Politik | Inland
21.10.2017

Der "Kurz-Effekt" verjüngt den neuen Nationalrat

Der Kanzler-Anwärter bringt sieben Mandatare unter 30 Jahren mit, die jüngste ist neben Kira Grünberg eine 22-jährige Studentin.

Lockenkopf, Kapuzenpulli, ausgetretene Sneakers: mit diesem Look war Julian Schmid 2013 inmitten von Geriatrie-grauen Anzügen im Parlament noch ein Exot. 24 Jahre war er da alt und damit der jüngste Nationalratsabgeordnete – eine Berufsbezeichnung, länger als sein Lebenslauf.

Julian Schmid sieht heute noch genauso aus, ist aber 28 Jahre alt und in der kommenden Legislaturperiode schon Geschichte – der Grüne Klub zieht bekanntlich aus. Einziehen wird gleich eine ganze Truppe an Jung-Politikern um Kanzler-Anwärter Sebastian Kurz, selbst erst 31 Jahre alt und bis zur Übernahme der Volkspartei Chef der Jungen ÖVP.

Die JVP wird ihrem Ruf als politische Kaderschmiede mehr als gerecht: 175 Kandidaten haben sich für die Nationalratswahl aufstellen lassen. Aus der Jugendorganisation, für die man ab dem 31. Lebensjahr schon zu alt ist, konnten acht ein Mandat ergattern. Im ÖVP-Klub wird es künftig insgesamt sieben Mandatare geben, die den 30er noch vor sich haben. Die prominenteste ist Ex-Stabhochspringerin Kira Grünberg, die Behindertensprecherin für die ÖVP werden soll. Altersmäßig wird die 24-jährige Tirolerin sogar noch unterboten: Claudia Plakolm aus Oberösterreich ist 22 Jahre alt, studiert Wirtschaftspädagogik und wird jetzt ihr Schulpraktikum unterbrechen müssen, um im neuen Parlament als jüngste Abgeordnete einzuziehen.

Die Drittjüngste in den schwarzen bzw. türkisfarbenen Reihen hat sich ihr Ticket für Wien mit 5952 Vorzugsstimmen im Mühlviertel verdient: Johanna Jachs überholte zwei Mit-Streiter, die vor ihr gereiht waren. Die 27-Jährige tritt in die Fußstapfen ihres Vaters, der im Vorjahr verstorbene Freistädter Bürgermeister und Ex-ÖVP-Bundesrat Christian Jachs. Exemplarisch für die Verjüngung des Parlamentsklubs steht der 28-jährige Oberösterreicher Klaus Lindinger, der im Wahlkreis Hausruckviertel für das ÖVP-Urgestein und Bauernbund-Obmann Jakob Auer eingetauscht wurde. Auer war neben Josef Cap ( SPÖ) der längstdienende Mandatar im Parlament. Über die Salzburger Landesliste zog Stefan Schnöll, designierter Obmann der JVP – und mit seinen 29 Jahren quasi der Senior in der Runde –, ein.

Altersschnitt derzeit 52 Jahre

Das Handwerk lernen die Jungen Türkisen in Seminaren; eines, das sie auf den Wahlkampf vorbereitet hat, fand im September statt. Kaum eine Jugendorganisation war in dieser Zeit so gut vernetzt, im ländlichen Bereich wurde offensiv um Vorzugsstimmen geworben. Mit Erfolg: Die JVP hat sich vervierfacht – von zwei Mandataren (Eva-Maria Himmelbauer, die weiterhin dabei ist, und Asdin El-Habbassi, der nicht mehr kandidierte) auf acht. Sie spitzen laut Schnöll auf die Posten des Jugend- und des Bildungssprechers im Parlament – für ein Monatsgehalt von rund 8700 Euro ist man durchaus ambitioniert. Ist das der "Kurz-Effekt"? Nur zum Teil, sagt Schnöll. Natürlich sei der Meidlinger, der mit 25 Jahren als Integrationsstaatssekretär und mit 27 Jahren als Außenminister als "Bubi im Stimmbruch" belächelt wurde, und jetzt mit 31 Bundeskanzler werden könnte, für viele ein Vorbild. "Es hat hoffentlich bewirkt, dass man in der Politik nicht auf sein Geburtsdatum reduziert wird. Das gilt für Junge wie für Alte." Ohnehin sei der Altersschnitt mit 52 Jahren im Parlament bisher viel zu hoch gewesen, um die Bevölkerung Österreichs zu repräsentieren, meint Schnöll, und freut sich: "Das wird jetzt korrigiert."

Bei der SPÖ gibt es künftig nur eine Mandatarin unter 30 Jahren, dafür kann man mit Elisabeth Feichtinger aus Altmünster die jüngste Bürgermeisterin Österreichs herzeigen. Bei der FPÖ hat Jugendsprecherin Petra Steger kürzlich den 30er gefeiert; jünger sind die beiden Neuankömmlinge Maximilian Krauss (24), RFJ-Chef aus Wien, und Marlene Svazek (25), Salzburger FPÖ-Landesobfrau. Bei den Neos sind es immerhin zwei von zehn Abgeordneten, Claudia Gamon und Douglas Hoyos.