Causa Eurofighter beschäftigt erneut Österreich

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Politik Inland
02/24/2020

Der Eurofighter-Krimi: Mafia, nackter Hintern und viel Geld

So skurril verlief die Geschichte rund um die Jets. Lobbyisten und Briefkastenfirmen spielten beim großen Geldverteilen eine Schlüsselrolle.

von Ida Metzger

Superlative begleiten den Eurofighter-Fall seit Beginn an. Nicht nur der Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro für 15 Jets ist ein Rekord. Auch gab es keine andere Causa, die gleich drei U-Ausschüsse beschäftigte. Dementsprechend reich ist der Eurofighter-Deal an Skurrilitäten. Hier ein kleines Best-of:

Lange tappte die Justiz im Dunkeln, bis im März 2011 ein fast unglaublicher Zufall passierte. Da verhaftete die Staatsanwaltschaft in Rom den rauschebärtigen Finanzbetrüger Gianfranco Lande. Er hatte ein Pyramidensystem aufgezogen, mit dem er Anleger um viele Millionen prellte – darunter auch die Mafia.

Die Hoffnung der italienischen Justiz: Dass Lande gegen die Mafia auspacken würde. „Geht nicht“, war seine Botschaft, denn Lande „fürchtete um sein Leben“, erzählt Aufdecker Peter Pilz.

Erste Verbindung

Aber der Betrüger hatte ein Gegenangebot: Er habe ein Korruptionsnetzwerk für einen Rüstungsfall in Österreich geleitet. Das, so Lande, sei ungefährlich für ihn. Also packte er aus. Und siehe da, dieses Netzwerk hieß Vector Aerospace. Stolze 114 Millionen Euro überwies EADS-Deutschland an Vector, heißt es in der Anzeige des Verteidigungsministeriums. „Durch die Aussage von Lande gelang es erstmals, eine Verbindung von Vector zu EADS herzustellen. Bis dahin hatten wir nur eine Buchungszeile von Vector gefunden“, erklärt Pilz.

Die Ermittlungen ausgerechnet rund um diese Anzeige wollte die Staatsanwaltschaft einstellen, wurde diesen Samstag bekannt. Dagegen wehrt sich nun auch Vizekanzler Werner Kogler (Grüne): „Was die Justizministerin jetzt machen sollte, ist, danach zu trachten, dass die Verfahren nicht vorschnell eingestellt werden.“

Aber zurück zum Netzwerk des Italo-Betrügers Lande. Er heuerte Waffenlobbyisten an. Darunter auch den Wiener Walter Schön. „Lande erzählte Schön von einem Geschäft, wo man wenig zu tun hat, man müsse nur ein paar Firmen gründen und es fließt sehr viel Geld“, schildert Pilz.

Schön ließ sich darauf ein. Und so wurde ein Briefkastensystem aufgezogen. Das Netz zog sich von Luxemburg, der Isle of Man, den Caymans, den Britischen Jungferninseln bis nach Singapur und Zypern. Seit Monaten ist Schön abgetaucht, sitzt er doch in der Bredouille.

Provokante Fotos

In München und Wien ist Schön im Fokus der Justiz. In Deutschland legte der Rüstungslobbyist bereits ein Geständnis ab. Nach Vorbild des Airbus-Konzerns, der sich mit 80 Millionen Euro Bußgeld von einer Strafverfolgung freikaufte, machte auch Schön den deutschen Behörden ein Angebot: „Drei Millionen Euro wollte er der Staatsanwaltschaft zahlen, damit sie von einer Anklage Abstand nehmen. Er hatte Pech, sie lehnten den Deal ab“, erklärt Pilz.

Eine ähnliche Rolle wie Schön hatte die Schlüsselfigur Erhard Steininger. Er lieferte eines der legendärsten Fotos rund um den Eurofighter-Skandal: Als vor ein paar Jahren Reporter seine Villa belagerten, eskalierte die Situation. Steininger stellte sich in die Auffahrt, löste den Gürtel seiner Hose – und zeigte minutenlang provokant seinen nackten Hintern. Steininger erhielt zwischen April 2002 und Dezember 2009 – laut den Gerichtsdokumenten – von Airbus knapp stolze 17 Millionen Euro plus ein Erfolgshonorar im Wert von 2,75 Millionen Euro.

Brisante Gegengeschäfte

Was aber passierte mit dem Geld, das über die Briefkastenfirmen verteilt wurde? Pilz: „Hauptsächlich wurden damit Gegengeschäfte gekauft.“

Wie das funktionierte, lässt sich am Beispiel von Ex-Magna-Manager Werner Hödl eindrucksvoll belegen. Der damalige Magna-Chef Sigi Wolf genehmigte Hödl eine Doppelfunktion. Er saß im Vorstand von Magna Europa und arbeitete – quasi im Nebenjob – für EADS.

Das zeigt sich am besten am Gegengeschäft rund um die Entwicklung des E-Smarts-Modells. Wolf hat den ersten Smart-Deal 1998 selbst an Land gezogen. „Ab da gab es laufend Smart-Aufträge“, gab er im U-Ausschuss zu. Am 6. Juni 2003 wurde der Deal zwischen Smart und Magna geschlossen. Nun kommt die Crux an der Sache: Der Gegengeschäftsvertrag zwischen Österreich und EADS wurde aber erst am 1. Juli 2003 geschlossen. Also fast ein Monat später. „Das ist kein echtes Gegengeschäft, weil der Deal schon existierte“, sagt Pilz.

Hödl verrechnete für die Vermittlung des Gegengeschäftes eine Provision von 761.010 Euro an Vector.

Doch es kommt noch besser: Der Smart-Deal wurde mehrfach verrechnet. Auch die Briefkastenfirma Columbus wollte eine Provision von Vector. All diese Provisionen wurden in den Kaufpreis, den Österreich zahlte, mit 184 Millionen Euro eingepreist.

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