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wirtschaft von innen
10/08/2021

Casinos-Affäre: "Das Unternehmen stand am Abgrund"

Im Millionen-Prozess "Sidlo gegen Casinos" wurde der katastrophale Reputationsschaden für den Glücksspielkonzern thematisiert.

von Andrea Hodoschek

Die Casinos-Affäre um die Bestellung des FPÖ-nahen Managers Peter Sidlo zum Finanzvorstand war letztlich der Auslöser der aktuellen Regierungskrise. Aufgrund einer anonymen Anzeige in dieser Causa beschlagnahmte die WKStA auch das Handy von Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid und stellte die desaströsen Chats sicher.

Der im Dezember 2019 vom Aufsichtsrat abberufene und fristlos entlassene Sidlo klagte von den Casinos 2,353 Millionen Euro ein – das wäre seine Gage inklusive Boni bis Vertragsende gewesen. Bei der letzten Verhandlung am Wiener Handelsgericht kam zur Sprache, wie sehr die Affäre den teilstaatlichen Glücksspielkonzern beschädigte.

„Es war eine prekäre Situation für das Unternehmen. Wir waren an einem Punkt angelangt, wo der Aufsichtsrat handeln und entscheiden musste, wie man mit dem Thema Sidlo umgeht“, erinnerte sich Glatz-Kremsner am Freitag vor Gericht. Für jedes Unternehmen seien Image und Reputation wichtig, besonders aber für ein Glücksspielunternehmen. Daher habe sie den Aufsichtsrat zum Handeln aufgefordert.

CASINOS AUSTRIA AG: GLATZ-KREMSNER

Bei einem Management-Meeting zuvor hätten die Direktoren aller Casinos-Betriebe über die „katastrophale Stimmung“ in der Belegschaft geklagt. Darüber, wie belastend es sei, „in einem Unternehmen zu arbeiten, das jeden Tag negativ in den Medien steht“. „Unglaublich herausfordernd“ sei die Situation gewesen, für die Mitarbeiter, besonders für jene, die direkt mit den Kunden zu tun hatten, als auch für sie selbst.

Christian W., seit Kurzem in Pension und damals als Vize-Zentralbetriebsratsvorsitzender im Aufsichtsrat des Casinos-Konzerns (Casag), schildert die Lage noch drastischer. Die Gäste seien ausgeblieben, sagt der ehemalige Croupier, vor allem die hoch spielenden Kunden. Das Unternehmen, so W., „stand am Abgrund seiner ehemaligen guten Reputation. Wir standen mit dem Rücken zur Wand“. Die intensiven Medienberichte hätten aus dem FPÖ-Skandal einen Casinos-Skandal werden lassen und das Unternehmen „in die Schmuddelecke gestellt“. Ordentliche Ergebnisse einzuspielen, sei nicht mehr möglich gewesen.

Früher seien die Casinos eine der wertvollsten Marken in Österreich gewesen, „und dann sind wir total abgestürzt“. Die öffentliche Wahrnehmung hätte auch katastrophale Folgen im Ausland haben können, wo die Casinos mit ihrer internationalen Tochter präsent seien. Etliche Länder würden sehr sensibel auf Korruptionsverdacht reagieren und hätten Lizenzen entziehen können. Daher habe er im Aufsichtsrat die Abberufung von Sidlo eingefordert, nicht aber die Entlassung.

Zur Klarstellung: Sidlo wird nicht Korruption vorgeworfen. Die WKStA vermutet, dass es bei der Bestellung von Sidlo zwischen der FPÖ und dem Novomatic-Konzern (damals an den Casinos beteiligt) einen Deal gegeben habe. Er betreibe keine Schuldzuweisung gegen Sidlo, betonte der Ex-Betriebsrat denn auch. Die Bestellung sei, aus damaliger Sicht, völlig korrekt abgelaufen. Glatz-Kremsner erklärte, von etwaigen politischen Absprachen zur Bestellung von Sidlo habe sie nichts gewusst, auch nicht, wer sich für ihn eingesetzt habe.

VERHANDLUNG SIDLO GEGEN CASINOS: SIDLO

Die einschränkende Bewertung von Sidlo durch den Personalberater Zehnder habe für ihn als Aufsichtsrat keine Rolle gespielt, sagte W. Sidlo habe beim Hearing überzeugt. Von Headhuntern scheint der ehemalige Aufsichtsrat grundsätzlich nicht sonderlich viel zu halten. So sei Ex-Casinos-Chef Alexander Labak vom Personalberater „höchst gelobt“ worden, dessen mediales Auftreten sei aber eine Katastrophe gewesen, weshalb der Vertrag nicht verlängert worden sei.

Die Versuche der Casag, dem negativen Image gegenzusteuern, „sind nicht wirklich gelungen“, sagte Glatz-Kremsner über die Kommunikationsmaßnahmen gegenüber den Mitarbeitern und nach außen. Es wäre sehr hilfreich gewesen, wenn ihr Sidlo über die Chats berichtet hätte, bevor sie medial aufpoppten. „Hätten wir davon früher gewusst, hätten wir die Reißleine ziehen können“, sagte der Ex-Aufsichtsrat.

Maßgeblich für den Ausgang dieses Verfahrens ist die Frage, ob Sidlo dem Aufsichtsrat wichtige Informationen vorenthalten hat, was er bestreitet. Er argumentiert, dass ihm keine Vereinbarungen zwischen FPÖ und Novomatic bekannt gewesen seien. Die Casinos sind gegenteiliger Meinung und berufen sich auf die Chats.

Die Frage der Richterin nach einer Einigung lehnten sowohl Sidlo als auch Casinos-Anwälte zwar nicht grundsätzlich ab, waren aber am Freitag nicht dazu bereit.

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