Unterlagen für Deutschkurse

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Politik Inland
01/23/2020

Deutschkurse für Asylwerber: Für SOS Mitmensch ein "Lotteriespiel"

Eine Erhebung verzeichnet einen Rückgang des Kursangebots für Asylwerber in den Bundesländern seit 2016. Außerdem gibt es noch Unterschiede im Angebot und der Qualität je nach Bundesland. SOS Mitmensch fordert eine Veränderung.

Von einem "Lotteriespiel" und einem "Fleckerlteppich" sprechen Mitarbeiter von SOS Mitmensch, wenn es um das Angebot an Deutschkursen für Asylwerber geht. Dieses habe sich laut der Organisation nämlich seit 2016 massiv verschlechtert. SOS Mitmensch hat sich die Situation in den neun Bundesländern angesehen. Am besten schneidet demnach Tirol ab, am schlechtesten Niederösterreich.

Als Mitgrund für den Rückgang sieht die Organisation das Ende der Co-Finanzierung von Deutschkursen durch den Bund.

"Die Ergebnisse unserer Erhebung sind teilweise alarmierend", meint Sonja Kittel, die für SOS Mitmensch die Erhebung geleitet hat, in einer Aussendung. Das Angebot an Kursen für Asylwerber sei seit dem Ausstieg des Bundes deutlich zurückgegangen: "Einige Bundesländer haben versucht, das abzufedern, aber das ist nicht überall gelungen." Die Co-Finanzierung von Deutschkursen durch den Bund ist im Herbst 2018 ausgelaufen.

SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollack fordert im ORF-Radio ein flächendeckendes Deutschkursprogramm für Österreich, derzeit gebe es stattdessen einen "Fleckerlteppich".

Weniger Asylwerber in Deutschkursen 

Die Abwicklung der Sprachkurse für anerkannte Flüchtlinge und "subsidiär Schutzberechtigte" übernimmt im Wesentlichen der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF). Asylwerber können an diesen Kursen nur teilnehmen, wenn ihnen eine hohe Anerkennungswahrscheinlichkeit bestätigt wird. Dies gilt etwa für Syrer und Iraner. Wie der ÖIF auf APA-Anfrage mitteilte, gingen im Vorjahr nur 335 von insgesamt 20.000 Kursplätzen an Asylwerber.

Wie viele Asylwerber darüber hinaus an Sprachkursen der Länder teilgenommen haben, war für SOS-Mitmensch nicht im Detail zu eruieren. Aussagekräftiges Zahlenmaterial zu bekommen sei "teilweise sehr schwierig bis unmöglich" gewesen, heißt es im Bericht. Insgesamt konstatiert die Organisation aber einen Rückgang des Anteils der Asylwerber in Deutschkursen. Dies auch deshalb, weil viele Asylwerber Kurse in niedrigen Niveaustufen abgeschlossen hätten und nun keine Anschlusskurse für höhere Sprachniveaus zur Verfügung stünden.

SOS Mitmensch fordert einheitliche Regelung statt "Lotteriespiel"

Der von SOS Mitmensch durchgeführten Erhebung zufolge bietet einzig Oberösterreich Sprachkurse auf den Fortgeschrittenen-Niveaus C1 und C2 an. Im Burgenland werden nur Basiskenntnisse vermittelt, die meisten anderen Länder liegen dazwischen. Pollack im ORF-Radio dazu: "Schlusslicht ist leider Niederösterreich, wo es überhaupt kein eigenes Deutschkurs-Programm gibt und wo es ausschließlich die Kurse des österreichischen Integrationsfonds gibt, die allerdings nur ganz, ganz eingeschränkt für Asylsuchende zugänglich sind."

Auf Basis dieser Erhebungen fordert SOS Mitmensch die Schaffung einer österreichweiten Regelung für geförderte Deutschkurse für Asylsuchende mit einheitlichen Minimalstandards und Angeboten auf allen Qualifikationsstufen.

Außerdem verlangt die Organisation die finanzielle (Wieder-)Beteiligung des Bundes und die Öffnung der Sprachkurse des Integrationsfonds für alle Asylsuchenden. Es dürfe nicht weiter an den ehrenamtlichen Helfern liegen, "die strukturellen Lücken im Deutschkursangebot notdürftig zu stopfen" heißt es in der Aussendung. Im Regierungsprogramm ist davon die Rede, dass Deutschkurse auch qualitativ gefördert werden sollen. In welcher Form das geschehen könnte, ist nicht bekannt.

Langes Warten und keine Kinderbetreuung

Viele warten laut SOS Mitmensch bis zu einem halben Jahr auf einen passenden Kurs. Pollack spricht in diesem Zusammenhang von einem "Lottereispiel" abhängig davon in welchem Bundesland man ist. Je nachdem gibt es einen Kurs für Asylsuchende oder eben nicht.

Mehr Unterstützung brauche es auch bei der Kinderbetreuung. Vor allem um Frauen mehr einbinden zu können, müsste Asylsuchenden bei der Kinderbetreuung geholfen werden, damit ein Kursbesuch möglich ist, so Pollack im Ö1-Morgenjournal.

Waldhäusl weist Kritik an Sprachkursen zurück

Der zuständige niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) weist die Kritik von SOS Mitmensch an fehlenden Deutschkursen für Asylwerberinnen und Asylwerber zurück. "Deutschkurse für Asylwerber und Asylberechtigte sind in Niederösterreich eine gelebte Selbstverständlichkeit", meinte er in einer Aussendung. Der Integrationsfonds sei hier ein "zuverlässiger und guter Partner".

Waldhäusl verwies auch darauf, dass aktuell ein neuer Vertrag mit dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) verhandelt werde und kurz vor der Unterzeichnung stehe.

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