© Cobra/BMI

Politik Inland
03/12/2020

Cobra in Griechenland: Vermummter Einsatz im Grenzland

Seit Dienstag sind 13 Cobra-Beamte am Hotspot Kastanies im Einsatz. Hier sitzen 6.000 Flüchtlinge fest. Wie die Spezialeinheit mit Drohnen auf Flüchtlingssuche geht.

von Ida Metzger

Das Szenario mutet martialisch an. Komplett vermummt, ausgerüstet mit Sturmgewehren, fahren sie mit dem gepanzerten Survivor-Fahrzeug Patrouille entlang der griechisch-türkischen Grenze. Der Auftrag ist klar: den zwölf Kilometer langen Grenzzaun sichern. Menschenansammlungen ausfindig machen, keine Flüchtlinge auf EU-Gebiet durchlassen.

Seit Dienstagabend sind 13 österreichische Cobra-Beamte am Hotspot Kastanies an der griechisch-türkischen Grenze im Einsatz. Seit Recep Tayyip Erdoğan vor zwölf Tagen die Grenzen öffnete, warten hier rund 6.000 Flüchtlinge auf ihre Chance, auf EU-Territorium zu gelangen.

„Die Lage hat sich derzeit beruhigt“, schildert Cobra-Major Johann R. Trotz der Entspannung kommt Tränengas zum Einsatz. Allerdings werden dieser Tage die Tränen- und Rauchgasgranaten von türkischer Seite in Richtung der griechischen Polizei geschossen. Immer wieder finden die Spezialeinheiten Granaten mit türkischer Aufschrift.

Ein Hinweis, dass türkische Milizen die Flüchtlinge mit Tränengas versorgen. „Wir sind deswegen mit Atemschutzmasken unterwegs“, so der Cobra-Einsatzleiter. Die rund 6.000 Flüchtlinge sitzen im Grenzgebiet fest, denn auch die Türken lassen sie nicht mehr zurück.

Wie kann die österreichische Cobra in dieser verfahrenen Situation die griechischen Kollegen unterstützen? „Wir sind mit zwei Drohnen ausgestattet, um jene Orte zu finden, wo die Flüchtlinge die Grenze überwinden wollen“, schildert Major R.

Grenzbericht in Echtzeit

Überwinden ist der richtige Ausdruck, denn der Zaun entlang der EU-Außengrenze ist kein „Türl mit Seitenteilen“ (© Werner Faymann) wie er 2015 in der Südsteiermark errichtet wurde, sondern Stacheldrahtzaun.

Für Österreich sind die Cobra-Beamten in Griechenland noch aus einem weiteren Grund extrem wertvoll. „Sie können uns in Echtzeit einen Lagebericht geben. Das verschafft uns einen Informationsvorsprung, wie sich die Situation in Griechenland entwickelt“, erklärt Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Für 14 Tage ist der Einsatz vorerst geplant. Wenn Ende März eine Verlängerung notwendig ist, wird eine neue Cobra-Spezialeinheit nach Griechenland entsendet.

Es sind gemischte Patrouillen, die aus der griechischen Spezialeinheit und den österreichischen Cobra-Beamten bestehen, die die Grenze sichern. „Den gepanzerten Einsatzwagen brauchen wir, um vor Steinwurf und Geschossen geschützt zu sein. Dass Schüsse von der Gegenseite fallen, davon gehen wir nicht aus“, erklärt der Cobra-Major.

Schüsse bei Notwehr

Was passiert, wenn es doch zu Gewaltszenen kommt? Seit einigen Tagen werfen sich Griechenland und die Türkei gegenseitig Gewaltmissbrauch vor. Das Klima zwischen Athen und Ankara ist wegen der Flüchtlingskrise am Grenzfluss Evros extrem angespannt. Erdoğan schreckt nicht davor zurück, den Griechen Nazi-Methoden vorzuwerfen.

„Wenn wir in eine Notwehrlage kommen, dann dürfen wir uns gegen die Attacke wehren. Zuerst aber mit dem gelindesten Mittel, etwa mit Körperkraft. Erst wenn das nicht reicht, dann dürfen wir zur Waffe greifen. Wir müssen nach dem österreichischen Waffengebrauchsgesetz handeln“, erklärt der Cobra-Einsatzleiter.

Es ist also ein brisanter Grenzgang auch für die österreichischen Cobra-Beamten, wie sie gegen die Flüchtlinge vorgehen. Leichte Mission wird das jedenfalls keine für die Österreicher – vor allem wenn die griechischen Polizisten wieder Tränengas einsetzen werden.

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