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Politik | Inland
02/22/2019

Bildungsstandards: Die Volksschüler rechnen wieder besser

Trotz schwierigeren Bedingungen schafften die Volksschüler überall bessere Resultate.

Zur Abwechslung erfreuliche Ergebnisse aus Österreichs Schulen: Bei den Mathematik-Vergleichstests in der vierten Klasse Volksschule wurden durch die Bank bessere Leistungen gemessen. Abgefragt wurde das mathematische Können, etwa wie gut die Grundrechnungsarten beherrscht werden.

- Gesamtergebnis 2013 – beim letzten vergleichbaren Test – erzielten die Volksschüler 533 Punkte, jetzt schafften sie 551.

- Risikogruppe Weniger Kinder als 2013 (minus drei Prozent) haben die Bildungsstandards nicht erreicht.

- Spitzengruppe Deutlich mehr Kinder (plus vier Prozent) haben die Bildungsstandards übertroffen.

- Migranten Im Vergleich zu 2013 sind deutlich weniger Kinder mit Migrationshintergrund in der Risikogruppe (minus neun Prozentpunkte), deutlich mehr haben die Bildungsstandards erreicht (plus sieben Prozentpunkte).

- Bessere Schulen Der Anteil an Schulen, an denen mehr als 90 Prozent der Schüler die Bildungsstandards erreichen oder übertreffen, hat sich von 27 Prozent (anno 2013) auf 43 Prozent erhöht.

- Schwieriges Umfeld Überraschend auch, dass es bessere Ergebnisse gab, obwohl das Umfeld schwieriger wurde. So gab es einen höheren Anteil an Schulen mit sehr hohem Index an sozialer Benachteiligung (plus fünf Prozentpunkte); der Anteil der Schulen mit einem niedrigen Index war geringer (minus elf Prozentpunkte). Der Index errechnet sich aus der Anzahl der nicht-deutschsprachigen Kinder und dem Bildungsstand der Eltern.

Gründe, warum es eine Verbesserung gab, sehen Betroffene vor allem im generell stärkeren Fokus auf dem Thema.

Klar ist auch, dass Maßnahmen der früheren Bundesregierungen(en) – wie die Sprachstartklassen – offenbar gegriffen haben.

Vorletzte Testung

Obwohl die Entwicklung der Bildungsstandards seit 2009 rund 50 Millionen Euro gekostet hat, werden diese im kommenden Jahr eingestellt. Die Messungen fanden seit 2012 immer abwechselnd in Mathe, Deutsch und Englisch jeweils in der vierten und achten Schulstufe statt. Die Politik erhoffte sich davon Aussagen über die Schulentwicklung. Nun wird das System umgestellt, weg von der Entwicklung des Bildungssystems hin zu den "informellen Kompetenzmessungen", die Aussagen treffen sollen, wie sich ein Schüler weiter entwickelt. Diese Kompetenzmessungen sollen mitentscheiden, ob ein Kind in eine AHS gehen darf.

"Man schaut sich gezielt an, wo Defizite sind"

Die Mitglieder des KURIER-Bildungsbeirats sehen die guten Ergebnisse vielfältig begründet: Für Sonja Schärf-Stangl, Direktorin der Volksschule St. Christiana und Lehrende an der PH Niederösterreich, "zeigen die Ergebnisse, dass die Pädagoginnen professionell mit den Bildungsstandards umgehen, und sie an den Kompetenzen arbeiten."

Doch nicht nur das Bewusstsein hat sich verändert. Für eine seriöse Förderung braucht es die pädagogische Diagnostik. Was das heißt? "Man schaut gezielt, woran es liegt, dass ein Schüler bestimmte Aufgaben nicht lösen kann: Bei welchem der vielen kleinen Schritte einer Division fehlt die Übung? Oder: Kann ein Sachverhalt vielleicht aufgrund fehlender Lesekompetenz nicht erfasst werden?" Wenn ein Lehrer weiß, wo das Problem liegt, kann er besser fördern.

Niki Glattauer traut den Ergebnissen nicht so ganz: "Die Kinder haben die Testformate trainiert. Das heißt noch lange nicht, dass sie besser in Mathematik sind."

Klar: Testungen sind sicher kein Allheilmittel, um die Schule zu verbessern. Die Bildungsstandards ganz abzuschaffen – wie jetzt  beschlossen – sei aber keine gute Idee, findet Heidi Schrodt. "Die Tests waren schon ein Systemmonitoring, das den Schulen rückgemeldet hat, wo die Schwächen liegen und das wir auch brauchen. Wenn wir in den nächsten Jahren keine Tests mehr haben, fehlt das Feedback."