Politik | Inland
22.09.2017

Kanzler Kern an Fellner-Zeitung: "Habt's mich gern"

In der Reihe der KURIER-Gespräche stellte sich diesmal Bundeskanzler Christian Kern den Fragen von Helmut Brandstätter. Einen TV-Termin mit der Tageszeitung "Österreich" habe er abgesagt, sagte Kern.

Wie sieht das Steuermodell der SPÖ aus, wie sicher sind die Pensionen und überhaupt: Wie will er die Wahl am 15. Oktober eigentlich gewinnen?

Beim großen KURIER-Gespräch heute, Freitag, stand Bundeskanzler Christian Kern Herausgeber Helmut Brandstätter Rede und Antwort.

Kurzfristige Absage an "Österreich"

Gleich zu Beginn wurde Kern gefragt, wie er mit der Diskussion um verschiedene Papiere im Wahlkampf umgehe. Kern wandte sich gegen Berichterstattung auf "persönlicher Ebene", die jüngsten Berichte über interne SPÖ-E-Mails bezeichnet er als Grenzüberschreitungen, wo man irgendwann Konsequenzen ziehen müsse. So etwas sei in Österreich selbst in Wahlkampfzeiten selten zu beobachten.

Als Konsequenz habe Kern einen TV-Termin mit einem "bekannten Blatt mit einem irreführenden Namen" abgesagt. Gemeint ist, wie dem KURIER bestätigt wurde, die Zeitung Österreich.

"Man muss sich nicht alles gefallen lassen", sagte Kern. Und erläuterte: "Ich bin ja nicht in die Politik gegangen, weil ich den Sessel will, sondern möchte das Land verändern. Wenn jemand glaubt, dass man das mit Schmutz und Dreck gestalten muss, wenn das Medien noch verstärken und solche Kampagnen führen, dann sag ich: 'OK, aber habt's mich gern!'"

Kern hätte heute um 21.30 Uhr mit Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner in dessen Online-TV diskutieren sollen, wie unter anderem in doppelseitigen Anzeigen angekündigt wurde. Dort hätte Kern "zum peinlichen Psychogramm über ihn" Stellung beziehen sollen, schrieb Österreich noch heute Früh.

Nun sagte Kern aber im KURIER-Gespräch: "Politik bedeutet für mich, dass man mit Anstand und Ehre miteinander umgeht. Und wo das nicht der Fall ist, bin ich nicht mehr bereit, das zu tolerieren".

Sachthemen

Die Kritik am Boulevard oder an den Fouls des Wahlkampfes spielten aber nur am Beginn eine Rolle. Der Großteil der mehr als einstündigen Fragestunde mit den KURIER-Lesern stand ihm Zeichen von Sachthemen.

Die Veranstaltung aus dem Raiffeisen Forum können Sie hier noch einmal als Video sehen oder in unserem Ticker nachlesen.

Kanzler Kern an Fellner-Zeitung: "Habt's mich gern"

  • 12:21

    Ein Termin für das KURIER-Gespräch mit Sebastian Kurz werde noch bekannt gegeben, sagt Helmut Brandstätter. Also dranbleiben! Wir verabschieden uns vom heutigen KURIER-Gespräch, dass sie sich natürlich auf kurier.at in voller Länge ansehen können (siehe oben).

  • 12:20

    Brandstätter verabschiedet sich vom Publikum und freut sich, dass bei der heutigen Diskussion die Worte aus seinem heutigen "Weckruf"-Newsletter "wahr geworden" seien.

    Da schrieb er: "Diese Gespräche sind die Stunde der KURIER-Leser. Auf die bin ich regelmäßig stolz, weil sie immer klar, aber nie beleidigend fragen. Da fragen besorgte Bürger, keine Partei-Jünger."

  • 12:18

    KURIER-Herausgeber Helmut Brandstätter verweist, an Kerns Erzählung anschließend, auf die Ungerechtigkeit, dass Kindergarten-Betreuer viel zu wenig verdienen würden.

    "Wer auf unsere Kinder aufpasst, sollte mehr verdienen", sagt Brandstätter.

    Kern stimmt zu, sagt aber, dass die Betreuung auch gerne ganztags erfolgen müsse, damit Frauen entlastet werden.

  • 12:17

    Kern spricht von der "Anekdote des Tages": Bei der Präsentation der neuen SPÖ-Plakate sei ihm heute jene "kleine Maus", die auch auf den Plakaten zu sehen ist "nicht mehr vom Pelz" gewichen. Das Spielen mit den Kindern im Kreisky Forum habe "richtig Spaß gemacht", sagt Kern, der sich offenbar im Wahlkampf auch nach Leichtigkeit sehnt.

