Politik | Inland
19.08.2017

Bad in der Wähler-Menge

Mehr Politiker denn je besuchen den Neustifter Kirtag.

Eine junge Frau mit knallroten Haaren muss zweimal hinschauen, bis sie überzeugt ist, wer da wenige Meter neben ihr am Eingang des Neustifter Kirtags steht: Norbert Hofer, in Trachtenjanker, Jeans und mit Sonnenbrille auf der Nase. "Es ist super, dass der aufgekreuzt ist", sagt sie, "der ist viel besser als der Häupl." Ob sie sich traut, um ein Autogramm zu bitten, weiß sie aber noch nicht. Eine andere Besucherin ist weniger zögerlich. Sie hat schon fünf Selfies mit Johann Gudenus von vergangenen Kirtagen – und vor wenigen Sekunden kam ein neues dazu.Gelegenheiten für Autogrammjäger boten sich bei der diesjährigen Eröffnung des Kirtags genügend: EU-Abgeordneter Harald Vilimsky (FPÖ), Bildungsministerin Sonja Hammerschmid und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (beide SPÖ), Landesparteiobmann Gernot Blümel, Klubobmann Manfred Juraczka und Außenminister Sebastian Kurz (alle ÖVP)mischten sich am Freitagabend im Neustifter Heurigen-Grätzel unters Volk. Ulrike Lunacek (Grüne) und Beate Meinl-Reisinger (NEOS) sind für das Wochenende angekündigt.

Einer vom Volk

Dieser politische Almauftrieb wundert Peter Filzmaier nicht. Derartige Veranstaltungen seien für Politiker "wertvoll", sagt der Politikwissenschafter. Während Partei-Events eher negativ konnotiert seien, würden Freizeitveranstaltungen die Gelegenheit bieten, sich in einer "Feel-Good"-Atmosphäre zu präsentieren. "Die Botschaft ist immer die gleiche, nämlich: Ich bin einer von euch, ich teile eure Alltagsvergnügen und Sorgen", erklärt Filzmaier. Bei einer Wahl werde über Volksvertreter abgestimmt, "darum nehmen Politiker jede Chance wahr, einer vom Volk zu sein." Aus Filzmaiers Sicht können Facebook und Instagram den Besuch vor Ort nicht ersetzen. Wichtig sei der Mix.

Zwischen den Heurigen warten aber zahlreiche Fallen auf die Politiker. Um etwaigen Koalitionsspekulation vorzubeugen, müssen sie achtgeben, mit wem sie in die Kameras lächeln, sagt Filzmaier. Um glaubwürdig zu sein, sei es außerdem wichtig, nicht erst im Intensivwahlkampf mit dem Besuch von populären Events zu beginnen. Dass Politiker diesen Rat nicht immer beherzigen, deutete Michael Ludwig in seiner Eröffnungsrede an. "Wenn besonders viele Politiker da sind, könnte es sein, dass bald Wahlen sind", sagte er scherzhaft. Die Lacher im Publikum blieben aus.