Politik | Inland
02.01.2018

C02-Emissionen stiegen auch 2016 und 2017

Umweltökonom Schleicher: Klimaziel 2020 in Gefahr. Statt weniger bläst Österreich immer mehr Treibhausgase in die Atmosphäre.

Es sind keine guten Nachrichten am Beginn des neuen Jahres: Laut Berechnungen des "Wegener Center für Klima und Globalen Wandel" sinken die Treibhausgas-Emissionen Österreichs seit 2015 nicht mehr, sondern nehmen stark zu. Konkret wird für 2016 ein Zuwachs von 1,2 Prozent und für 2017 sogar ein Plus von 4,4 Prozent prognostiziert.

"Die Werte für 2016 basieren auf der vor wenigen Wochen von der Statistik Austria veröffentlichten Gesamtenergiebilanz", erklärt der Umweltökonom Stefan Schleicher im KURIER-Gespräch. "Und die Schätzung für 2017 verwendet die gemeldeten Monatsdaten für den Verbrauch von Gas und Mineralölprodukten." Ursache für den extrem hohen Anstieg im vergangenen Jahr 2017 liege an dem sehr hohen Erdgas-Verbrauch von plus vier Prozent.

Hiobsbotschaft

Für die Regierung und Österreichs neue "Klima-Ministerin" Elisabeth Köstinger ist das eine doppelte Hiobsbotschaft: Einerseits muss sich die Regierung eingestehen, dass alle bisherigen Maßnahmen der Klima-Minister das Ziel verfehlt haben, Österreichs Emissionen zu senken. Andererseits dürfte die Regierung die selbst auferlegten, im Klimaschutz-Gesetz festgelegten Höchstgrenzen, nicht einhalten (siehe Grafik).

"Unter den getroffenen Annahmen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2017 der vom Klimaschutz-Gesetz festgelegte Höchstwert überschritten", erklärt Schleicher und fügt an: "Angesichts steigender Trends bei den Emissionen und fallender Zielwerte bei den im Klimaschutz-Gesetz festgelegten Höchstmengen ist es unwahrscheinlich, dass der Zielwert für 2020 noch erreicht werden kann."

Was sind die Gründe für die problematischen Steigerungen? Zum einen die zunehmende wirtschaftliche Aktivität. Die Wirtschaft brummt wieder und damit geht zumeist ein höherer Energieverbrauch einher. Zum anderen waren die Winter zuletzt deutlich strenger als in den Vorjahren. Dadurch musste mehr geheizt werden, was wiederum zu einem höheren Energieverbrauch führte.

Immer mehr Verkehr

Aber auch der neue FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer muss sich etwas einfallen lassen, denn auch der Verkehr weist erneut Zuwächse auf. Die erhöhten CO2-Emissionen aus dem Verkehrssektor liegen deutlich über dem Limit des Klimaschutz-Gesetzes. Zudem dürften auch die Landwirtschaft als auch die Abfallwirtschaft die gesetzlichen Höchstmengen überschreiten.

Gesetzlich limitiert ist zudem der "Energetische Endverbrauch" Österreichs (mit 1.050 Petajoule), und auch dieses Limit dürfte "mit hoher Wahrscheinlichkeit" überschritten werden, erklärt der Professor, der gemeinsam mit seinen Kollegen appelliert, dass viel kürzere Berichtsintervalle für die Entwicklung der Treibhausgase benötigt werden. Das müsse ein integrierter Bestandteil jeder Energie- und Klimapolitik sein.

Offen ist, wie die nächsten Schritte der Bundesregierung aussehen werden. Gearbeitet wird nun an der Klima- und Energie-Strategie, an der die letzte Regierung gescheitert ist. Ministerin Köstinger hat allerdings angekündigt, dass es weder Verbote (etwa von Ölheizungen) oder ökologische Steuern geben werde.

Im vergangenen Jahr 2017 sind in Österreich 8,6 Millionen Tonnen - rund 10,5 Milliarden Liter - Benzin und Diesel verbraucht worden. Das ist ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber 2016. Der Benzinverbrauch blieb mit 2,2 Milliarden Liter stabil, während der Dieselverbrauch um 3,4 Prozent auf den Spitzenwert 8,3 Milliarden Liter anstieg, teilte der Mineralölindustrie-Fachverband am Neujahrstag mit.

Bei Benzin setzte sich 2017 der stagnierende Absatztrend der vergangenen Jahre fort. Wurden 2003 noch etwa 2,2 Millionen Tonnen Benzin verkauft, so waren es voriges Jahr nur noch etwas mehr als 1,6 Millionen Tonnen. Das ist ein Rückgang von 27 Prozent binnen 14 Jahren. Zurückzuführen ist diese Entwicklung unter anderem auf die jährlich sinkende durchschnittliche Fahrleistung pro PKW, so der Fachverband.

Der Dieselverbrauch ist laut der vorläufigen Markteinschätzung des Fachverbandes der Mineralölindustrie (FVMI) auf den Spitzenwert von 7 Millionen Tonnen geklettert, weil es konjunkturbedingt eine höhere Nachfrage gibt. Während der Dieselverbrauch in den Jahren 2013 bis 2015 eher konstant war, wurde der Spitzenwert von 2016 erneut übertroffen.

Der Heizölverbrauch ist - nach einem Minus von 0,4 Prozent 2016 - wieder um 5 Prozent gestiegen. Der Absatz von Heizöl Extraleicht (HEL) stieg auf 1,19 Millionen Tonnen. Positiv auf den Absatz wirkte sich der im Jahr 2017 vergleichsweise niedrige Heizölpreis aus.