Warum es Wögingers Anwalt "auf jedes Wort" ankommt

Am Montag war Thomas Schmid im Postenschacher-Prozess geladen. Für den Anwalt von August Wöginger, Michael Rohregger, kommt es dabei "auf jedes Wort" an.
FORTS. PROZESS GEGEN ÖVP-KLUBOBMANN WÖGINGER UND ZWEI FINANZBEAMTE WEGEN AMTSMISSBRAUCHS: ROHREGGER

Drei Stunden lang musste Kronzeuge Thomas Schmid am Montag in einem Kammerl im Untergeschoß des Linzer Landesgerichts warten, während sich zwei Zimmer weiter ein erbittertes Kräftemessen zwischen August Wögingers Anwalt Michael Rohregger und der vorsitzenden Richterin Melanie Halbig abgespielt hat.

Rohregger beantragte, dass Bild- und Tonaufnahmen der Verhandlung angefertigt werden. Abgewiesen. Dann beantragte er, die Tonaufnahme der Schriftführerin zu bekommen. Abgewiesen. Dass er selbst eine Tonaufnahme machen darf. Abgewiesen. Dass alle bisherigen Aufnahmen der Schriftführerin (aus vier Verhandlungstagen) hier im Saal abgespielt werden. Abgewiesen. Dass sein Mandant vollinhaltlich die Aussagen seiner zwei Mitangeklagten bekommt. Abgewiesen.

Zwischen den Anträgen gab es jeweils lange Pausen. Halbig nahm sich Zeit, ihre Entscheidungen zu begründen, berief sich auf die Strafprozess- und die Hausordnung – und ließ Rohregger dann sogar noch mit seinem (scherzhaft gemeinten) Antrag auf Mittagspause abblitzen.

Wozu das alles? Rohregger sagt, es gehe ihm um Transparenz. In diesem Prozess komme es „auf jedes Wort“ an. Wer die vergangenen Verhandlungstage beobachtet hat, der weiß: Dem Verteidiger geht es dabei nicht nur um den für Wiener Ohren schwer verständlichen Mühlviertler Dialekt von Zeuge Michael L. vom Donnerstag. Es geht ihm um die Richterin.

Wie akribisch Halbig die Anklage abarbeitet – sodass für die WKStA kaum noch Fragen übrig bleiben –, wie intensiv sie bei Widersprüchlichkeiten nachbohrt, das hat bis dato jeden, der auf dem Sessel in der Mitte saß, an seine Grenzen gebracht. Nach jeder Antwort legt sie blitzschnell mit der nächsten Frage nach, unerbittlich konfrontiert sie Angeklagte wie Zeugen mit Aktenteilen, die sie offenbar auswendig kennt.

Rohregger will, dass das alles originalgetreu dokumentiert wird. Das Protokoll einer Gerichtsverhandlung ist sonst nicht Wort für Wort; es fasst zusammen, was gesagt wurde.

Im Übrigen: Dass die Protokolle der einzelnen Verhandlungstage umgehend zugestellt werden sollen, damit die Verfahrensbeteiligten das Gehörte noch einmal in Ruhe durchgehen können, das hat auch Wolfgang Mayerhofer, Anwalt von Opfer Christa Scharf, urgiert.

Rohregger hat am Montag die Marschrichtung angesagt, sollte sein Mandant am 21. April hier in Linz in der Finanzamt-Causa schuldig gesprochen werden: Dass die Richterin all seinen Wünschen nach Transparenz nicht entsprochen habe, sei ein Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, das ein „Recht auf ein faires Verfahren“ vorsieht, sagte er. Halbig blieb unbeeindruckt.

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