  • 12:15

    Der Erste werde das Mandat für Regierungsverhandlungen bekommen. "Wenn wir die ersten werden, werden wir einen Partner suchen. Die Blauen sind für uns sicher nicht die erste Adresse", sagt Kern.

    "Aber die Zweite?" fragt Brandstätter.

    "Auch die dritte, vierte und fünfte Adresse nicht", sagt Kern. Dennoch wolle man die FPÖ nicht von vornherein ausschließen, damit sie sich nicht in den Schmollwinkel stellen könne, sagt Kern.

  • 12:13

    Abschließend die Koalitionsfrage. Kern sagt, er wolle was weiterbringen und nach der Wahl einen Partner dafür suchen.

    Was laut Kern schwierig sei, weil sich ÖVP und FPÖ im Wirtschaftsbereicht bei der Entlastung der Unternehmer einig seien.

  • 12:11

    Wenn diese Themen so wichtig seien, warum können die Sozialdemokraten das nicht in Wahlerfolge ummünzen, fragt Helmut Brandstätter.

    Kern sieht den Hauptgrund darin, dass die Parteien rechts der Mitte auf alle sozialen Fragen mit dem Flüchtlingsthema antworten. Diese Dynamik schade den Parteien links der Mitte.

  • 12:09

    Eine Zuschauerfrage beschäftigte sich mit den schlechten Zeiten für die Sozialdemokratie in Europa. Kern stellt in seiner Antwort die sehr Reichen dem zunehmend kämpfenden Mittelstand gegenüber. Das seien große Themen für sozialdemokratische Parteien.

  • 12:08

    Kern kritisiert die Visegrad-Staaten in der EU wegen ihres Verhaltens in der Flüchtlingsfrage, außerdem Irland wegen der Steuerpolitik gegenüber Konzernen wie Apple und Polen im Speziellen wegen der Aushöhlung demokratischer Mindeststandards.

  • 12:06

    Unser Übertragung nähert sich dem Ende. Die Zuschauer im Raiffeisen Forum stellen die letzten Fragen.

  • 12:03

    Als Positivbeispiel politischer Berichterstattung nennt Kern die KURIER-Serie über Zukunftsfragen der Politik.

  • 12:04

    Geringere EU-Förderungen würden auch die heimische Landwirtschaft treffen, sagt Kern - adressiert an Leute, die weniger Europa wollen.

  • 12:02

    Thema Brexit: Wenn 14 Milliarden an Zahlungen von Großbritannien jährlich ausbleiben, könne man das nicht nur mit einer EU-Reform zurückholen, sagt Kern. Denn die gesamten Verwaltungskosten Brüssels würden nur acht Milliarden Euro ausmachen.

  • 12:00

    Brandstätter weist darauf hin, dass in Österreich viel zu viel Geld in Gratiszeitungen gesteckt werde.

  • 12:00

    Wenn er ein Pizza-Video mache, müsse doch jedem klar sein, dass das nur gestellt sein kann, sagt Kern. Warum sollte der Bundeskanzler auch Pizza austragen gehen.

  • 11:57

    Kern spricht von einer "Populismus-Spirale" im Komplex Politik und Medien. In Deutschland werde nüchterner diskutiert, bei uns werde "jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben".

  • 11:56

    Ein offenbar wohlwollender Zuschauer fragt Kern, ob er ein Fußballer war, und wenn ja, ob "Techniker oder Offensivspieler". Er rate ihm jedenfalls, das Wort Opposition nicht mehr in den Mund zu nehmen.

    Kern antwortet, er sei "leidenschaftlicher Kicker gewesen mit mangelhaftem Talent".

  • 11:54

    Kern brandmarkt bewusst den Islamismus, der in die in unserer demokratischen Kultur verankerten Errungenschaften umkehren will.

  • 11:48

    Eine Dame im Publikum erklärt, wie "lächerlich" sie es finde, dass die Flüchtlingsthematik immer zum wichtigsten Problem in Österreich hochstilisiert werde.

  • 11:46

    Islamische Kindergärten müssten dann geschlossen werden, wenn klare Verfehlungen festgestellt werden, sagt Kern. Dahingehend werde in Wien bereits verstärkt kontrolliert.

    Für diese Sätze bekommt Kern erstmals Applaus.