Bisher gab es 125.000 Anträge um Geld aus dem Familien-Härtefonds

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Politik Inland
12/21/2020

Bildungsverlust: Hälfte der Schultage fiel in Lockdown

Besonders hart traf es die Oberstufen, zeigt ein Rückblick auf die vergangenen Monate der Pandemie.

von Bernhard Gaul

Mitte Jänner, sofern die Schüler dann wie angekündigt zurück in die Schulen dürfen, wird es einen Blick zurück geben müssen: In den vergangenen zwölf Monaten haben Pflichtschüler fast 50 Prozent der Schulzeit (59 Schultage) daheim im Distance Learning oder im Schichtbetrieb (32 Tage) verbracht.

Am härtesten hat es die Oberstufenschüler ab 15 Jahren getroffen: Sie werden mit Schulstart fast neunzig Tage daheim im Distance Learning gewesen sein, 21 Tage im Schichtbetrieb.

Normalen Präsenzunterricht gab es 2020 eigentlich nur im Jänner und Februar, als die Pandemie (vermeintlich) noch fern war – und im September und Oktober, als die Infektionszahlen aber bereits wieder nach oben kletterten.

Bildungsferne Familien

Niemand bezweifelt, dass die 1,1 Millionen Schüler dadurch einen Bildungsverlust erlitten haben. Am größten ist er bei Kindern aus bildungsfernen Familien, wo die Eltern kaum unterstützen können.

Eine Studie zum ersten Lockdown in den Niederlanden zeigte, dass die Schüler durch das Distance Learning im besten Fall das Gelernte nicht vergessen, aber kaum etwas dazu lernen. Wobei in den Niederlanden die digitale Schule schon viel länger umgesetzt wird – nicht erst durch eine Blitzaktion im März wie in Österreich.

Andererseits mehren sich die Beschwerden, dass die Pädagogen den Druck, im Lockdown so viel Unterrichtsstoff wie möglich vermitteln zu müssen, ungefiltert an die Schüler weitergeben. Besonders für die Oberstufen ist dieser Druck problematisch, auch wenn diese für Präsenzphasen immer wieder an die Standorte geholt wurden, etwa für fachpraktische Übungen oder zur Vorbereitung auf Schularbeiten.

In Österreich gibt es noch keine Studien, die einen Überblick geben können, wie groß der Bildungsverlust im Corona-Jahr 2020 war – und wie dramatisch die Auswirkungen fehlender Bildungsbausteine in den kommenden Jahren sein werden.

Gegenmaßnahmen

Längst gibt es Überlegungen, welche Gegenmaßnahmen gesetzt werden könnten:

Nachhilfe vor Ort:

Schulautonom geregelt wird, dass Schüler mit Lern-Lücken für Förderunterricht in die Schule geholt werden. Das können die Pädagogen selbst entscheiden.

Schuljahr wiederholen:

Überlegungen, wegen der Defizite gleich alle Schüler das Schuljahr wiederholen zu lassen, wurden rasch verworfen. Dafür fehlen nicht nur Bereitschaft, sondern auch Pädagogen und Platz in den Schulen, die dafür nötig wären.

Ferien opfern:

Auch die naheliegendste Option, einfach von den Semester-, Oster- oder Sommerferien einige Tage zu streichen und den Unterricht weiterzuführen, wird derzeit von Bilungsministerium wie Gewerkschaft ausgeschlossen. „Wir wollen an diesen formalen Strukturen festhalten. Mit den Schließungen gibt es ohnehin schon ein großes Hin und Her“, erklärte Minister Heinz Faßmann. Anstatt die Sommerferien zu verkürzen, will der Minister eher auf Ferienkurse setzen.

Ferienkurse:

Was jedenfalls kommt, sind Förder- und Nachhilfekurse in den Ferien. In den Weihnachtsferien etwa über die Website weiterlernen.at mit Hilfe von Coaches (Anmeldung ab 28. Dezember). In den Semesterferien findet in den Schulen Ergänzungsunterricht statt. Lehrkräfte, die sich freiwillig melden, bekommen diese Arbeit abgegolten. Auch Lehramtsstudenten sollen wieder eingesetzt werden.

Fix ist auch, dass es im Sommer wieder die „Summerschool“ geben wird. In den letzten beiden Augustwochen vor dem neuen Schuljahr sollen etwa Mathematik und Deutsch wiederholt werden. Das Bildungsministerium will die Plätze im Sommer 2021 verdoppeln – und rechnet mit 50.000 teilnehmenden Schülern.

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