Politik | Inland
25.05.2018

Bundesheer streicht das Binnen-I: Kritik an Kunasek

Sprachvorgaben würden gewachsene Struktur bis hin zur Unlesbarkeit zerstören, argumentiert Minister Kunasek.

"Feministische Sprachvorgaben zerstören die gewachsene Struktur unserer Muttersprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit", erklärt Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ) via Kronen Zeitung vom Freitag das "Aus für sämtliche Formulierungen beim Bundesheer, die den Sprachfluss unnötig beeinträchtigen". Mit anderen Worten: Das berühmte Binnen-I soll weg. 

Ein 2001 (unter Schwarz-Blau I) verordneter "geschlechtergerechte Sprachgebrauch" habe sich als nicht praxistauglich erwiesen. Sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter werde aber nicht prinzipiell abgelehnt. Wo sich eine Alltagstauglichkeit ergebe, würden Formulierungen wie "die Studierenden" verwendet, stellte Kunasek klar. 

Wobei: Eine Order, die die exakte Verwendung des Binnen-I vorgesehen hätte, hat es schon bisher gar nicht gegeben, ist sich die ehemalige Frauenbeauftragte beim Bundesheer, Irmtraut Karlsson, sicher. Sie war von Juni 2016 bis Jänner 2018 unter Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) mit dieser Funktion betraut und versichert gegenüber derStandard.at: "Gemäß meiner Recherche hat es bisher nie eine solche Order beim Bundesheer gegeben." Jeder hätte das Binnen-I nach seinem eigenen Gutdünken verwendet.

20 Jahre, nachdem die erste Frau beim Bundesheer zugelassen wurde, sind sie immer noch deutlich in der Minderheit. Aktuell dienen rund 600 Frauen in den verschiedenen Waffengattungen. 

Rosa Handtascherl für Kunasek

Der Bezug auf die "gewachsene Struktur unserer Muttersprache" sei ein fadenscheiniges Argument, um die Gleichberechtigung aufzuhalten, reagierte Alexandra Wachter, stv. Vorsitzende des Frauennetzwerk Medien, am Freitag auf Kunaseks Ankündigung. "Wer Frauen auch sprachlich nicht mehr sichtbar macht, zeigt damit, dass sie keine Rolle spielen sollen."

Deshalb werde Kunasek heute auch das "Rosa Handtascherl" verliehen, teilte das Frauennetzwerk Medien in einer Aussendung mit. Mit dieser Trophäe weise man auf Äußerungen von Personen des öffentlichen Lebens hin, deren Frauenbild von offensichtlichem Sexismus geprägt ist. Bewertet werden unterschwellige Angriffe, herabwürdigende Aussagen, klischeehafte Darstellungen oder Ignoranz gegenüber Frauen und ihren Leistungen.

Vor Mario Kunasek wurden u.a. Felix Baumgartner, profil-Herausgeber Christian Rainer (Entwicklung des Magazins „hin zum billig-sexistischen Boulevard“), Handballtrainer Gunnar Prokop („Die Frau gehört in die Kuchl, soll die Kinder erziehen und aus“) und ORF-Chefredakteur a.D. Werner Mück (Anblick einer profilierten Redakteurin eine „Beleidigung für die Zuseher“) mit dem „Rosa Handtaschl“ ausgezeichnet.