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Politik Inland
10/20/2021

Zu unkonventionell für die Kirche? Auftrittsverbot für Pfarrer

Diözese sperrt Josef Reisenhofer, weil er sich zu wenig an liturgische Kriterien der römisch-katholischen Kirche hielt.

Schuld war angeblich das Schlauchboot. In einem solchen (Farbe: knallgelb) hat Josef Reisenhofer, seines Zeichens Pfarrer im oststeirischen Hartberg, im Sommer an einem Badeteich eine Predigt gehalten. Die Messe wurde im Internet gestreamt, im ORF übertragen  - und das war dem Bischof irgendwann dann doch zu viel.

Am Mitttwoch bestätigte die Diözese Graz-Seckau einen Bericht der Kleinen Zeitung, wonach der Geistliche die liturgischen Kriterien mehrfach nicht eingehalten haben soll. Und das, obwohl es mit ihm diesbezüglich mehrere Gespräche gegeben hat, wie ein Sprecher der Diözese am Mittwoch erklärte.

Unbestritten ist: Josef Reisenhofer gilt als volksnah und unkonventionell. 2009 hielt er einen Gottesdienst in einer Groß-Disco bei Hartberg ab, die Gemeinde überträgt ihre Gottesdienste aus der barocken Stadtpfarrkirche seit vielen Jahren im Internet auf www.igod.com. Und das offenkundig in einer Qualität, die den ORF, konkret den Spartensender ORF III, auf die Messen aufmerksam gemacht hat - sie wurden mehrfach übertragen.

Dem volksnahen Pfarrer, der in und um Hartberg eine bemerkenswerte Fan-Gemeinde hinter sich weiß, dürfte nun exakt das zum Verhängnis geworden sein. Laut Diözese sei Reisenhofer bei Liturgie, Liedauswahl und Sprache "immer wieder" von den vorgegebenen Formeln abgegangen bzw. er habe es damit einfach nicht genau genug genommen. Das habe, so die Diözese, zahlreiche Kritiker auf den Plan gerufen. 

Kann Josef Reisenhofer wieder im Fernsehen auftreten? Die Diözese schließt es nicht aus. Vorerst sollten aber andere Pfarren bei TV-Gottesdiensten den Vorzug bekommen. 

Für Reisenhofer und seine Fans ist das ein inakzeptabler Zustand. Der Pfarrgemeinderat hat einen Brief an den Bischof geschrieben, damit dieser die Entscheidung revidiert. "Pfarrer Josef Reisenhofer versucht, die Messen sehr lebensnah zu gestalten. Er spricht eine Sprache, welche die Menschen verstehen und wählt Formulierungen, die bei ihnen ankommen", sagt der Vorsitzende des Hartberger Pfarrgemeinderats Fritz Polzhofer.

Am Mittwoch meldete sich auch der frühere Staatssekretär und ÖVP-Parlamentarier Reinhold Lopatka zu Wort. Lopatka lebt in Hartberg und hat kein Verständnis dafür, dass die Übertragung der Hartberger TV-Messen verboten worden ist: "Während in anderen Pfarrgemeinden gähnende Leere in den Kirchen vorherrscht, versteht es Stadtpfarrer Josef Reisenhofer mit Erfolg, Menschen für die Kirche und die frohe Botschaft Jesu zu gewinnen." 

Er, Lopatka, habe als Pfarrbewohner die "wunderbare Stimmung und Begeisterung der Jugend" bei der Messe am Greinbacher Freizeitsee direkt miterlebt. Ungeachtet von möglichen liturgischen Fehlern sei das Auftrittsverbot eine zu drastische Maßnahme.

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