Was bringt mir eine Senkung der Lohnnebenkosten?

ÖVP und Neos pochen bei den Budgetverhandlungen auf eine Lohnnebenkostensenkung ab 2028. Was dafür und dagegen spricht.
MINISTERRAT: BABLER (SPÖ) / STOCKER (ÖVP) / MEINL-REISINGER (NEOS)

Also doch: Ab 2028 sollen in Österreich die Lohnnebenkosten sinken. Darauf drängten ÖVP und Neos in den Budgetverhandlungen. Ihr geplantes Modell würde zwei Milliarden Euro kosten – und soll die Kosten des Faktors Arbeit reduzieren. Was spricht für, was gegen diese Maßnahme? Ein Überblick:

Was sind überhaupt Lohnnebenkosten?

Ein Lohn setzt sich wie folgt zusammen: Nettogehalt, Lohnsteuer und zusätzliche Abgaben, die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Die Arbeitgeber-Abgaben nennt man auch Lohnnebenkosten. Zu diesen zählen Versicherungsbeiträge, aber auch die Kommunalsteuer, Arbeiterkammerumlage oder Wohnbauförderung. In der aktuellen Debatte geht es um den Familienlastenausgleichsfonds (FLAF). Über diesen werden Familienleistungen wie Familienbeihilfen, Kinderbetreuungsgeld, Karenzgeld oder Schulbücher finanziert.

Hat Österreich vergleichsweise hohe Lohnnebenkosten?

Ja. Mit einer Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit von 47,1 Prozent belegte Österreich 2025 im Vergleich von 38 OECD-Staaten den vierten Platz. Auffällig: Der Anteil der Lohnsteuern lag mit 11,4 Prozent unter dem OECD-Durchschnitt von 23,4 Prozent. Die Lohnnebenkosten waren mit 21,4 Prozent jedoch deutlich höher als der Durchschnitt von 13,5. Selbiges gilt für die Sozialabgaben.

Was spricht für eine Senkung der Lohnnebenkosten?

Der Dienstgeberbeitrag zum FLAF beträgt derzeit 3,7 Prozent. Reduziert die Regierung FLAF, wie dem Vernehmen nach geplant, um einen Prozentpunkt, würde das rund zwei Milliarden Euro kosten – die man dann aus dem Budget schultern müsste. Eine gute Idee? „Es ist nicht der schlechteste Zeitpunkt. In einer Situation der Stagnation kann eine Lohnnebenkostensenkung positive Beschäftigungseffekte haben, denn der Faktor Arbeit ist in Österreich generell hoch besteuert“, sagt WIFO-Ökonomin Margit Schratzenstaller zum KURIER. 

Eine FLAF-Senkung um einen Prozentpunkt wäre ein erster Schritt: „Wie groß der Effekt ist, müssen wir dann abwarten.“ Der Knackpunkt: „Ohne Gegenfinanzierung ist das budgetär überhaupt nicht drin. Die Familienleistungen will nämlich glaub ich niemand entsprechend senken.“

Ökonomin Margit Schratzenstaller

Gibt es effektivere Maßnahmen?

„Man hat sich jetzt politisch darauf festgelegt, die Lohnnebenkosten zu senken. Natürlich auch vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren eher die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über Lohnsteuersenkungen entlastet wurden“, sagt Schratzenstaller. Perspektivisch seien jedenfalls weitere Schritte nötig: „Das Abgabensystem muss aufkommensneutral umstrukturiert werden“, sagt die Ökonomin. 

Wie könnte man das Abgabensystem grundsätzlich umbauen?

„Man könnte sich überlegen, dass man die Kommunalabgabe senkt und dafür die Grundsteuer entsprechend erhöht, meint Schratzenstaller.“ Weitere Optionen, um Abgabensenkungen zu finanzieren, seien die Einführung der Erbschaftssteuer, die Streichung klimaschädlicher Subventionen oder das Ende von steuerlichen Ausnahmen – etwa bei der Umsatz- und Einkommenssteuer. „Wir haben viele Optionen, um das Abgabensystem beschäftigungsfreundlicher, wachstumsfreundlicher und ökologisch effektiver zu gestalten – und die sollten wir alle nutzen“, sagt Schratzenstaller.

Profitieren auch Arbeitnehmer von einer Lohnnebenkostensenkung?

Ob der Arbeitgeber eine Lohnnebenkostensenkung teilweise an den Arbeitnehmer weitergibt, etwa über höhere Löhne, bleibt ihm prinzipiell überlassen. Auch deshalb sind ÖGB oder Arbeiterkammer große Kritiker der Maßnahme. Im Normalfall werde schon ein Teil weitergegeben, sagt Schratzenstaller. Konkrete Studien, wie hoch dieser Anteil durchschnittlich ist, gebe es jedoch nicht. 

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