Politik | Inland
09.05.2018

Beate Meinl-Reisinger im Porträt: "Keine, die Bäume umarmt"

Sie soll das Ruder bei den Pinken übernehmen. Wie tickt die 40-Jährige Ex-Schwarze?

Die Neos sind noch keine sieben Jahre alt und dennoch liegt es nun bereits zum zweiten Mal an Beate Meinl-Reisinger, für die Pinken in einer heiklen Phase Verantwortung zu übernehmen. Ihr erstes Mal datiert vom Herbst 2015: Nach einer Reihe an gescheiterten Antritten der Neos bei Landtagswahlen ging es bei der Wiener Gemeinderatswahlen für die Pinken ums nackte Überleben.

Es war eine Phase, in der sich die Neos politisch etwas abgenutzt hatten; zudem war in Wien - das übliche - Duell zwischen SPÖ und FPÖ zu beobachten, wenig Platz also für eine kleine Oppositionspartei. Und außerdem stand das ganze Land im Eindruck der Flüchtlingskrise: Just in diesem Moment schaffte Meinl-Reisinger als Spitzenkandidatin 6,2 Prozent und damit den Einzug in den Wiener Landtag. Pikantes Detail am Rande: Ihr Wahlkampfberater damals war ein gewisser Tal Silberstein. Die Neos-Wende war damit jedenfalls geglückt, zwei Jahre später erzielte man in Wien bei der erfolgreich geschlagenen Nationalratswahl ein ähnliches Ergebnis.

Nun, nach dem Abgang des omnipräsenten Parteichefs Matthias Strolz ist Meinl-Reisinger wieder dran - und soll die Bundespartei übernehmen. Offiziell ist dies freilich noch nicht, die Mitglieder müssen erst entscheiden. Intern wird daran allerdings kaum noch gezweifelt.

Doch wer ist sie und was kann sie, die 40-jährige Wienerin, die lange Zeit für eine ÖVP-Staatssekretärin gearbeitet hat?

"Schon anders als Strolz" sei sie, erklären Vertraute. Will heißen: "Sie ist sicherlich kopflastiger als der etwas esoterisch angehauchte Strolz". "Fleißig bis arbeitswütig" sei sie zudem, "klar in der Ansprache" und "eine, die gerne immer über alles ganz genau Bescheid wissen will". Aufbrausende Reden wie von Strolz habe Meinl-Reisinger zwar auch auf dem Kasten, ganz so verhaltensauffällig sei sie letztlich aber nicht. Ein Neos-Mann fasst zusammen: "Die Beate ist keine, die Bäume umarmt". Politisch, sagen Weggefährten, ticke Meinl-Reisinger indes nicht sonderlich anders als der Neos-Gründer Strolz. "Vielleicht", erklärt ein hochrangiger Neos-Politiker, "tut sie sich mit liberaler Politik ein bisserl leichter". Nachsatz: "Deshalb hat sie es ja auch bei den Schwarzen nicht mehr ausgehalten."

Lange bei der ÖVP

Dennoch verbrachte Meinl-Reisinger viele Jahre bei der Volkspartei. Nach einem Trainee-Programm bei der Wirtschaftskammer werkte die Juristin ab 2005 im Büro des EU-Abgeordneten Othmar Karas, nach einem neuerlichen Engagement bei der Wirtschaftskammer dockte Meinl-Reisinger schließlich 2007 als Referentin bei der einstigen Staatssekretärin Christine Marek an. Der liberalen Schwarzen gegenüber war Meinl-Reisinger loyal, folgte ihr sogar ins Rathaus - und dennoch stammt der endgültige Bruch mit der Mutterpartei aus dieser Zeit. Zu sehr gingen ihr der "Law-and-Order-Wahlkampf" der Wiener ÖVP 2010 und die "Geilomobil"-Auftritte des damaligen JVP-Chefs Sebastian Kurz gegen den Strich, wird sie später erklären. Meinl-Reisinger, Befürworterin der Homo-Ehe, trat indes stets für eine schwarz-grüne Koalition ein, sie wollte eine "urbanere Wiener ÖVP".

Weil daraus schließlich nichts wurde, dockte die Arzt-Tochter bei den Neos an - und anstatt wie eigentlich geplant nur eine Managementfunktion zu übernehmen, kandidierte die zweifache Mutter und Frau eines Richters bereits 2013 für den Nationalrat und schaffte auch gleich den Einzug. Vom Parlament wechselte sie schließlich in den Wiener Gemeinderat - den sie wider Erwarten nach der erfolgreich geschlagenen Nationalratswahl 2017 nicht verlassen wollte. Mit Strolz hat sie sich intern immer wieder heftige Duelle geliefert - so hat man im Wien-Wahlkampf 2015 etwa lange darüber debattiert, ob die Neos (wie Meinl-Reisinger es wollte) angriffiger in Richtung FPÖ auftreten oder doch (wie Strolz das vorhatte) gemäßigt daherkommen sollen. Wohl aber, so Parteikenner, haben die beiden einander stets geschätzt und respektvoll behandelt. Zweifel daran, dass die von Strolz selbst als nächste Chefin vorgeschlagene Politikerin das Zeug zur Neos-Vorsitzenden hat, gibt es bei den Pinken kaum.

Nun, wo sie die Chef-Funktion übernehmen dürfte, fällt Meinl-Reisinger die Entscheidung offenbar leichter als im vergangenen Herbst. Insidern zufolge wird man sie "nicht zwei Mal bitten müssen", das pinke Ruder zu übernehmen - und die Neos damit nach dem Abgang des omnipräsenten Gründers wieder einmal aus einer lebensbedrohlichen Phase zu retten.