Die Wahl ist geschlagen

© APA/ROLAND SCHLAGER

Hochburgen
05/23/2016

Vorarlberg ist "Wien des Westens"

Das schwarz dominierte Vorarlberg wählte ähnlich wie das rot-grüne Wien. Die FPÖ konnte auch in Bezirken mit hohem Migrantenanteil nicht reüssieren.

von Raffaela Lindorfer

Wien und Vorarlberg, geografisch am weitesten voneinander entfernt, liegen bei der Bundespräsidentenwahl politisch ganz nahe beisammen: Hier hatte Alexander Van der Bellen die größten Erfolge. Die Bundeshauptstadt, eine rote Hochburg, und Vorarlberg, schwarzes Kernland, haben sich Grün eingefärbt (siehe Grafik).

Den grünen Nationalrat Harald Walser wundert diese Gemeinsamkeit nicht, schließlich sei Vorarlberg das "Wien des Westens", sagt er scherzhaft. Im Rheintal leben mehr als drei Viertel der Vorarlberger Bevölkerung. Das urbane Gebiet zwischen den Bezirken Bregenz und Feldkirch sei Wien in der Sozialstruktur sehr ähnlich.

FPÖ stark im Montafon

Im ländlichen Bereich, etwa im Montafon, konnte hingegen wie erwartet Hofer punkten. "Generell kommen der Deutschnationalismus und die EU-Diffamierung Hofers in einem Dreiländereck aber nicht gut an", erklärt der gebürtige Vorarlberger Walser. "Geholfen hat sicher auch, dass sich viele von der ÖVP offen für Van der Bellen deklariert haben. Er hatte den liberalen Flügel hinter sich."

Wien-Wahl als Vorlage

Schon bei der Wien-Wahl im Herbst 2015 wäre der Bezirk Floridsdorf fast Blau geworden, jetzt rissen die Briefwähler auch bei dieser Wahl das Ruder herum. Im vorläufigen Endergebnis liegt Van der Bellen im 21. Bezirk 1606 Stimmen vor Hofer.

Simmering, der einzige Bezirk mit einem FPÖ-Bezirksvorsteher, ist jetzt der einzige blaue Fleck auf der Wien-Karte – mit einem Überhang von nur 245 Stimmen für Hofer. "Man könnte die Karte der Wiener Bezirkswahlen genau über die Stichwahl legen. In allen roten Bezirken hat Van der Bellen gewonnen", sagt SPÖ-Landesparteisekretär Georg Niedermühlbichler.

Ein wesentliches Wahlmotiv der Wiener sei erneut gewesen, einen Blauen verhindern zu wollen. Niedermühlbichler glaubt aber, dass es mehr um die Positionen als um die Personen gehe: "Die Wähler haben sich für jemanden entschieden, der für ein offenes Österreich steht und nicht für Angstmache."

Das zeige sich auch daran, dass der FPÖ-Kandidat in Bezirken mit hohem Migrantenanteil nicht reüssieren konnte. In Rudolfsheim-Fünfhaus, dem Bezirk mit dem Wien-weit höchsten Migranten-Anteil (49 Prozent), schaffte Van der Bellen mit 69,3 Prozent eines seiner besten Ergebnisse. "In diesen Gebieten ist man es gewohnt, mit fremden Kulturen zu leben und lässt sich nicht so leicht einschüchtern", sagt Niedermühlbichler.

Der Mord an einer 54-jährigen Frau vor knapp drei Wochen in Ottakring trieb die Wähler offenbar nicht zur FPÖ: Am Tatort, dem Wahlsprengel Yppenplatz, erreichten die Blauen nur 16,5 Prozent. Im Wahlsprengel 44 hingegen kam Hofer auf 78 Prozent. In dem Wohngebiet zwischen Koppstraße und Herbststraße wohnen besonders viele Polizisten.

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