"Lebenswelten"-Studie von Jugendlichen: 56 Prozent wünschen sich "starke Hand"
Es ist ein dramatischer Wandel innerhalb von nur wenigen Jahren: Während im Jahr 2020 noch 70 Prozent der heimischen Jugendlichen zufrieden mit der Demokratie waren, sind es aktuell nur mehr 42 Prozent.
Das ist eines der Ergebnisse der großen Jugendstudie „Lebenswelten 2025“, die am Dienstag von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) präsentiert wurde. Dabei wurden mehr als 15.000 Schülerinnen und Schüler der achten bis zwölften Schulstufe, also im Alter von 14 bis 18 Jahren, befragt. Die repräsentative Erhebung wurde bereits zum zweiten Mal von allen 14 Pädagogischen Hochschulen durchgeführt.
Sie liefert durchaus ambivalente Ergebnisse. Ein Überblick.
- Zukunftserwartungen: Hier zeigt sich ein sehr zwiespältiges Bild: 88 Prozent sehen ihre eigene Zukunft positiv (völlig oder eher). Aber nur 33 % blicken zuversichtlich auf die Entwicklung der Gesellschaft.
- Politik und Gesellschaft: Einerseits befürwortet eine große Mehrheit der Befragten demokratische Grundwerte wie Wählen oder Kompromissbereitschaft, andererseits stimmen 56 Prozent der Aussage zu, dass eine „starke Hand“ Ordnung in den Staat bringen sollte. Hoch ist das Vertrauen in die Institutionen Wissenschaft und Bundesheer (jeweils 77 %), niedrig in Parteien (38 Prozent) und Parlament (52 Prozent).
- Werte: Materialistische Orientierungen gewinnen an Bedeutung. So ist der Wunsch nach einem hohen Lebensstandard von 44 % (2020) auf 48 % (2025) gestiegen, ebenso wie das Streben nach Einfluss und Durchsetzung eigener Interessen, letzteres von 22 auf 28 Prozent. Idealistische Werte wie Umweltschutz, Toleranz, Unterstützung Benachteiligter verlieren hingegen leicht an Bedeutung.
- Gesundheit und Wohlbefinden: Hier zeigen sich seit 2020 deutliche Verschlechterungen. Jeder dritte junge Mensch ist dauernd oder oft schlecht gelaunt oder gereizt (36 %), hat Rückenschmerzen (33 %), Kopfschmerzen (31 %) oder Einschlafprobleme (31 %). Insgesamt zeigt sich ein deutlicher Anstieg Jugendlicher mit einer hohen (von 4 % auf 8 %) und mittleren Beschwerdelast (von 50 % auf 63 %). Bei jungen Frauen und diversgeschlechtlichen Jugendlichen haben die Beschwerden besonders stark zugenommen. Generell besonders stark betroffen sind weiterhin Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund.
- Schule: Immerhin etwas mehr als die Hälfte der Befragten geht (sehr) gerne zur Schule und schätzt die eigene Leistung als gut ein. Aber 59 Prozent machen sich Sorgen wegen der Schule. Auch hier sind weibliche (71 %) und diversgeschlechtliche Jugendliche (66 %) überrepräsentiert. 28 Prozent leiden sogar (sehr) oft unter schulbedingten Bauchschmerzen. Andererseits sind die Befragten recht zufrieden mit der Unterrichtsqualität. So können 80 % im Unterricht gut arbeiten.
- Beruf: Im Vergleich zu 2020 wünschen sich die Jugendlichen mehr Freizeit (Anstieg von 57 auf 65 %), ein höheres Einkommen (34 % auf 51 %) und mehr gute Aufstiegsmöglichkeiten (43 % auf 51 %).
„Dass die Zufriedenheit mit der Demokratie so massiv abgenommen hat, muss für uns alle ein Warnsignal sein“, sagt Wiederkehr. "Deshalb ist es so wichtig, dass in den Schulen ein Fokus auf Demokratiebildung gelegt wird.“
Details zur Studie finden Sie hier.
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