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Politik Inland
11/12/2021

Covid-Krise: Drei Gründe, warum derzeit die Intensivpfleger fehlen

Bessere Bezahlung ist nur eine von vielen Ideen, wie man den Job wieder attraktiver machen könnte.

Mit Pech ist es am 24. November so weit: Laut Berechnungen des Covid-19-Prognose-Konsortiums droht an diesem Tag die neuralgische Grenze in den Intensivstationen überschritten zu werden, sprich: jeder dritte Intensivpatient könnte an diesem Tag ein Covid-19-Fall sein. Als wäre das nicht problematisch genug, fehlen an den Intensivstationen schon jetzt Mitarbeiter. Mancherorts müssen 20 bis 30 Prozent der Betten gesperrt werden, weil nicht genug Intensivpfleger vorhanden sind. Was sind die Gründe?

1. Es fehlt an Personal und Geld

„Wesentlich wäre, das Personal aufzustocken und den Beruf finanziell aufzuwerten“, sagt Angelika Koncz vom Berufsverband der Intensivpfleger. In den Pflegeberufen und damit natürlich auch im Intensivbereich seien Mitarbeiter „so gestrickt, dass es keine Dienste gibt, die nicht besetzt werden – die Patienten brauchen ja Betreuung“. Das bedeute angesichts der niedrigen Personalstände aber, dass man öfter an freien Tagen einspringen muss. „Auf Dauer brennt man sich aus, weil die Arbeit körperlich und mental extrem fordernd ist, und weil Wochenend- und Nachtdienste zusätzlich belasten.“

Uta Gaidys leitet das Department für Pflegewissenschaften an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Laut einschlägigen Studien ist das Verhältnis zwischen Pflegekräften und Patienten dann ideal, wenn in Intensivstationen nicht mehr als drei zu Pflegende auf einen Mitarbeiter kommen. „Die Schweiz schafft das“, sagt Gaidys. „In Deutschland und Österreich schaffen wir es leider nicht – dementsprechend negativ wirkt sich das auf die Motivation aus.“

2. Es fehlt die Mitsprache

Abgesehen von Personal und Geld mangelt es an der „zugeschriebenen Entscheidungskompetenz“. Was ist damit gemeint? Pfleger wollen bei der Versorgung von Patienten auf Augenhöhe mitreden dürfen. „Wenn man als hoch qualifizierter Mitarbeiter bei der Behandlung zwar immer dabei ist, bei zentralen Fragen wie etwa der Verlegung eines Patienten aber strukturell überhaupt nichts zu sagen hat, dann frustriert das auf Dauer“, sagt Expertin Gaidys. Das wiederum führe dazu, dass erfahrene Pflegekräfte schnell aus dem Job ausscheiden und junge Menschen abgeschreckt werden.

3. Es fehlt die Perspektive

Im schlimmsten Fall ist Intensivpflege Knochenarbeit: Patienten haben mehrere Krankheiten gleichzeitig, sie müssen viele, miteinander interagierende Medikamente bekommen, sie müssen gewaschen und gewendet werden, und Entscheidungen sind schnell – und im Idealfall richtig – zu treffen. Alles andere kann den Tod eines Menschen bedeuten. „Die Arbeit auf Intensivstationen ist ein Job für Spezialisten“, sagt der Mediziner und Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom IHS.

Für ihn steht außer Frage, dass man diesen Stress-Job nicht zwangsläufig über Jahrzehnte ausüben kann und will. „Es braucht Karriere-, Aus- und Aufstiegsmodelle – aber die fehlen oft.“ Konkret schlägt der IHS-Experte vor, dass es für Intensivpersonal konkretere Karrierewege gibt. „Wenn Intensivpfleger wissen, dass sie später aus dem Spital hinauswechseln und mit etwas weniger Druck zum Beispiel als Community Nurse ihre weitergeben können, dann hilft das, die Motivation aufrecht zu erhalten.“

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