Der ehemalige Hypo-Mitarbeiter Bojan Grilc am Mittwoch im U-Ausschuss.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Hypo-U-Ausschuss
06/10/2015

Consultants-Verkauf war eine Riesen-Sauerei

NEOS-Mandatar Hable rüffelte die Justiz, weil sie im Fall der Hypo-Immo-Holding nicht ermittelt habe.

von Maria Kern

Im Hypo-Untersuchungsausschuss wurde heute ein Sittenbild von der Kärntner Pleitebank und den handelnden Personen gezeichnet. Es gab auch kabarettreife Dialoge, als es um die Verbrennungen von Unterlagen und Szenen einer Ehe ging. Und einmal mehr wurde aufgezeigt, dass es immer wieder Hinweise auf Mängel und Risken gegeben hat, aber nicht die nötigen Konsequenzen gezogen wurden.

Kein Controlling

Als Zeugen geladen waren heute der ehemalige Chef-Controller der Hypo-Consultants-Gruppe und spätere Controlling-Chef in der Landesholding, Bojan Grilc, sowie der langjährige Chef der Internen Revision in der Hypo, Hans-Dieter Kerstnig. Ein Thema, das eingehend behandelt wurde, waren die Vorkommnisse rund um die Hypo-Consultants, die Beteiligungsholding der Hypogruppe. Die befasste sich mit den Immobillienprojekten der Hypo, die teils den Bach hinuntergingen und enormen Schaden hinterließen. Als Bojan Grilc im Mai 2005 „Head of Controlling“ in der Hypo Consultants Holding wurde, habe es „keinen Ordner und keine Zahlen“ zu den rund 130 Projekten (Grundstücke/Immobilien) gegeben. Nur „alle drei Monate sei ein Zettel gekommen“. Er habe dann versucht, das „Beteiligungsmanagement umzustellen“.

"Interne Revision keinen Stellenwert"

„Die Interne Revision der Hypo“, also die Kontrollore aus der Bank, hätten „keinen Stellenwert“ gehabt. "Die Interne Revision sei "eine Stunde da gewesen, hat Unterlagen bekommen, aber Rückmeldungen hat es keine gegeben." Zeuge Kerstnig wies das später zurück: „Das ist die Meinung von Herrn Grilc“. Tatsächlich hat die Interne Revision mitunter Mängel festgestellt, etwa 2002. Es gab aber keine Konsequenzen. ÖVP-Fraktionsführerin Gabriele Tamandl kam zum Schluss: "Die Interne Revision war völlig zahnlos, weil sich die Vorstände nichts gepfiffen haben". Die Berichte seien "in der Rundablage" gelandet. Kerstnig: "Überschätzen sie das System einer Revision nicht."

"Nicht die allerwertesten Leute"

Zurück zu Grilc: Dieser verließ die Consultantsgruppe bereits nach etwa einem Jahr, im Herbst 2006,– und heuerte bei einer Firma von Ex-Hypo-Vorstand Günter Striedinger namens Rubicon an. Er sei weggegangen, weil die Consultants verkauft wurde, berichtete Grilc. Die Rubicon wollte die Consultants erwerben, den Zuschlag bekam letztlich aber eine kroatische Firma namens Auctor, die einem kroatischen Ex-Hypo-Manager gehört. Die Chuzpe am Verkauf der Consultants war aus der Sicht von Neos-Mann Rainer Hable und dem Grün-Abgeordneten Werner Kogler, dass die Consultants um 62 Millionen Euro verkauft wurde ("zu billig", Hable), die faulen Kredite in Höhe von 225 Millionen Euro aber bei der Hypo blieben. Schier unglaublich ist, dass die Hypo noch dazu dem Käufer einen Kredit für den Erwerb der Consultants gab. Letztlich sei dem Steuerzahler ein Schaden von 184 Millionen Euro geblieben, sagt Kogler.

"Kirschen herausgepickt"

Der Verkauf sei unter dem Projektnamen „Cherry“ gelaufen, berichtete Hable. Der Käufer, laut Hable „eine Gruppe von Insidern“, habe sich eben die „Kirschen herausgepickt. Das ganze ist eine Riesensauerei.“ Denn 2011 sei der Fall bereits bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden, es sei aber nie ermittelt worden. „Ich frage mich, schläft die Justiz?“ ÖVP-Mandatarin Brigitte Jank ergänzte: „Ich kann mich dem nur anschließen.“ Zeuge Grilc sagte, er habe von dem Verkaufsprozess „nichts mitbekommen“, obwohl er bei der Rubicon tätig war. Die habe er bald wieder verlassen. "Warum?", fragte Team-Stronach-Mann Lugar: Es seien „enorme Gelder geflossen, aber es wurde nichts produziert. Da wurde Geld im Kreis geschickt. Damit bin ich nicht klargekommen“, antwortete der Zeuge, der also Verdacht hatte, dass es um Geldwäsche ging (es gilt die Unschuldsvermutung). Es wundere ihn auch, dass Striedinger noch am Leben sei, sagte Grilc. „Die Geschäftspartner, die er hatte, waren nicht die Allerwertesten.“ Da seien auch Mörder darunter gewesen und welche, die im Krieg gewesen sein, "aber das ist eine andere Geschichte.“

Warnungen wurden ignoriert

Grilc dockte danach als Controller bei der Kärntner Landesholding an. Er habe „immer wieder gesagt, dass die faulen Kredite zirka 10 bis 15 Milliarden Euro wiegen.“ Darauf und auf nötige Kapitalerhöhungen habe er hingewiesen, aber die Landesholding-Vorstände hätten nicht darauf reagiert. „Meine Meinung wurde nicht angenommen.“

Unterlagen verbrannt

Grilc machte auch noch mit einer weiteren Aussage aufmerksam. Er habe Unterlagen in seiner Consultants-Zeit samt persönlichen Erläuterungen zu Hause erstellt. 2011 habe er diese Papiere jemandem aus dem Hypo-Umfeld angeboten, schließlich habe er sie aber verbrannt. „Warum?“, wollte Team-Stronach-Mann Robert Lugar wissen. Der Zeuge antwortet: „Weil die Unterlagen niemand haben wollte, und ich sie auch nicht mehr gebraucht habe. Meine Frau hat mich gefragt, ob ich wahnsinnig bin.“ Lugar antwortet: „Da bin ich auf einer Wellenlänge mit ihrer Frau.“ Gelächter im Saal.

Zeitverschwendung

Vor der ersten Zeugenbefragung gab es noch ein kleines Geplänkel um die Sinnhaftigkeit der Ladung gewisser Zeugen. Stronach-Mann Robert Lugar sprach davon, dass die Befragung der aktuellen Auskunftspersonen „reine Zeitverschwendung“ sei. Er wolle keinen „Technokraten“, sondern Leute wie Ex-Kanzler Schüssel befragen. FPÖ-Mann Elmar Podgorschek meinte, dass man sich „in Details“ verzettele. „Gewisse Vorkommnisse sollten die Gerichte klären.“ SPÖ-Fraktionsführer Kai Jan Krainer entgegnete, es habe eben jede Fraktion einen unterschiedlichen Fokus. Seiner sei es, zu untersuchen, wie die Aufsicht funktioniert habe.

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