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Politik Inland
03/23/2019

„Der ORF könnte eine reine Produktionsfirma werden“

Die drei Nationalratsabgeordneten Stephanie Cox (Jetzt), Douglas Hoyos (NEOS) und Nico Marchetti (ÖVP) im Kurier-Gespräch.

von Johanna Hager, Johannes Arends

Junge Menschen verbringen heutzutage immer weniger Zeit mit klassischem Fernsehen, sie streamen immer mehr Inhalte auf Abruf. Wie stehen sie also zur aktuellen Debatte um den ORF? Die jungen Nationalratsabgeordneten Stephanie Cox (30 Jahre, Jetzt), Douglas Hoyos (28 Jahre, NEOS) und Nico Marchetti (29 Jahre, ÖVP) sprachen mit dem KURIER über GIS-Gebühren und eine mögliche ORF-Reform.

Douglas Hoyos (NEOS)

Douglas Hoyos ist 28 Jahre alt und Abgeordneter für den NEOS Klub. Er will auf Instagram zeigen, wer hinter dem Politiker steckt. (@derhoyos)

Nico Marchetti (ÖVP)

Nico Marchetti ÖVP ist 29 Jahre alt und Abgeordneter für die Volkspartei. Er erklärt als „Der Hinterbänkler" auf Social Media, wie Politik gemacht wird. (@derhinterbaenkler)

Stephanie Cox (Jetzt)

Stephanie Cox ist seit kurzem 30 Jahre alt und gehört der Liste Jetzt an. Sie nutzt Instagram mehr als andere Soziale Netzwerke. Dort erzählt sie Geschichten aus dem Ausschuss. (@stephgracecox)

Sollen die GIS-Gebühren abgeschafft werden?

Hoyos: Dass es Kritik an Gebühren  und Überlegungen einer Budget-Finanzierung des ORF gibt, ist für mich berechtigt und nachvollziehbar. Man sollte sich das genau anschauen – ich glaube zum Beispiel, dass der Bildungsauftrag bei Ö3 nur in sehr geringem Maße erfüllt wird. Da ist die Frage, ob das Privatsender nicht genauso gut könnten.

Marchetti: Ich bin überzeugt, dass es einen öffentlich-rechtlichen Sender braucht, gerade heutzutage – deswegen würde ich die Gebühren nie abschaffen. Aber die Medienlandschaft hat sich gravierend verändert, die Gesetze und Konzepte im Bezug auf den ORF sind oft nicht mehr aktuell. Das finde ich viel wichtiger, auch wenn die Frage nach den Gebühren natürlich viel lustiger zu diskutieren ist.

Cox: Mir ist die Unabhängigkeit des ORF enorm wichtig – die wird aber durch die Gebühren sichergestellt. Ich glaube, ein rein staatlich finanzierter ORF würde  zum Bittsteller werden.  Ich kenne das aus der Privatwirtschaft, dass es, wenn man um Sponsoring kämpfen muss, oftmals auf Deals hinausläuft. Das will ich in diesem Kontext nicht.

Welchen Auftrag hat ein öffentlich-rechtlicher Sender für Sie?

Marchetti: Für mich bedeutet der Auftrag, dass man Qualität bietet, die sich unter normalen Marktbedingungen nicht zwingend rechnen würde. Zum Beispiel das Eco-Magazin oder das Weltjournal – das sind schon qualitativ gute Produkte. Ich glaube, die könnte man in der Form nicht anbieten, wenn man nicht finanziell unterstützt wäre. Ich weiß aber nicht, ob solche Formate   in der Vergangenheit immer von Priorität waren.

Cox: In meiner Idealvorstellung wäre der ORF eine Art Wachhund, er darf und soll allen gegenüber kritisch sein. Er soll auch bilden, zum Beispiel in Form von Dokumentationen. Natürlich kann er auch unterhaltsam sein, nur das Ausmaß muss stimmen.  Ich würde mir wünschen, dass die Bevölkerung mehr mitbestimmen könnte, was sie sehen wollen.

Hoyos: Man könnte auch ein System überlegen, wo es nicht nur einen Sender gibt, der alles ausstrahlt, sondern wo sich mehrere Sender für öffentlich-rechtliche Pakete bewerben können. Zum Beispiel  für ein Nachrichtenmagazin oder Sportübertragungen. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen könnte somit zu einer reinen Produktionsfirma werden. Auch so kann man dem Auftrag gerecht werden.