Politik | Inland
19.03.2016

"Ich verstehe den Frust der Lehrer"

Burgenlands Landeschef Niessl stellt sich gegen Ministerin Heinisch-Hosek. Auch andere Länder wollen mehr Lehrer & Geld vom Bund.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl, er war früher auch Lehrer, macht im KURIER-Gespräch deutlich, dass er sich angesichts der Misere an vielen Schulen wieder stärker an der Bildungsfront engagieren will.

Er und sein NÖ-Kollege Erwin Pröll haben die Bildungsreformkommission zwar vorzeitig verlassen, jetzt lässt Niessl aber anklingen, sein Engagement könnte durchaus wieder im Gleichklang mit Pröll neu aufleben. Nach Ostern gibt es ein rot-schwarzes Gipfeltreffen der Landeshauptleute, wo auch Bildungsfragen eine Rolle spielen werden.

Für die oft geäußerten Probleme der Lehrer hat er Verständnis: "Ich verstehe den Frust der Kollegen, nachdem ich selbst 22 Jahre unterrichtet habe und seit 16 Jahren Präsident des Landesschulrates bin", sagt Niessl. Er räumt aber ein, dass das Lehrer-Leben früher einfacher war. Jetzt sei Unterrichten eine "Riesenherausforderung", es brauche Begleitlehrer, Zusatzqualifikationen und vor allem kleinere Gruppen.

Aber: "Wenn Schulabgänger weder lesen noch schreiben können, ist das ein Riesenproblem." Und er fordert: Auch im Burgenland brauche es mehr Lehrer. Das Angebot von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek nimmt er dankend an: Diese hat im KURIER-Interview den Bundesländern in der aktuellen Bildungsmisere Hilfe zugesagt: "Wenn die Schulen spezielle Hilfe – mehr Lehrer – benötigen, sind die Bundesländer sicher in der Lage, ihr Budget zu überziehen, der Bund hat die Mittel bisher immer noch refundiert", so die Ministerin.

"Das möchte ich bitte schriftlich von der Bildungsministerin haben", sagt Niessl. "Denn auch wir sind von dem Problem betroffen. Wir werden deshalb um 70 bis 80 zusätzliche Dienstposten ansuchen", erklärt der Landeshauptmann. Und ganz grundsätzlich sollte die künftige Dotierung der Schulen auch Gegenstand der Finanzausgleichsverhandlungen sein.

Hilferuf ernst nehmen

Im Parlament fordert die Bildungssprecherin der Volkspartei, Brigitte Jank, Bildungsministerin Heinisch-Hosek auf, "dafür zu sorgen, dass wir die Kinder durch massive Fehlentwicklungen nicht schon in der Volksschule für ihren weiteren Bildungsweg verlieren, da ihnen damit jegliche berufliche Zukunft verwehrt bleibt".

Immer wieder komme es zu Klagen und Beschwerden von Schulleitern über fehlende Begleitmaßnahmen bei Kindern mit Sprachproblemen oder ohne Unterstützung aus dem Elternhaus. "Da gibt es grobe Versäumnisse", findet Jank, die umgehende Maßnahmen für Schulen mit einem problematisch hohen Anteil an Kindern mit Defiziten verlangt.

"Die Kritik von der pädagogischen Basis ist mehr als nur berechtigt", findet auch der grüne Bildungssprecher Harald Walser. "Die Schulen werden derzeit mit ihren Problemen alleine gelassen. Kleine Korrekturen am System sind zu wenig. Mit Heftpflastern kann man die blutenden Wunden im Bildungssystem nicht heilen." Jetzt solle endlich die "lange versprochene Schulautonomie" umgesetzt werden: "Es braucht dort mehr Geld, wo die Probleme am größten sind. Unsere Forderung nach einer bedarfsorientierten Mittelzuteilung ist aktueller denn je. Wie das Geld eingesetzt wird, muss dann an den Standorten entschieden werden."

Auch die Armutskonferenz verlangt, Schulen in sozial benachteiligten Bezirken "besonders gut auszustatten". Nur so würden keine Schüler zurückgelassen und eine "Zukunft trotz Herkunft" ermöglicht.