husband will ihr Mann nicht werden, aber er freut sich, dass sie die Kulturagenden übernimmt. Zu diesen Terminen will er sie begleiten. Die 15-jährige Tochter Anna absolviert gerade ein Schüleraustauschjahr in Toronto. Sie postete auf Facebook: "Mama ich bin so stolz auf dich! Auch wenn wir tausende von km getrennt sind, verfolge ich immer die neuesten Nachrichten über dich. Als ich heute einen Artikel über dich gelesen habe, dass du die Landeshauptfrau von Niederösterreich wirst, war ich richtig stolz! Ich hab dich so lieb!" Am 2. Juli kommt Anna nach Hause, "jetzt bin ich schon sehr froh, dass sie bald wieder da ist", sagt die Mutter. Mikl-Leitners jüngere Tochter, Larissa, ist 12. Außerdem hat die Familie Mikl zur Zeit auch einen Austausch-Schüler aus Washington DC zu Gast.

Puncto Frauenpower wird Niederösterreich zum Vorzeigeland. Mikl-Leitner wird die einzige Frau unter neun Landeshauptleuten sein. Inklusive Karin Renner sind vier von neun Mitgliedern der Landesregierung weiblich, im ÖVP-Team steht es sogar halbe/halbe. Elf Prozent der Bürgermeister sind Frauen, "das ist zwar noch weit weg von 50 Prozent, aber österreichweit der Spitzenwert", sagt Mikl-Leitner. Mit ihrem Sprung an die Landesspitze will Mikl-Leitner ein Signal aussenden: "Ich will Frauen Mut machen."

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