Vizeleutnant Falak-Eismayer: "Ich hätte eine Regenbogenfahne in der Kaserne aufgehängt"
„Die ersten zehn Minuten seid ihr im Überlebensmodus. Da sind die Doggies sehr aufgeregt“, lässt Mario Falak-Eismayer den KURIER vor dem Wiedersehen nach zwölf Jahren wissen.
Vor Ort in Ungarn, knapp zwei Autostunden von Wien entfernt, hört man sie erst hinter dem Tor bellen, die Krallen gegen das Metall schlagen, ehe die Tür im Tor aufgeht und sie vor dem Besuch stehen, auf ihn springen, ihn kennenlernen und gleich spielen wollen: Acht Mischlingshunde (Malinois/Beauceron) heißen die Gäste willkommen, bevor die Besitzer zu Wort kommen.
Platz für die Mischlingshunde (Malinois/Beauceron) gibt es auf den 8.000 Quadratmetern ebenso wie für Schafe, Hühner und Pfaue.
Charles Eismayer (69), Vizeleutnant und Ausbildner beim Gardebataillon, lebt jahrelang ein Doppelleben, ehe er sich outet. Die Verpartnerung mit Major Mario Falak (46) – sie heiraten 2014 in Gala-Uniform in der Maria-Theresien-Kaserne – sorgt für Schlagzeilen. Der KURIER trifft die beiden erstmals zum Interview. 2022 verfilmt David Wagner „Eismayer“.
Später werden Charles und Mario Falak-Eismayer erzählen, dass sie nach ihrer Verpartnerung 2014 in der Maria-Theresien-Kaserne über Adoption nachdachten, doch als Charles an Krebs erkrankte, sie sich für Ungarn statt Österreich als Lebensmittelpunkt und gegen Kinder, dafür für viele Hunde entschieden.
"Eismayer" von David Wagner
Charles Falak-Eismayer, Vizeleutnant und der Legende nach einst härtester Ausbildner des Bundesheeres, ist in Pension und braucht – wie er ohne Umschweife und mit einem Lächeln klar macht – „immer Arbeit und Stress“.
Kinder & Krebs
Was der 69-Jährige meint, das ist offenkundig, das offenbart erst ein Blick auf und dann ein Rundgang durch das 8.000 m2 große Anwesen, das Platz für zwei Häuser, acht Hunde, Hühner und Schafe, Enten, Pfaue und eine Burg bietet, die das Paar selbst gebaut hat. Nur die „normale Zugbrücke“ fehle noch, wie Major Mario Falak-Eismayer anmerkt. Durch die Burggräben werde bald Wasser fließen und damit ein Traum in Erfüllung gehen.
Maria-Theresien-Kaserne am 6.2.2014: Hauptmann Mario Falak und Vizeleutnant Charles Eismayer während des KURIER-Interviews wenige Monate nach ihrer Verpartnerung.
Den Traumberuf, der für Rekruten teils einem Albtraum glich und von dem ein Film (David Wagners preisgekrönter „Eismayer“) Zeugnis ablegt, gibt es für Charles Falak-Eismayer in der Form nicht mehr – doch die Erinnerung daran.
Ausbildner zu sein, „das heißt, dass du mit jungen Menschen aus allen Schichten arbeitest – vom Hilfshackler bis zum Maturanten. Dass du jemandem lernst, selbstständig zu sein. Nicht, dass der Vater, die Mutter, die Tante, die Oma es richtet, sondern, dass man selbst lernt, auf zwei Füßen zu stehen. Wenn du siehst, dass du aus einem jungen Menschen einen stolzen Mann machst: Das ist das Wunderschönste!“
Mario Falak-Eismayer
Wie hart „Eismayer“, der als „Schleifer“ und „Wetzer“ verschrien ist, sein kann, das weiß sein Mann, den er liebevoll „mein Jugo“ nennt. „Charles hat sehr hart ausgebildet, aber er war willig, alles als Vorkämpfer durchzuführen, und somit hat er das von seinen Untergebenen verlangt.“
Seit wenigen Jahren ist „Eismayer“ nun nicht mehr aktiv, doch das Heer ist allgegenwärtig. Einmal Soldat, immer Soldat.
Mann Mario, der gegenwärtig Dienst in der Auslandseinsatzbasis Götzendorf versieht, sagt, das Heer sei offener geworden, und ihre Hochzeit sei wohl „ein Stein des Anstoßes“ gewesen, dass Soldaten sich outen. Sein Ehemann sieht sich zwischen zwei Zigarettenlängen ein wenig leid, das nicht mehr unter Beweis stellen zu können, und tut das kund.
Der Film "Eismayer" wird im September 2022 beim Filmfestival in Venedig präsentiert. Mario und Charles Falak-Eismayer sind bei der Premiere, David Wagners Film wird in Venedig prämiert, für weitere Filmpreise nominiert.
„Wäre ich noch aktiv, tausendprozentig hätte ich eine Regenbogenfahne in der Kaserne aufgehängt. Als fixes Zeichen, dass wir wirklich offen und tolerant sind. Und ich hätte darauf gewartet, dass irgendjemand befiehlt, sie herunterzunehmen. Es wäre ein Fressen für mich gewesen!“
Regebogen & Reform
Einheiten „mit Ewiggestrigen“ gebe es noch, aber es gebe auch „die anderen, die aufgeschlossen sind“. Dazu beigetragen haben für den einstigen Ausbildner nicht zuletzt die Frauen. „Ich kenne so viele junge Frauen, die beim Heer sind und die hundertmal besser ihren Mann stehen als so mancher Mann.“ Gemeint sei damit auch die erste Frau im Heer, ÖVP-Verteidigungsministerin Klaudia Tanner.
Mario Falak-Eismayer (46) ist Major versieht gegenwärtig Dienst bei der Auslandseinsatzbasis in Götzendorf, Charles Falak-Eismayer ist seit wenigen Jahren im Ruhestand
„Sie ist resolut genug, um systematische Fehler, die oft der Trägheit des Apparates Bundesheer geschuldet sind, anzugehen“ und habe es geschafft, sich den Respekt der Führungsebene zu erarbeiten. Politisch positiv in Erinnerung ist den beiden einer von Tanners Vorgängern: Hans Peter Doskozil, der von 2016 bis 2017 SPÖ-Verteidigungsminister war.
Die Verkürzung des Wehrdienstes von acht auf sechs Monate (2006 unter ÖVP-Verteidigungsminister Günther Platter) sei ein „Spiel mit der Sicherheit“ und ein „Fehler gewesen, weil man die Wahl gewinnen wollte“, so Charles Falak-Eismayer.
Zur aktuellen Diskussion über eine Verlängerung des Wehrdienstes und eine etwaige Volksbefragung, wie von ÖVP-Regierungschef Christian Stocker vorgeschlagen, haben die beiden eine Meinung und eine persönliche Begründung. Die Politik müsse entscheiden.
Mario Falak-Eismayer, der aus Bosnien geflüchtet ist, „war dem Heer in erster Linie negativ gegenüber eingestellt. Ganz einfach, weil die Volksarmee Jugoslawien in den Bürgerkrieg gestürzt hat“. Erst durch die Ausbildung beim Bundesheer habe er erkannt, „dass die Armee auch für etwas anderes da ist: Nämlich den Frieden zu erhalten“.
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