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Politik Inland
12/31/2019

Christine Aschbacher neue türkise Arbeits- und Familienministerin

Wie der KURIER aus ÖVP-Kreisen erfuhr, soll eine Grazer Unternehmerin das türkise Regierungsteam als sechste Frau ergänzen.

von Daniela Kittner

Die ÖVP hat in den Regierungsverhandlungen mit den Grünen vom Sozialministerium den Arbeitsmarkt abgespalten. Sofort gab es Kritik, dass die Arbeitsmarktkompetenzen dem Wirtschaftsministerium zugeschlagen würden. Dem dürfte aber nicht so sein.

Wie der KURIER aus ÖVP-Kreisen erfuhr, wird es ein eigenes Arbeits- und Familienministerium geben. Es soll an die Steirerin Christine Aschbacher gehen. Die Grazerin ist Unternehmerin im Consultingbereich.

Frauen stellen Mehrheit

Aschbacher ist eine weitere Überraschung im türkis-grünen Personalpoker. Die 36-Jährige reiht sich ein in die Riege der weiblichen Personalentscheidungen, die bisher bekannt geworden sind: Susanne Raab (ÖVP) als Integrationsministerin, Karoline Edtstadler (ÖVP) als Europaministerin und Leonore Gewessler (Grüne) als Umweltministerin. Auch die als Verteidigungsministerin hoch gehandelte Klaudia Tanner (ÖVP) wurde von der Partei bisher nicht dementiert, ebenso wenig wie Elisabeth Köstinger (ÖVP) als Landwirtschaftsministerin und Margarete Schramböck (ÖVP) als Wirtschaftsministerin. Damit stellen Frauen einen großen Teil des künftigen Regierungsteams, im türkisen Lager sogar die Mehrheit.

Mit Regierungspolitik hatte Aschbacher, die einer ÖVP-Familie in Wundschuh bei Graz entstammt, schon vor ihrer Ministerinwerdung Kontakt. Ihre Biographie weist eine Station im Wirtschaftsressort im Kabinett des Ressortchefs Reinhold Mitterlehner sowie eine im Finanzressort unter Maria Fekter (beide ÖVP) auf.

Die aktuelle Ministerliste

Gernot Blümel ist als Finanzminister fix.

Karl Nehammer wird Innenminister. 

Klaudia Tanner hat beste Karten, als erste Frau die Landesverteidigung zu übernehmen.

Karoline Edtstadler wird wohl Kanzleramtsministerin.

Elisabeth Köstinger dürfte als Landwirtschaftsministerin verlängert werden

Margarete Schramböck bleibt Wirtschaftsministerin.

Heinz Faßmann soll als Bildungsminister zurückgeholt werden.

Neu im Kabinett Kurz: Christine Aschbacher wird Arbeits- und Familienministerin.

Unklar ist noch, welche Kompetenzen Vizekanzler Werner Kogler bekommt.

Bereits bestätigt: Ex-Global 2000-Geschäftsführerin Leonore Gewessler ist als Umwelt-, Verkehrs- und Energieministerin gesetzt.

Ebenfalls fix: Das Justizministerium wird die Wirtschaftsanwältin Alma Zadic für die Grünen übernehmen.

Das Mammutministerium Soziales könnte an die Salzburgerin Astrid Rössler gehen.

Auch der Oberösterreicher Rudolf Anschober könnte Sozialminister werden.

Offen ist noch die Frage, ob Eva Blimlinger tatsächlich - wie immer wieder kolportiert - Kulturministerin wird. Auch die Rolle von Josef Meichenitsch, der als Staatssekretär im Finanzministerium gehandelt wird, ist weiterhin unklar. 

Unklar ist auch noch, ob Alexander Schallenberg auf ÖVP-Ticket Außenminister bleibt. Er wäre damit der einzige, der sich den Weg von der Übergangsregierung in das Kabinett Kurz gefunden hat. 

Im Beratungsbusiness

Ansonsten ist Aschbacher ein eher unbeschriebenes Blatt. Parteipolitische Tätigkeiten finden sich in ihrer Vita nicht. Studiert hat sie an der FH Wiener Neustadt. Während ihrer Ausbildung baute sie mit das Netzwerk "Bildungsmentoring" für Schüler und Studierende auf. Sie selbst wurde von der früheren ORF-Journalistin und Lebensmittel-Werberin Regina Preloznik unterstützt.

Über etliche Jahre war die dreifache Mutter im Beratungsbusiness tätig. Zuletzt betrieb die 36-Jährige die Agentur "Aschbacher Advisory".

Ein bloß symbolträchtiges Ressort für Familie und Jugend ist es nicht, was der Neo-Ministerin übergeben wird. Mit dem AMS-Budget hat sie künftig ein wirkungsvolles Lenkungsinstrument in der Hand. Ob die Trennung von Sozialem und Arbeit zu Reibereien mit der Grünen Ressortleitung im Sozialministerium führt, wird wohl vom Geschick der handelnden Personen abhängen. Denn dass es gerade in diesem Bereich divergierende Positionen zwischen den beiden Parteien gibt, ist evident.