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Politik Inland
10/12/2020

Corona: Werden Gesichtsschilde verboten?

Die Infektionszahlen machen der Regierung Sorgen, man sieht Wintertourismus und Weihnachtsgeschäft in Gefahr. Abhilfe könnten Verschärfungen bei Masken und Sperrstunde bringen.

von Christian Böhmer

„Ab Dienstag gibt’s nur noch ein Thema: Corona.“ Wer in den vergangenen Tagen mit Vertrauten von Kanzler und Vizekanzler sprach, der bekam bei der Frage nach der Wien-Wahl oder dem Budget meist dieselbe Antwort: Corona ist viel wichtiger.

Das klingt seltsam – und doch ist es so. Denn abgesehen davon, dass das am Mittwoch im Parlament vorgelegte Budget pandemiebedingt ein Rekorddefizit aufweist, ist koalitionsintern Covid-19 derzeit wieder das Thema.

„Die Zahlen sollten längst sinken, aber sie tun es nicht, auch nicht am Wochenende“, sagt ein türkiser Stratege.

Für die Regierungsspitze war das Anlass, am Montag das weitere Vorgehen in Sachen Pandemie zu beraten.

Den viel zitierten „Lockdown“ soll und kann es jetzt nicht geben. Weil ihn weder ÖVP noch Grüne wollen; und weil er rechtlich schwer machbar ist – immerhin müsste das Parlament befasst werden, und die Spitäler müssten nachweislich vor dem Kollaps stehen. So will es das Gesetz.

Unwidersprochen und damit realistisch erschien derweil, dass es zu weiteren Verschärfungen kommt. Offiziell wollten weder der Kanzler noch der Vizekanzler etwas dazu sagen.

Laut dem KURIER vorliegenden Informationen wird intern aber darüber gesprochen, ob beim Mund-Nasen-Schutz eine landesweite Vereinheitlichung Sinn macht.

Die vor allem in Dienstleistungs- und Gastronomiebetrieben geläufigen Mund- und Gesichtsschilder sind ein unzureichender Schutz gegen Aerosole. Ein österreichweiter Wechsel auf (medizinische) Gesichtsmasken erscheint daher zumindest überlegenswert.

Ebenfalls kolportiert wird in Regierungskreisen das Forcieren von regional vorverlegten Sperrstunden.

Als Vorbild wird von grüner Seite gern der Salzburger Landeshauptmann genannt. Weil im Tennengau die Infektionszahlen aus dem Ruder gelaufen sind, hat Wilfried Haslauer ein völliges Veranstaltungsverbot verfügt. In Kuchl wurde die Sperrstunde gleich auf 17 Uhr vorverlegt.

In der Bundesregierung – und hier vor allem in der türkisen Reichshälfte – ist man freilich nicht ganz sicher, ob flächendeckende Sanktionen nicht besser wären.

Das Motiv dahinter hat der Kanzler zuletzt am Sonntag ganz offen formuliert: „Mit steigenden Corona-Zahlen gibt es Reisewarnungen – und das vernichtet Arbeitsplätze.“

Das ist eine der größten Sorgen der Türkisen: dass die anhaltend hohen Infektionszahlen das Weihnachtsgeschäft und den Wintertourismus in ungeahntem Ausmaß lahmlegen.

Herbstferien bleiben

Mitunter wird deshalb auch die Verlängerung der Herbstferien als Gegenmittel ins Spiel gebracht.

Hier hat sich allerdings Bildungsminister Heinz Faßmann am Montag deutlich festgelegt: Er lehnt die flächendeckende Schulschließung ab und hält sie aus vielerlei Gründen für unklug. Der Minister sinngemäß: Eine flächendeckende Schließung koste Ausbildungszeit und Zukunftschancen; sie verunmögliche den Eltern von jüngeren Kindern das Arbeiten (Stichwort: Homeschooling). Vor allem aber widerspreche eine Schulschließung bzw. Verlängerung der Ferien den Fakten: Denn was die Cluster-Analysen angeht, sind nicht Schulen, sondern vor allem die Privatpartys das Problem.

Zum Vergleich: Von den 430 in der Kalenderwoche 40 analysierten Clustern sind 32 auf Arbeitskontakte, 17 auf die Gastronomie und nur 14 auf Schulen zurückzuführen. Demgegenüber haben private Feiern und Ansteckungen in Haushalten mehr als 300 Cluster erzeugt.

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