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Politik Inland
12/29/2021

Causa Wolf: Wie der Jet-Deal zur Steueraffäre führte

Warum die WKStA das Handy von Siegfried Wolf beschlagnahmte.

von Ida Metzger

18 Jahre nachdem der umstrittene Eurofighter-Deal unterschrieben wurde, holen die Jets Siegfried Wolf durch die Hintertür wieder ein.

Im 111-seitigen Strafakt zu seiner Steueraffäre schildert die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), wie sie an Wolfs Chats gelangte, die seine Intervention bei der Finanz offenbarten.

Viele Ermittlungsstränge wurden im Eurofighter-Komplex eingestellt. Einer aber offenbar noch nicht: jener gegen Hubert Hödl, den Ex-Vorstand der Magna-Europa-Holding. Der Vorwurf: Untreue zulasten von EADS durch Bildung einer schwarzen Kasse bei der Briefkasten-Firma Vector. Wolf war damals Hödls Chef.

Im Jänner 2020 nahmen die Korruptionsjäger dem Multimillionär wegen der Ermittlungen im Eurofighter-Komplex das Smartphone ab. Wenige Monate später landete dann bei der WKStA auch eine Anzeige, dass dem Großinvestor Wolf eine Steuer-Nachsicht von 700.000 Euro auf Wunsch des früheren Generalsekretärs im Finanzministerium, Thomas Schmid, gewährt worden sei.

Die WKStA war damals im Besitz beider Handys – von Schmid und Wolf –, und der Vorwurf erhärtete sich schnell.

Nicht weniger brisant sind die Ermittlungen in jener Eurofighter-Causa, die schließlich mit der Razzia in Wolfs Privatresidenz im Zusammenhang stehen sollen. Anfang der 2000er-Jahre war Wolf Magna-Europa-Chef und mischte beim Jet-Deal im Hintergrund mit. Die Begründung für sein Engagement lieferte Wolf im U-Ausschuss 2018: Der Autobauer Daimler war Kunde von Magna und damals Hauptaktionär von EADS. Als der Milliarden-Deal unterzeichnet war, ging es um die Erfüllung der exorbitanten Gegengeschäfte. Insgesamt hatte das Wirtschaftsministerium rund 300 Millionen für etwa 50 Magna-Gegengeschäfte locker gemacht. Zu diesem Zeitpunkt kommt Magna-Manager Hödl ins Spiel. Auch diese Causa wurde im Eurofighter-U-Ausschuss durch den damaligen Abgeordneten Peter Pilz aufgearbeitet.

Gegengeschäfte

Hödl saß im Vorstand von Magna Europa und arbeitete – quasi im Nebenjob – für EADS. Die Doppelgleisigkeit war für Magna-Chef Wolf kein Problem. Im U-Ausschuss erklärte er dieses Kuriosum so: „Hödl kam zu mir und meinte, er wolle die Magna in Richtung EADS verlassen. Wenn ich Hödl hätte ziehen lassen, wären uns Aufträge in Millionenhöhe entgangen.“ Für das Identifizieren von Gegengeschäften zwischen Daimler-Chrysler und Magna hat Hödl 6,8 Millionen Euro an Provisionen bekommen, gab er im U-Ausschuss zu. Abgerechnet wurde das über die Briefkastenfirma Vector in London.

Am Gegengeschäft rund um die Entwicklung des E-Smart-Modells sieht man, wie undurchsichtig manche Deals damals waren. Am 6. Juni 2003 wurde der Deal zwischen Smart und Magna über einen Auftragswert von 9,7 Millionen Euro geschlossen. Nun kommt die Crux

an der Sache: Der Gegengeschäftsvertrag zwischen Österreich und EADS wurde erst am 1. Juli 2003 geschlossen. Also einen Monat später. Das ist noch nicht alles. Hödl verrechnete für die Vermittlung eine Provision in Höhe von 761.010 Euro an die Briefkastenfirma Vector.

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