Munich Security Conference 2021 Special Edition

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Politik Inland
02/21/2021

Bill Gates will die Welt retten: "Wir müssen fast alles anders machen"

Bill Gates erklärt in seinem neuen Buch seine Sicht: "Wie wir die Klimakatastrophe verhindern“.

Bill Gates (65) ist weder als idealistischer Träumer noch als linker Ökojünger bekannt. Mit seiner Firma Microsoft hat er einen gigantischen Anteil an der digitalen Revolution der Welt in den vergangenen dreißig Jahren. Drei von vier Computern weltweit laufen heute mit seiner Software.

Das hat ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht und inzwischen auch zur Zielscheibe von Verschwörungstheoretikern. Dabei geht unter, dass er viele Milliarden Dollar nicht nur für weltweite Impfkampagnen spendete, sondern mittlerweile auch in grüne Technologien investiert. Nun widmet er sich in seinem neuen Buch der „größten Herausforderung der Menschheit“, wie er in zahlreichen Interviews in US-Medien erklärt: Es geht um die drohende Klimakatastrophe.

Gates Ansatz lautet: 51 Milliarden und Null.

51 Milliarden Tonnen Treibhausgase stößt die Welt jedes Jahr aus, Tendenz steigend (außer im Coronajahr 2020). Null Tonnen CO2, erklärt Gates, müsse unser Ziel sein. Kein Erdöl, Benzin oder Diesel, kein Erdgas, keine Kohle. „Das klingt schwierig, denn es wird schwierig sein“, gibt Gates zu. „Wir müssen die Werkzeuge, die wir schon haben, etwa Sonnen- und Windenergie, schneller und klüger zum Einsatz bringen. Und wir müssen bahnbrechende Technologien entwickeln und in der Praxis einsetzen.“

Genauer gesagt: „Wir müssen fast alles anders machen“, erklärt Gates, und zählt die seiner Meinung notwendigen Technologien, die erst erforscht werden müssen, immer wieder auf:

  • CO2-freie Wasserstoffproduktion
  • CO2-neutraler Zement
  • CO2-neutraler Stahl
  • CO2-neutraler Dünger
  • CO2-neutraler Kunststoff
  • CO2-Abscheidung aus der Luft oder aus Abgassystemen
  • Geothermie
  • Stromspeicherung im Netzmaßstab, ausreichend für mehrere Monate
  • Synthetische Kraftstoffe
  • Biokraftstoffe
  • Fleisch und Milchprodukte auf pflanzlicher Basis
  • Kernspaltung der nächsten Generation
  • Kernfusion (Fusionsreaktor, wie die Sonne einen darstellt)

Damit diese Technologien möglichst rasch einsetzbar sind, appelliert Gates weiter, seien die Regierungen gefordert. Von diesen verlangt er unter anderem eine Verfünffachung der Budgets für Forschung und Entwicklung, weiters Investitionen in „risikoreiche, aber auch besonders chancenreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte“ als auch einen Fokus auf Grundlagenforschung an neuartigen Konzepten, aus denen ein „nützliches und kommerziell erfolgreiches Produkt“ gemacht werden könne.

Freilich spricht sich der Milliardär auch für eine -Bepreisung aus, egal ob als Steuer oder über Handelssysteme. Das sei essenziell, weil es dem Markt die Botschaft sende, dass mit Produkten, die verursachen, zusätzliche Kosten verbunden sind. Was man mit den Einnahmen mache, sei nebensächlich, man könne es auch den Menschen zurückgeben oder für Forschung einsetzen.

Welcher Eindruck bleibt von Gates Buch? Da ist jemand, der einerseits kein Wort verliert über Verzicht oder Einschränkungen in den Überflussgesellschaften oder über die Klima-Jugendbewegung. Andererseits ist der Milliardär Gates Zeitzeuge, der die Kraft einer technologischer Revolutionen (auch im eigenen Börsel) erfahren hat und deshalb Hoffnung hat, dass auch die Klimakatastrophe durch Technik verhindert werden könne.

Das ist immerhin eine konkrete Handlungsanweisung. Ob es auch machbar ist, darf bezweifelt werden.

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