Politik | Inland
25.05.2018

Bei Soldatna gibt’s kein Binnen-I

Verteidigungsminister Kunasek will das Binnen-I abschaffen. Das ist schon einigermaßen erstaunlich.

Jetzt hat also auch Mario Kunasek sein Herzens-Thema gefunden. Der Verteidigungsminister will das Binnen-I abschaffen. Zumindest im Bundesheer: „Feministische Sprachvorgaben zerstören die gewachsene Struktur unserer Muttersprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit“, verkündete Kunasek heute via Kronen Zeitung. Ein 2001 verordneter „geschlechtergerechter Sprachgebrauch“ habe sich als nicht praxistauglich erwiesen. 

Sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter werde aber nicht prinzipiell abgelehnt. Betroffen vom Binnen-I-Aus ist vor allem der Schriftverkehr, betont man im Bundesheer. Wo sich eine Alltagstauglichkeit ergebe, würden Formulierungen wie "die Studierenden" verwendet. 

Das ist schon einigermaßen erstaunlich. Die von Kunasek angesprochene Verordnung, in der von einem Binnen-I explizit ohnehin keine Rede ist, wurde ihm just von seinem FPÖ-Kollegen Herbert Haupt hinterlassen. Als Frauenminister war dieser noch dafür eingetreten, dass Frauen in Formulierungen nicht länger mitgemeint werden soll. „Sie müssen auch sprachlich in Erscheinung treten“, sagte Haupt damals.

Beim sie das Bundesheer tun sie das bis heute ohnehin kaum – aktuell gibt es, alle Waffengattungen addiert, rund 620 Soldatinnen. Sprachliche Sichtbarmachung wäre da umso wichtiger, meinen Kritikerinnen wie Alexandra Wachter vom Frauennetzerk Medien. Ihr Verein hat Kunasek für seine Forderung kurzerhand das „rosa Handtascherl“ verliehen. Eine „Auszeichnung für Personen des öffentlichen Lebens, deren Frauenbild von offensichtlichem Sexismus geprägt ist“.

Kunasek wird’s egal sein. Mit dem Binnen-I hat er den nächsten FPÖ-Stammtisch-Kalauer aufgespürt. Wiens FPÖ-Chef Johann Gudenus sprang ihm gleich zur Seite. „Bringt nichts, kostet nur Zeit und Geld.“

Vielleicht ist ja doch noch ein Kompromiss möglich. Kunaseks Vorgänger Gerald Klug hat das Thema mit einer Mischung aus Politsprech und Schludrigkeit erstaunlich gut umkurvt. Bei seinem „ Soldatna“ durfte sich angesprochen fühlen, wer wollte.