Politik | Inland
03.10.2018

Buch: Auf der historischen Wendeltreppe mit Heinz Fischer

Der Altpräsident feiert am 9. Oktober seinen 80. Geburtstag. In einem neuen Buch erzählt er die Geschichte seines Lebens.

Leben und Politik sind bei Heinz Fischer eins: In seiner sozialdemokratisch geprägten Familie wird pausenlos diskutiert, mit 15 Jahren gründete er eine Bezirksgruppe der Sozialistischen Mittelschüler in Hietzing und als Student ist er im VSStÖ in heftige Fraktionskämpfe verstrickt, Fischer gehört dem linken Flügel an. Der junge Mann ist diszipliniert, unheimlich wissbegierig, Partys sind seine Sache nicht, mit 30 trinkt er den ersten Schluck Alkohol.

Der Jus-Student will Anwalt werden, absolviert das Gerichtsjahr und 1961, kurz vor seinem 23. Geburtstag, kommt der Anruf der SPÖ-Abgeordneten Stella Klein-Löw, der Parlamentsklub suche einen Juristen. Damit beginnt für Heinz Fischer die Arbeit für die SPÖ, leidenschaftlich und mit Hingabe.

Sehr privat, mit tiefem Einblick in das Elternhaus, den Freundeskreis und in erste politische Engagements beginnt ein Gespräch zwischen Heinz Fischer und dem ehemaligen profil-Chefredakteur Herbert Lackner. Nachzulesen ist diese faszinierende Tour d'Horizon in dem eben erschienenen Buch „Heinz Fischer. Ein Spaziergang durch die Jahrzehnte“. Das Werk ist aus Anlass des 80. Geburtstags von Heinz Fischer (9. Oktober) erschienen und wird heute, Mittwochabend, im Bruno-Kreisky-Forum präsentiert.

Als Kreisky 1971 die absolute Mehrheit erlangte, wurde Heinz Fischer in den Nationalrat gewählt, 1975 wurde er SPÖ-Klubobmann. In der rot-blauen Regierung (1983-1987) war er Wissenschaftsminister, später Erster und Zweiter Nationalratspräsident. Er gehörte jahrzehntelang den höchsten Parteigremien an, von 2004 bis 2016 war er Bundespräsident.

In seinem Streifzug durch die politische Karriere lässt Lackner kein wichtiges Ereignis und keine Affäre der Zweiten Republik aus. Fischer hat alles abgespeichert und erinnert sich an Details. So etwa, dass Kreisky bei der Debatte über die Fristenlösung nicht von der Regierungsbank aus das Wort ergriff, sondern von seinem Abgeordneten-Platz, ein ungewöhnlicher Vorgang. Kreisky war gegen die Fristenlösung, weil er gefürchtet hat, dass der Konflikt mit der Kirche wieder aufbricht. Und dann sagte Kreisky: „Im Übrigen habe ich an der Kirche immer eines bewundert: ihre Fähigkeit zu verzeihen.“ Er hoffe, dass auch dieser Parlamentsbeschluss unter die Kategorie des Verzeihens fallen möge.

Das Resümee: Zeitgeschichte spannend und lebensnah erzählt, absolut lesenswert.

Ein politisches Leben in Bildern

Heinz Fischer 80. Geburtstag

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