Politik | Inland
03/11/2019

"Deutsches Reich" auf Facebook: FPÖ-Abgeordnete weiterhin Mitglied

Nationalratsabgeordnete Mühlberghuber ist weiterhin Teil der Gruppe, Otti und Gerstner sind ausgetreten.

Die zwei Nationalratsabgeordneten Edith Mühlberghuber und Peter Gerstner von der FPÖ sind laut Recherchen des Standard Mitglieder einer geschlossenen Gruppe auf Facebook mit dem Namen "Deutsches Reich".

Dort wird kein Hehl aus der persönlichen Überzeugung gemacht. In der Gruppenbeschreibung, die auch für Nicht-Mitglieder lesbar ist, steht etwa: "Das Deutsche Reich von 1871 ist nicht untergegangen! Menschen des Rechtes sind solche, welche die Wahrheit lieben!"

Der Standard schreibt außerdem, dass in der Gruppe Beiträge stehen wie: "Kein einziger Jude ist durch eine Tötungskammer umgebracht worden" und "Adolf Hitler über die, die das deutsche Volk ausplündern".

"Nicht aktiv eingetreten"

Neben den FPÖ-Abgeordneten sei außerdem Werner Otti von der John-Otti-Band Mitglied in der geschlossenen Gruppe. Die Band tritt regelmäßig bei FPÖ-Veranstaltungen auf.

Edith Mühlberghuber gab gegenüber KURIER zu Protokoll, dass sie Karl Dettmer sofort als Freund entfernte, als die von der Gruppe erfuhr. Sie habe zu wenig recherchiert und Dettmer deswegen als Freund gehabt, vermutet sie. "Ich bin nie beigetreten", sagte sie zur Gruppe "Deutsches Reich". "Ich habe mit soetwas nichts zu tun und möchte auch nichts damit zu tun haben." Sie sei wenig auf Facebook aktiv und würde dort nur ihre über ihre politische Arbeit informieren wollen. Dennoch war sie am Dienstagvormittag weiterhin Mitglied der geschlossenen Gruppe.

Ihr Parteikollege Peter Gerstner betont ebenfalls, er sei der Gruppe nie aktiv beigetreten und hätte sich dort auch nicht beteiligt. "Ich war da ein bisschen schleißig", sagte er zum KURIER. Auch er nütze sein Facebook-Profil für seine politische Arbeit und sei gerade dabei, sämtliche Gruppen zu kontrollieren, denen er beigetreten ist.

Otti gab gegenüber dem Standard an, die Gruppe sofort verlassen zu wollen und begründete das mit seinem Glauben an Jesus Christus: "Niemals würde ich wissentlich einer antisemitisch-nationalsozialistischen Gruppe beitreten!", denn: "Das Heil kommt von den Juden – so steht es geschrieben".

Tatsächlich ist es so, dass Facebook-User in geschlossene Gruppen hinzugefügt werden können, ohne aktiv beizutreten. Allerdings wird man dann darüber benachrichtigt. Wie FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker in einer Aussendung mitteilte, hätten die beiden Abgeorndten die Gruppe mittlerweiel verlassen. Gleichzeitig wiederholte er, dass die beiden gar nicht freiwillig eingetreten, sondern ohne ihr Wissen hinzugefügt worden seien.