Politik | Inland
09.10.2018

Den Wirten rauchen nun die Köpfe

Das knappe Scheitern des „Don’t smoke“-Volksbegehrens löst gemischte Gefühle aus.

Im Café Weidinger saßen am Dienstagvormittag ausschließlich Raucher im großzügigen Bereich, der in dem alten Wiener Kaffeehaus für sie vorgesehen ist. Erst Stunden zuvor war das Ergebnis des „Don’t smoke“-Volksbegehrens veröffentlicht worden und es schaut nicht so aus, als müssten die Gäste ihre Zigaretten bald endgültig ausdämpfen.

Das Ziel von 900.0000 Stimmen wurde knapp nicht erreicht. Eine Volksabstimmung dürfte vom Tisch sein. Die Meinungen über die Einführung eines absoluten Rauchverbots gehen aber auseinander. Selbst so manch eingefleischter „Tschicker“ wollte sich mit seiner Stimme gegen die FPÖ stellen und hat das Volksbegehren unterzeichnet.

Gastro unter Druck

Betroffen ist von dem Ergebnis nun vor allem die Gastronomie. Viele Wirte entschieden sich schon vorab freiwillig für ein absolutes Rauchverbot in ihren Lokalen. Anderen blieb aus finanziellen Gründen aber nur die Möglichkeit, sich strikt an die gesetzlichen Richtlinien zu halten, wie der Inhaber des Café Weidinger im KURIER sagt: „Es ist auf jeden Fall beachtlich, wie viele Leute ihre Stimme abgegeben haben. Die Gäste, die wirklich nicht ohne Rauchen auskommen, werden immer weniger. Wir müssen aus wirtschaftlichen Gründen aber weiter rauchen lassen, weil die Umbauten einfach so teuer waren, dass sie sich jetzt erst langsam amortisieren“, sagt Maximilian Weidinger. Laut Angaben der Wirtschaftskammer investierten die Gastronomen seit 2009 rund 100 Millionen Euro, um Nichtraucherbereiche in ihren Lokalen zu installieren.

Kaffeehaus-Gäste, die mit dem KURIER am Dienstag über das Thema sprachen, zeigten sich skeptisch, ob die 18.431 Stimmen, die auf 900.000 fehlten, eine Volksabstimmung tatsächlich vom Tisch kehren werden: „Ich weiß nicht, ob das jetzt das letzte Wort ist. Es ist ja immer sehr überraschend was sich in der österreichischen Politik tut. Ich selbst bin Raucher und habe jetzt noch meine zwei oder drei Kaffeehäuser, in die ich gehen kann, um zur Melange eine Zigarette zu rauchen“, sagt Thomas Szeitz.

Positive Reaktionen

Ein Ort wo Thomas Szeitz ebenfalls rauchen dürfte, wäre das Café Ritter auf der Mariahilfer Straße. Binnen der letzten drei Jahre wurde der Raucherbereich des Traditionscafés aber immer kleiner. Mittlerweile stehen nur noch wenige Tische in einer Nische hinter einer Glaswand. Laut Oberkellner Michael Schneider sind sowohl die Rückmeldungen der Gäste als auch der Angestellten positiv: „Wir haben nicht weniger Kunden und hätten uns eigentlich das absolute Rauchverbot gewünscht. Ich selbst bin Nichtraucher und hoffe, dass es eine Volksabstimmung geben wird.“

Die Opposition sprach sich ebenfalls für ein Votum aus. Die Chancen bleiben aber gering.