Politik | Inland
19.11.2017

Caritas-Chef Landau: "Politik scheint Steuerflüchtlinge zu billigen"

Caritas-Präsident kritisiert, dass Milliarden in "Steuersümpfen" versteckt werden. Geld, das in Österreich für Armutsbekämpfung fehlt.

Als Steuerflüchtling hat man es in Österreich offenbar leichter denn als Asylwerber – das kritisiert Caritas-Präsident Michael Landau am Sonntag in der ORF-Sendung "Hohes Haus".

In den jüngst veröffentlichten "Paradise Papers" gibt es Spuren zu 63 Adressen in Österreich. "Die politisch Verantwortlichen scheinen es zu billigen, dass Steuerflucht geschieht", sagt Landau, während in Österreich Milliarden für Spitäler, Schulen und die Armutsbekämpfung fehlen. Die neue Regierung fordert er in Hinblick auf die anstehende EU-Ratspräsidentschaft auf: "Wenn sich Politiker stark machen für das Schließen von Flüchtlingsrouten, dann muss es ihnen auch gelingen, die Schlupflöcher der Steuerflucht zu schließen."

"Ideologische Duftmarke"

Zu den bisher bekannten Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ gibt sich der Caritas-Präsident abwartend. Man müsse sich anschauen, ob es sich dabei um "ideologische Duftmarken" handle oder ob tatsächlich Verschlechterungen für die Schwächsten der Gesellschaft zu befürchten seien – Stichwort "Mindestsicherung light" oder "Heimatschutzministerium".

Bei der Debatte um die Mindestsicherung will Landau das Bild korrigieren: Viele würden nur Zuschüsse bekommen, weil sie in ihren Jobs nicht genug verdienen. Gegen diese "working poor" vorzugehen, hält Landau für "schwierig". Mit Neiddebatten komme man nicht weiter, sagte er anlässlich des ersten Welttages der Armut am Sonntag, den Papst Franziskus ausgerufen hatte.