Daten ja, Ranking nein: Wiederkehr wird Schul-Bildungsdaten veröffentlichen
1774 führte Königin und Erzherzogin Maria Theresia die allgemeine Schulpflicht ein. Was Schulen seither leisteten, war nie bekannt. Doch ab Herbst 2026 werden erstmals die Bildungsdaten aller rund 5.500 Schulen in Österreich veröffentlicht.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) spricht von einem „riesigen Kultur- und Systemwandel“, denn bisher galt es in Österreich als absolutes Tabu, die Leistungen von Schulen standortgenau zu veröffentlichen.
Am Montag erklärte Wiederkehr seinen Plan – mit einem Schönheitsfehler: Wie die Informationen über die Schuldaten einer Schule konkret aussehen werden, ist noch nicht klar, ebenso wenig wie ein klarer Zeitplan. Wiederkehr kündigte nur an, dass ab Herbst als Erstes die Daten aller Volksschulen veröffentlich werden.
„Fairer Vergleich“
Wer nun fürchtet, dass Schulen öffentlich an den Pranger gestellt werden, irrt. Wiederkehr erteilte detaillierten Tabellen nach britischem Vorbild eine klare Absage, da diese Rankings oft zu negativen Effekten führten. Stattdessen wird es einen „fairen Vergleich“ geben: „Ein Gymnasium in Döbling ist schwer vergleichbar mit einer Mittelschule in Innen-Favoriten“, so der Minister.
Das System funktioniert demnach so: Alle Schulen in Österreich werden anhand objektiver Daten der Statistik Austria in sechs sozioökonomische Kategorien (SÖL 1 bis 6) eingeteilt, wobei Kategorie 6 die beste, Kategorie 1 die schwächste ist.
Diese Kategorien messen ausschließlich Faktoren, die die Schule selbst nicht beeinflussen kann: den Bildungsstand der Eltern, das Haushaltseinkommen, den sozialen Hintergrund sowie Migration und Alltagssprache.
Eltern werden auf der neuen Plattform dann sehen, ob die Schule ihres Kindes bei standardisierten Tests (wie der iKM Plus in Deutsch und Mathematik) im Vergleich zu anderen Schulen mit denselben Herausforderungen überdurchschnittlich, im Mittelfeld oder unterdurchschnittlich abschneidet. Ein einfacher Punktewert pro Schule wird nicht veröffentlicht.
Welche Daten?
Wesentliche Datengrundlage sind etwa die Ergebnisse der „iKM Plus“-Testung: Alle Schüler der 3. und 4. Klasse Volksschule und der 3. und 4. Klasse Unterstufe werden bereits mit diesem standardisierten Test überprüft und gemessen, wie weit sie sich in einem Jahr verbessert haben. (Ergebnisse der Testungen haben keinen Einfluss auf die Schulnoten.) Um auch Oberstufen bewerten zu können, kündigte Wiederkehr an, stattdessen auf die standardisierten Ergebnisse der Zentralmatura zurückgreifen.
Warum dieser drastische Schritt gerade jetzt? Einerseits treibe das neue Informationsfreiheitsgesetz, das die Abkehr vom Amtsgeheimnis besiegelt, die proaktive Veröffentlichung von Daten rechtlich voran, erklärt der Minister. Andererseits will Wiederkehr dem „Flurfunk“ entgegenwirken: Schon jetzt würden Eltern ihre Schulwahl oft auf Basis von „informellem Wissen“ und Gerüchten in Elternnetzwerken treffen, was oft einen „Run“ auf bestimmte Schulen befeuere. Die neuen Daten sollen eine echte, transparente Entscheidungsgrundlage liefern.
Schulentwicklungs-Turbo
Zudem ist Wiederkehr überzeugt, dass die Veröffentlichung als „Motor für die interne Schulentwicklung“ wirken werde: Schulen sollen aus den Daten ablesen können, wo sie stehen, was funktioniert und wo sie nachbessern müssen.
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