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Politik Inland
09/04/2019

Der Brexit kommt, die Probleme werden folgen

Boris Johnson hängt in den Seilen, kaum dass er mit großem Trara das Amt an sich gerissen hat.

von Konrad Kramar

Stürzt demnächst der nächste britische Premier über den Brexit? Nach David Cameron und Theresa May hängt nun Boris Johnson in den Seilen, kaum dass er mit großem Trara das Amt an sich gerissen hat. Mag sein, dass sich der Showman dank seiner gewieften Strategen mithilfe von Neuwahlen das politische Überleben sichert. Den Schaden für das Land machen auch Wahlen auf keinen Fall wieder gut, nicht den, den drei Jahre politisches Chaos bereits angerichtet haben, aber auch nicht jenen, der Großbritannien auch in Zukunft droht.

Denn so unübersichtlich die politische Situation auf der Insel in diesen Tagen auch sein mag, zwei Tatsachen muss man wohl als gegeben hinnehmen, so wenig das vor allem den überzeugten Pro-Europäern auf beiden Seiten des Ärmelkanals behagen mag.

Der Brexit lässt sich nicht mehr abwenden oder einfach aus der Welt schaffen, und er wird in jedem Fall soziale und wirtschaftliche Härten mit sich bringen: Für Großbritannien, für Irland, das schwächste Glied in der Kette der EU-Staaten, aber auch für den Rest der EU. Die britische Dynamik in Richtung EU-Austritt lässt sich nicht mehr umkehren, auch weil es keine geschlossene politische Front für einen Verbleib in der EU gibt. Einen Super-soft-Brexit, der das Land nach dem Motto „war eh nicht so gemeint“ quasi in Europa belässt, wäre eine politische Zeitbombe – und zwar in den Händen jener Populisten wie Nigel Farage, die sich dann zu Kämpfern gegen den Brexit-Betrug stilisieren könnten. Großbritannien wird den EU-Austritt vollziehen und dafür die bitteren Konsequenzen tragen, die von Anfang an unvermeidlich waren. Ob dann ein großmäuliger Populist wie Boris Johnson noch im Amt ist, ist dann längst unerheblich.